Kommunikation wirkt!

20 10 2009

Favre

(Ein Kommunkationsfehler kostet ihn Millionen: Der bei Hertha BSC entlassene Lucien Favre.)

Nun, man kann es nicht oft genug betonen. Kommunikation und das Wissen, sie richtig einzusetzen, ist heute über die Geschäftswelt hinaus ein Werkzeug der Strategie. Die richtige Kommunikation zum richtigen Zeitpunkt, kann einem aus misslichen Situationen helfen, falsch eingesetzt führt sie einem aber schnell ins Abseits. So wie im Beispiel des Lucien Favre. Eine Pressekonferenz nach seiner Freistellung als Trainer von Hertha BSC bringt ihm nun eine fristlose Entlassung, was seine Aussicht auf einen millionenschweren Vergleich schwinden lässt. Der Mann war schlecht beraten könnte man von Aussen her meinen. Einer seiner Berater ist ein ehemaliger Sportjournalist, welcher heute erfolgreich eine Spielervermittleragentur leitet. Der Mann sollte als Journalist etwas von Kommunikation verstehen, könnte man meinen.

Nun ist es aber so, dass nicht jeder Journalist per se ein guter Kommunikator ist. Das haben schon unzählige Grossunternehmen festgestellt, welche in der Aussicht auf gute Schlagzeilen in der Wirtschaftspresse Journalisten von der Redaktion weg als Kommunikatoren eingestellt haben und gescheitert sind. Ich möchte hier jetzt aber nicht, über das heutige Ausbildungsbild von Kommunikationsfachleuten referieren. Es geht um die Beratung. Man könnte also meinen, Lucien Favre ist schlecht beraten worden, was ihn nun mehrere Millionen kostet, vom Imageschaden abgesehen. Doch ich denke, es ist ganz anders und in der Beratung ein weit verbreitetes Phänomen. Lucien Favre dürfte ein Typ sein, der beratungsresistent ist und am Ende, hat er sich die Situation selbst eingebrockt. Wer sich als Trainer nicht dreinreden lässt, hat es schwer, nachher plötzlich auf andere zu hören.

Man kann davon ausgehen, dass der Romand, in seinem Stolz nach der Freistellung verletzt, den Weg an die Öffentlichkeit suchte. Wahrscheinlich haben ihm seine Berater davon sogar abgeraten (es wäre auf jeden Fall ihre Pflicht gewesen). Hört der „Chef“ aber nicht auf einem, dann hat man als Berater nur noch eine Möglichkeit, den Schaden so gering wie möglich zu halten. Nun auch diese Strategie ging im Falle des Lucien Favre nach hinten los. Zwar las Favre bei der Pressekonferenz von einem Manuskript ab, was darauf schliessen liesse, dass die Berater eben versuchten, den Schaden einzugrenzen, aber in der Fragerunde, war er dann doch nicht zu stoppen.

Nun, wie auch immer es im Falle des Lucien Favre war. Eines ist in der Welt der Berater klar. Wenn es klappt, ist der Auftraggeber der Gefeierte, wenn es in die Hosen geht, ist der Berater schuld. Und zwar immer, egal ob der Auftraggeber gegen die Überzeugung des Beraters handelte.

P.S. Wie immer hat der Blick seine eigene unverblümte Meinung zum Theater.

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Fussball ist ein Produkt

16 09 2009

Fans

(Fussballclubs buhlen um die Gunst und das Geld der Fans.)

Früher war alles besser und einfacher. Da gingen die Leute noch aus purer Begeisterung und Liebe zum Verein an Fussballspiele. Das ist heute zwar auch noch so, aber es ist unbestritten, dass Fussball heute auch ein Produkt ist. Die Konkurrenz in unsere Eventgesellschaft ist gross und die Angebote zahlreich.

Noch immer gibt es natürlich jene, die aus Liebe zum Verein an Fussballspiele gehen, doch genügen diese Zuschauer heute nicht mehr, um die explodierenden Kosten eines professionellen Fussballbetriebs zu decken. Werbe- und Sponsoringeinnahmen machen heute einen Grossteil des Budgets aus. So betragen zum Beispiel die Zuschauerreinnahmen bei Bayern München nur 24% der Gesamteinnahmen. Bei Schweizer Vereinen sind es weit über 90% im Schnitt. Die Schweizer Vereine haben es zum Teil aufgrund fehlender TV-Einnahmen und anderen wirtschaftlichen Grundvoraussetzungen als ausländische Clubs, aber auch aufgrund zum Teil miserabler Merchandising-Abteilungen verpasst, diesen Anteil zu verkleinern. Die Folge: Schweizer Vereine müssen konstant an ihrem „Produkt“ feilen, um die Massen und damit die Grundlage für ihr wirtschaftliches Überleben in die Stadien zu ziehen.

