Der Aargau

27 06 2011

In den letzten Wochen ist die Thematik des Lobbying für die
Region Nordwestschweiz in vielen Mündern. Dabei fokussieren sich die
Vernachlässigten vor allem auf die Betrachtungsweise der beiden Basel.
Verschiedene Kommentatoren attestieren dem Aargau dabei, dass er
Zürich-orientiert sei. Dies bringt mich auf den Plan, einen Versuch zu starten,
um dem Rest der Schweiz den Aargau zu erklären.

Der Kanton Aargau zählt mit seinen über 1400 Quadratkilometer
Fläche zu den grössten Kantonen in der Schweiz. Die beiden Basel sind zusammen fast 2,5-mal kleiner. Die riesige Kantonsfläche wird durch den Jura geografisch in einzelne Teile zerstückelt. Diese geografischen Hindernisse machen eine eigene Identität sehr schwer. Kein Wunder wird der Aargau missverstanden, wenn er sich manchmal selbst kaum versteht.

Der Aargau lässt sich grob in verschiedene Regionen einteilen. Das Fricktal, die Region Baden, das Freiamt, die Region Aarau sowie die Region Zofingen. Geografisch sind diesen Regionen die Nähe zu verschiedenen
Kantonen gemein. Das Fricktal tendiert Richtung Basel, Baden Richtung Zürich,
das Freiamt Richtung Luzern/Zug, Zofingen mit Abstrichen Richtung Solothurn und in der Mitte liegt das Zentrum um Aarau. Dies allein zeigt schon, wie oberflächlich die Aussage ist, der Kanton Aargau sei Zürich-orientiert.

Konzentrieren wir uns aber einmal auf das Fricktal. Eine Region, welche Flächenmässig etwas mehr als die Hälfte des Kantons Baselland ausmacht. Seit über 20 Jahren ist das Fricktal Basel orientiert. Als die Autobahn in Frick zu Ende war und sich die Kolonnen über den Bözberg Richtung Brugg wanden, war es eher das untere Fricktal, seit der Öffnung des Bözbergtunnels und dem Ausbau des öffentlichen Bahnverkehrs schielt aber auch das obere Fricktal vermehrt nach Basel. Das Gymnasium Muttenz gilt seit Jahren als Gymnasium der Fricktaler, da der Bezirk über kein eigenes Gymnasium verfügt und der Weg über den Berg nach Aarau zu mühsam scheint. Aber auch die Basler Gymnasien wurden mit dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs immer attraktiver. Die Region oder der Kanton Nordwestschweiz ist in diesen Köpfen seit jung auf ein Thema, da die Ausbildung kantonsunabhängig stattfindet und damit auch das soziale Leben.

Was für das Fricktal gilt, lässt sich auch auf die anderen Regionen ableiten. Kurzum, der Aargau ist ein breit gefächerter Kanton, welcher sich nicht einfach einordnen lässt. DEN Aargauer als solches gibt es kaum (mehr), weshalb es meines Erachtens zu kurz greift, den Aargau als Zürich-bezogen zu betiteln. Das mag für gewissen Themen und Region gelten, aber nicht pauschal. Man könnte also auch genauso gut sagen, der Aargau ist eher Basel-lastig, Solothurn-lastig, Luzern-lastig. Aber was wäre genauso falsch.

Der Aargau ist aber auf jeden Fall ein selbstbewusster Kanton geprägt durch Regionen mit einer eigenen Persönlichkeit und durchaus auch politischer Vielfalt. So nun wäre dies Lanze auch gebrochen!

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Wenn Fussball-Hooligans zum Spielball werden

20 05 2011

Schweizer Lokalpolitiker proben den Aufstand gegen den Fussball und die Swiss Football League. Zankapfel im Jahr des allgegenwärtigen Wahlkampfes sind die Fussball-Hooligans und der Schrei nach „Law und Order“.

Im Grunde wird eine Bewilligungspflicht für Fussballspiele gefordert. „Dann entscheiden wir, wann ein Spiel stattfindet, wir entscheiden, ob Gästesektoren zu bleiben und wir entscheiden, wo ein Fanzug hält!“, meint der Berner Gemeinderat Reto Nause knapp. Der Aufschrei ist nach den Ausschreitungen am letzten Samstag beim Spiel FCZ gegen den FCB lauter geworden und auch an diesem Fussballwochenende werden die Augen auf die Fans gerichtet sein.