Am Beispiel des FC Basels zeigt es sich, dass diese Produkt zurzeit nicht stimmt. Das Preis/Leistungsverhältnis liegt nicht in den Erwartungen des Konsumenten. Dies zeigt, dass nur gerade 12’000 Packages für die drei Euroleaguespiele verkauft wurden und für den Knüller gegen die AS Roma bisher knapp 17’000 Tickets über den Ladentisch gingen. Dies müsste den Verantwortlichen zu denken geben.

Nun muss dringend das Produkt respektive die Leistung, welche der Konsument/Fan davon erhält verbessert, oder der Preis gesenkt werden. Ende Jahr werden zudem die Jahreskarten erneuert. Viele vor allem Firmen, welche bisher gleich mehrere Tickets kauften, werden sich fragen, ob sie diese erneuern. Es zeigt sich aber auch, dass die Kommunikation und damit die Vermarktung des Produktes eine grosse Rolle spielt. Auch der FCB wird bald merken, dass die Marke sich nicht von alleine verkauft und neue innovative Ideen nötig sind (siehe auch „Sport-PR: Der FC Basel„).





Sport-PR (Teil 4): Der FC Basel

2 07 2009

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Im 4. und letzten Teil der kleinen Serie „Die Kommunikation der Schweizer Fussballvereine im Urteil“ wenden wir uns dem Branchenprimus und Massstab schlechthin der Super League zu, dem FC Basel. Niemand im Schweizer Fussball verfügt über mehr Personal und ist professioneller organisiert als der FC Basel. Kein Tag vergeht, an welchem die Augen der Öffentlichkeit nicht auf den FC Basel gerichtet sind. Kein Wunder sind die Erwartungen an die Kommunikation hoch.

Bei der Beurteilung wird nach folgendem Raster vorgegangen. Ausgangspunkt ist die Website des Klubs: http://www.fcb.ch. Es geht allerdings nicht darum, den Internetauftritt als solches zu analysieren, sondern diverse Punkte der Stakeholderkommunikation anhand der Website zu beurteilen. Im Vordergrund stehen folgende Punkte:

–          Gibt es eine Medienseite?

–          Welchen Inhalt haben die News?

–          Welche Informationen gibt es für potentielle Sponsoren?

–          Was wird den Fans geboten?

–          Wie ist das Angebot im Bereich Merchandising?

Ebenfalls in die Beurteilung fliesst die Berichterstattung in den Medien sowie das Bild, welche die Vereine in den Medien abgeben.

Medienkontakt

Wie auch die anderen vier Teams dieser Testreihe verfügt der FCB über einen vollamtlichen Medienverantwortlichen. Es gibt zwar keinen direkten Kontakt zum Mediensprecher, vielleicht auch, weil ihn eh jeder kennt und seine Natelnummer hat. Trotzdem wäre dies gerade für jene, welche nicht Woche für Woche über den FCB berichten, sicher hilfreich. Ansonsten ist alles da, was es braucht, um sich über den FCB zu informieren. Schade aber auch hier, dass gerade Hintergrundinformationen wie ein Dossier über die Geschichte des Klubs fehlen. Eigentlich wäre dies ein Leichtes, ist der Medienchef doch Autor verschiedener Bücher über den FCB. Stoff hätte man genug, man muss die Infos nur anbieten.

News-Gehalt

Hauptsächlich News rund um die sportlichen Aspekte. Von denen allerdings nicht zu wenig. Hier läuft was, selbst in der „fussballfreien“ Zeit. Da steckt viel Arbeit und „Manpower“ dahinter. Selbst Abgänge und Vertragsauflösungen werden, wenn auch oft später als diese bereits in den Medien auftauchen, kommuniziert. Und zwar nicht zu knapp, sondern immer mit dem nötigen Respekt gegenüber den Verdiensten des Spielers.

Potentielle Sponsoren

Hier herrscht gähnenden Leere. Man erfährt zwar, wer Sponsor ist, nicht aber, wie man investieren kann und was man dafür erhält. Nun, Geld scheint der FCB zu haben und wahrscheinlich läuft es hier nach dem Motto: Wir sind die Nummer 1 in der Schweiz und in Basel sowieso – da kommen die Sponsoren automatisch, wenn sie was wollen. Das mag richtig sein, wenn man an die „grossen Fische“ denkt. Aber hunderte von KMUs mit vergleichsweise „kleineren Beträge“ um die 100’000 CHF und weniger, werden aussen vor gelassen. Die Strategie geht solang auf, wie der sportliche Erfolg da ist und solange das lokale und nationale Networking der Marketingabteilung rund läuft.

Trotzdem: hier ist Verbesserungsbedarf vorhanden, denn man muss auch in die Zukunft schauen und weniger rosige Zeiten antizipieren. Nur weil es momentan sportlich läuft, fliessen auch die Gelder. Es ist noch keine 20 Jahre her, da hat der FCB unter Peter Epting um Geld gebettelt und wäre fast Bankrott gegangen. GC und der FCZ machen dies klar besser!

Angebot für Fans

Das wahrscheinlich reichhaltigste Angebot für Fans bei allen vier getesteten Klubs. Von Informationen, über Spiele bis Multimedia-Angeboten. Alles ist vorhanden. Trotzdem, die Merchandising Artikel scheinen nicht immer den Nerv der Zeit zu treffen und wirken oft als „Geldmacherei“. Kein Produkt, welches das FCB Logo nicht trägt. Kein Wunder blüht ausserhalb der offiziellen Kanäle eine Handel mit zum Teil weitaus „originelleren“ Merchandising-Artikeln. Ein Geschäft, das eigentlich der Klub machen sollte.

Das Bild in den Medien

Der FCB macht eigentlich alles richtig und wird gelobt, solange der Erfolg stimmt. Kein Klub arbeitet professioneller, wohl auch weil die Konkurrenz in der Schweiz nicht allzu gross ist. Trotzdem, die mittlerweile fast 100 Mitarbeitenden zählende FCB-Truppe kann auch mit kleineren Klubs grosser ausländischer Ligen mithalten.

Ein Problem, dass man bisher nie in den Griff bekommen hat, sind die Probleme mit den Anhängern sowie die Fan-Ausschreitungen meist neben dem Platz. Mehr Fans = mehr Probleme ist eine einfache Antwort auf eine schwierig zu lösende Frage. Manchmal wünschte man sich, der Branchenprimus würde hier auch in der Öffentlichkeit eine Vormachtsstellung einnehmen.

Der FCB profitiert auch von einem fast ausnahmslosen Rückhalt in der Region. „Kritik“ gegen den FCB ist kaum hörbar und so hat er vorerst auch auf politischem Parkett eine ziemlich starke Stellung. Hier gilt es, sich diese Stellung in Zukunft nicht zu verbauen.

Fazit

Der FCB macht (fast) alles richtig. Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass er sein Potential nicht voll ausschöpft. Muss er zurzeit auch nicht, da die Konkurrenz in der Liga sportlich und wirtschaftlich überschaubar ist. Solange es sportlich läuft, scheint die Kommunikation kein Problem zu sein. Ob er sich in wirklichen Krisen auch oben halten kann, muss er aber erst beweisen. Die Auftritte nach dem verlorenen Meisterschaftsfinish gegen den FCZ 2006 und die Entlassung von Trainer Christian Gross zeigten zumindest, dass der FCB „Schwächen“ zeigt, wenn er mal wirklich kommunikativ gefordert ist.

Bisher erschienen:

– Sport-PR: Die Kommunikation der Schweizer Fussballvereine im Überblick

– Teil 1: Der Grasshopper-Club Zürich

– Teil 2: Die Berner Young Boys

– Teil 3: Der FC Zürich





Sport-PR (Teil 3): Der FC Zürich

24 06 2009

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In Teil 3 der kleinen Serie „Die Kommunikation der Schweizer Fussballvereine im Urteil“ wenden wir uns dem aktuellen Schweizer Meister der Super League zu, dem FC Zürich. Natürlich erwartet man von einem Meister auf dem Rasen auch, dass er zu den Meistern der Kommunikation gehört. Hat doch der Zürcher Stadtklub genau wie die Berner Young Boys, die Grasshoppers sowie der FC Basel einen vollamtlichen Medien-/Kommunikationschef.

Bei der Beurteilung wird nach folgendem Raster vorgegangen. Ausgangspunkt ist die Website des Klubs: http://www.fcz.ch. Es geht allerdings nicht darum, den Internetauftritt als solches zu analysieren, sondern diverse Punkte der Stakeholderkommunikation anhand der Website zu beurteilen. Im Vordergrund stehen folgende Punkte:

–         Gibt es eine Medienseite?

–         Welchen Inhalt haben die News?

–         Welche Informationen gibt es für potentielle Sponsoren?

–         Was wird den Fans geboten?

–         Wie ist das Angebot im Bereich Merchandising?

Ebenfalls in die Beurteilung fliesst die Berichterstattung in den Medien sowie das Bild, welche die Vereine in den Medien abgeben.