Die Schuldigen sind leicht gefunden. Die Klubs und ihre angeblich wirkungslosen Massnahmen und die Liga, welche nicht handelt. Doch wie so oft, wird alles wieder einmal zu einfach gemacht. Genau wie an einem 1. Mai ist der Grad zwischen Repression und Involvierung der Fans in Fussball (und Eishockey) ein schmaler. Fussballspiele sind wöchentliche Machtdemonstrationen der Klubs und die Fans sind ihre Botschafter. Ganz ausschliessen kann man Ausschreitungen nie, aber gerade im Umfeld des FC Basel, welcher allein aufgrund der schieren Zahl an Fans auch rechnerisch am meisten „schwarze Schafe“ hat, zeigt, dass Repression nicht der Weisheit letzter Schluss ist.

Nach dem unsäglichen Treiben zu St. Jakob im Mai 2006 wurde einiges unternommen. Ausschreitungen grösseren Ausmasses kommen immer dann vor, wenn bei Auswärtsspielen von meist privaten Sicherheitskräften die Karte „Repression“ gezogen wird. Keine Wunder stachelt das an und ist der Mob erstmal am Wüten, lässt sich das Adrenalin nur schwer zügeln. Dies ist keine Entschuldigung, aber eine Erklärung.

Mit Drohungen der Politik löst sich das Problem nicht, es werden vielleicht höchstens Stimmen gewonnen und dies scheint als Aussenstehender im Jahre des Wahlkampfes wohl auch das zentrale Ziel.

Gewalt ist kein Phänomen des Fussballs, er ist als Magnet riesiger Menschenmassen oft halt ein Nährboden dafür, dass sich diese im grösseren Ausmass zeigt. Er fördert den Gewalttourismus, ist aber nicht der Grund. Den Fussball und die Spiele abzuschaffen oder abzusagen, ist keine Lösung, sondern steigert die Agressionen unnötig.

Es sind Lösungen gefordert, welche im Dialog erarbeitet werden, denn kein Klub und kein Fan hat ein Interesse daran, dass der Besuch von Fussballspielen zum Risiko wird. Ganz abgesehen davon, dass sich echte Hooligans mit Kodex sowieso am Rande solcher Veranstaltungen prügeln.

In die Pflicht nehmen muss man aber auch die Swiss Football League. Sie profitiert von den Klubs und lässt sich in der aktuellen Diskussion mit Schweigen im Regen stehen. Beamte eben!





Die Machtlosigkeit der Diplomatie

3 02 2011

Ägypten ist nicht Tunesien. Was friedlich begann und fast nach einem Märchen für einen friedlichen Umbruch aussah, scheint nach den aktuellsten Vorkommnissen zu eskalieren. Der Fall zeigt aber einmal mehr die Machtlosigkeit der Diplomatie und der internationale Politik. Ägyptens Machthaber provozieren die Unruhe und legitimieren ihre Position durch die „Wiederherstellung“ der Ruhe: Ausländische Einmischung unerwünscht. Kann ein Umbruch in einer faktischen Dikatur überhaupt friedlich über die Bühne gehen? Wie soll der Westen reagieren? Mit Waffengewalt und Armeen oder doch mit Diplomatie?

Wo Macht und Uneinsichtigkeit aufeinandertreffen, sind Lösungen nur schwer zu finden. Aus der Ferne stimmt einem das nachdenklich. Man wagt sich kaum vorzustellen, was passieren wird, wenn die Massen der Wirtschaftsmacht China einst den Aufstand proben sollten…





Outing im Leutschenbach

19 01 2011

Es heisst immer, beim Schweizer Fernsehen seien alles verkappte Linke. Stimmt doch gar nicht. Es gibt auch solche, die offen dazu stehen, wie TV-Mann Matthias Aebischer, der jetzt für den Kanton Bern in den Nationalrat will und darum beim Fernsehen gekündigt hat. Für welche Partei? Natürlich für die SP. Somit macht er den Schritt vom „verkappten“ zum „geouteten“ Linken. Soll mal einer sagen, die beim Fernsehen legen die Karten nicht auf den Tisch.





Anti-Offroader Initiative

29 09 2010

(An den Hummer gedacht und damit Hunderttausende Nicht-Hummer Fahrer getroffen.)

Die Schweiz wird sauber. So wünschen es sich die Initianten der „Anti-Offroader Initiative“. Da wir nicht Mitglied der EU sind, wird das auch gelingen, denn schliesslich macht der Feinstaub an der Grenze halt! Spass auf’s Velo (welche Analogie)! Seien wir ehrlich. Es scheint in der Politik nur etwas zu gehen, wenn man mit Verboten reagiert oder die Leute über den Geldbeutel zu einem anderen Verhalten zwingt. Das ist ein Fakt, dem wohl niemand – von rechts bis links – widersprechen mag. In diesem Sinne ist auch die Anti-Offroader Initiative folgerichtig. Dass diese von Personen getragen wird, die in einem urbanen Umfeld wohnen und sich deshalb den Luxus leisten können, Kind, Hund und alles andere im gut erschlossenen Nahverkehr zu transportieren, ist eine andere Geschichte.

Ich möchte auch gar nicht gross auf das Verbot einzelner Personenwagen eingehen. Alternativen gibt es immer. Grundsätzlich wäre es natürlich schöner, es gäbe europaweit Alternativen und wir Schweizer wären dann nicht die einzigen mit einer limitierten Auswahl an Fahrzeugen. Aber die Bewohner der DDR durften sich ja nichts kaufen, was aus dem Westen kam. Somit werden auch wir Schweizer uns an diesen „Neu-Kommunismus“ gewöhnen.

Viel schwerer wiegt die Tatsache, dass Fahrzeuge, welche vom Verbot betroffen sind und bereits in der Schweiz immatrikuliert sind, nur noch 100 km/h fahren dürfen. Dies ist meines Erachtens das grosse Übel dieser Initiative. Was gut gemeint ist (man will verhindern, dass Fahrzeuge im Ausland gekauft werden) ist nicht nur eine Beschneidung der eigenen Freiheit (im Zeitpunkt des Kaufes war das Fahrzeug nämlich gesetzeskonform), es geht auch ans Eingemachte. Das Schweizer Volk kann nämlich darüber entscheiden, ob ich von einem Tag auf den anderen ein wertloses Fahrzeug habe. Es ist also ein direkter Eingriff in meine Vermögensverhältnisse. Mein legal gekauftes Fahrzeug kann nicht mehr in der dafür bestimmten Weise verwendet werden und der Wiederverkaufswert sinkt massiv. Ganz abgesehen davon, dass eine ganze Industrie (Auto-Occasionshändler) in ihrer Existenz bedroht sind, weil sie auf wertlosem Bestand an Fahrzeugen sitzenbleiben.

Es ist in etwa so, wie wenn Sie ein 6-Zimmerhaus bauen und ihnen dann eine Initiative vorschreibt, dass Sie ab sofort nur noch vier dieser Zimmer nutzen dürfen. Die restlichen zwei werden blombiert und bleiben leer!

Da diese Initiative nur auf unsere Kleinland beschränkt ist, werden die ausländischen Autoproduzenten kaum genug Druck spüren, neue Modelle rasch genug zu entwickeln, damit gangbare Alternativen zur Verfügung stehen. Kommt hinzu, dass die Mehrzahl der angepeilten Fahrzeuge, darunter auch Sportwagen, die selten tagtäglich gefahren werden, der ausländischen Autoindustrie grosse Gewinne bringen. Diese fallen nun weg und die Industrie müssten wohl einfach die Preise für die sogenannten „normalen“ Fahrzeuge erhöhen, um doch noch was herauszuholen. Dies könnte dazu führen, dass die Hochpreisinsel Schweiz um ein weiteres Kapital reicher wäre und die Kaufkraft der Schweizer Bevölkerung strapaziert würde. Ist ja aber keine Problem, der Schweizer Wirtschaft und damit dem Schweizer Arbeitnehmer geht es ja blendend! (ACHTUNG: Zynismus)

So sympathisch der Titel „Für eine menschenfreundlichere Mobilität“ auch klingen mag, mein Rechtsverständnis wird dann strapaziert, wenn bereits erworbene Rechte wie im Falle der bereits immatrikulierten Fahrzeuge tangiert werden und damit auch meine persönliche Wirtschaftlichkeit. Hätte man sich doch nur auf ein Verbot für die Zukunft beschränkt unnd damit ein klares Signal gesetzt, aber bereits erworbenen Besitzstand nicht beschnitten.





Autos contra Velo

25 08 2010

Gerade in den Städten tobt der tägliche Kampf zwischen dem motorisierten Verkehr und den Velofahrern. Dabei sind die Velofahrer per se die „Opfer“. Am 11. September will die „Velo-Community“ in den Schweizer Städten denn auch für ihr Rechte demonstrieren. Trotzdem muss ich hier mal was loswerden, was mich als Autofahrer stört und was ich tagtäglich im Verkehr erlebe. Velofahrer sehen sich aufgrund ihrer Fortbewegung allein aus Muskelkraft (obwohl das mit dem Aufkommen der Elektrovelo auch nicht mehr für alle gilt) als Verkehrsteilnehmer in einem rechtsfreien Raum. Da werden Rotlichter überfahren, Trottoirs als Velostreifen benutzt, Einbahnstrassen missachtet oder rechts überholt, wenn Autofahrer am Fussgängerstreifen anhalten. Dabei gefährden die Velofahrer nicht nur sich selbst, sondern auch die Fussgänger.

Es gibt in jeder Kategorie der Verkehrsteilnehmer „Gute“ und „Böse“. Das ist ein Fakt. Es gibt daher auch Velofahrer, die sich an die Regeln halten. Allerdings werden die beiden Verkehrsteilnehmer erst dann auf gegenseitiges Verständnis stossen, wenn Autofahrer nicht per se als die „Bösen“ und Velofahrer als die „Guten“ betrachtet werden. Ich unterstütze es, wenn Velofahrer für mehr Rechte kämpfen, sie sollten aber auch beachten, dass auch sie Pflichten haben. Eine davon wäre die Einhaltung der einschlägigen Regeln des Strassenverkehrs.

P.S. Um meine Sympathie mit den umweltfreundlichen Verkehrsteilnehmer zu zeigen, werde ich an dieser Stelle in Kürze die „perfect 10 bicycle garage“ veröffentlichen.





Keine Schulden zu Lasten der nachfolgenden Generation

9 06 2010

Die Wirtschaftskrise ist (zumindest vorerst) überstanden und die vom Staat geretteten Unternehmen erholen sich wieder langsam. Auch jene, welche keine Staatsintervention nötig hatten und es aus eigener Kraft geschafft haben. Nun ist die Reihe aber an den Rettern selbst, dem Staat. Nicht nur Deutschland merkt, dass man den Gürtel enger schnallen muss. Denn auch Schulden zulasten des Steuerzahlers und der nachfolgenden Generation zu machen, ist so ebenso wenig sozial.

Nun lässt mich aber eine neue Studie aufschrecken. Sie zeigt, dass die Jugendlich kein Preisbewusstsein hätten und ein Grossteil zumindest „schuldengefährdet“ ist. Obwohl, so als Nebenbemerkung, Schulden machen ein Zeichen für Wachstum ist und dem Volkswirtschafter gefällt.

Ketzerisch könnten man sich also fragen, ob es wirklich eine Last für die nachfolgende Generation ist, wenn man ihr Schulden überlässt. Sie scheint ja laut Studie zumindest Erfahrung darin zu haben (ACHTUNG: dies ist ironisch gemeint!!).

Im Ernst: das Verhalten zeigt zumindest eines. Die heutige und auch zum Teil heranwachsende Generation scheint sich darauf zu verlassen, dass jemand (Eltern, Staat?) die Sache schon regelt. Und das ist die wirklich gefährliche Erkenntnis aus dieser Studie. Denn wir haben uns an grosse Summen gewöhnt. Nach oben wie nach unten.