Der FC Zürich ist in den letzten Jahren dreimal Meister geworden und hat sich vom Arbeiterklub zu einem professionell (100%-Präsident Canepa und Sportchef Bickel) geführten Klub entwickelt. Immer noch spielt man gerne mit der Rolle des Underdog , aber längst ist der Arbeiterklub in höheren Budgetsphären angekommen.

Medienkontakt

Zumindest vordergründig top. Ob dann hinten raus auch geliefert wird, was versprochen ist, können wir nicht beurteilen. Auf jeden Fall gibt es alle notwendigen Informationen im „Medien-Corner“. Telefonnummer und eMail des Medienchefs sowie alle Pressemitteilungen sind auch auf fcz.ch. Zudem ist der FCZ der einzige Klub in der bisherigen Serie, der verschiedene Pressemappen mit historischen und aktuellen Informationen zum Download anbietet. Ein sehr guter Dienst, auch wenn die eigentlichen Informationen noch ergänzt werden können. So wäre dieser Bereich auch die Gelegenheit mehr Informationen über Fan- und Jugendarbeit sowie weitere Engagements zu platzieren.

News-Gehalt

Es gibt regelmässig News. Querbeet und nicht nur auf die sportlichen Aktivitäten beschränkt. Sehr gut auch die Möglichkeit, sich News via RSS zu abonnieren. Dies zeigt, dass man auch den elektronischen Kanälen sowie Web 2.0 Applikationen aufgeschlossen gegenüber steht.

Potentielle Sponsoren

Vorbildlich! Es gibt unzählige Informationen unter einem speziellen Punkt „Sponsoringmöglichkeiten“. Wo es keine weiterführenden Informationen per PDF gibt, ist für jeden einzelnen Sponsoringbereich eine Person mit eMail und Telefonnummer angegeben. Hier stimmt nicht nur der Inhalt sondern auch die Verpackung.

Ausserdem wird auch gleich die Möglichkeit für Sponsoring bei den FCZ Frauen, den Letzikids und der Academy angeboten. Ein wahrlich integrativer Ansatz, der sehr positiv ist.

Kleiner Wehrmutstropfen auch hier, genau wie bei den anderen beurteilten Klubs bisher: Man erfährt praktisch immer nur, welche geldwerte Leistung man für sein Sponsoring erhält. Zu wenig wird aus dem Brand FCZ und der Vermittlung seiner Werte gemacht.

Angebot für Fans

Interessant ist, dass es keinen speziellen Fanbereich gibt. Entweder sind alle, die zum FCZ kommen Fans und es erübrigt sich deshalb, oder man legt keinen Wert darauf. Immerhin ist das Angebot mit FCZ-TV und dem Shop grosszügig und vielfältig. Auch der FCZ hat eine Zeitschrift. Im Bereich „Club“ findet man dann doch noch etwas für Fans. Zum einen Porträts verschiedener Fanklubs, zum anderen Informationen zur Fanarbeit. Informationen übrigens, die wir uns auch im Download-Bereich im Medien-Corner vorstellen können. Denn die Fan-Arbeit hat zwar als erste Zielgruppe die Fans, aber im Spannungsfeld der Öffentlichkeit, muss man auch den Medien darlegen, was man in diesem Bereich unternimmt.

Ziemlich umständlich hingegen ist der Weg herauszufinden, ob und wie man Mitglied beim FCZ wird.

Das Bild in den Medien

Der FCZ kommt in den Medien sehr gut weg. Bodenständig und volksnah. So standen die sportlichen Exponenten des Klubs während des Meisterschaftsfinales fast jederzeit zur Verfügung, während man sich beim FCB an feste Termine und Gesprächspartner hielt. Die einen mögen dies unprofessionell andere eine offene Kommunikation nennen. Solange es die Spieler nicht von ihre Arbeit abbringt ist es auf jeden Fall kommunikativ zu begrüssen.

Ein weiterer Vorteil des Klubs ist es, das er immer noch vom Ruf des Arbeiterklubs profitieren kann. Geld und Budget stehen kommunikativ nicht im Vordergrund und das obwohl er der einzige Klub in der bisherigen Serie ist, der einen Bereich „Management“ hat, wo auch Finanzkennzahlen transparent kommuniziert werden. Hier sieht man, dass der Klub auch wirtschaftlich ganz oben mitreden will.

Fazit

Der Meister wird seinem sportlichen Anspruch auch kommunikativ gerecht. Fast ohne Negativpresse und immer bodenständig und trotzdem professionell im Hintergrund. Die Kommunikation stimmt hier.

Nächste Woche schliessen wir die Serie ab und schauen dem Branchenprimus, dem FC Basel kommunikativ auf die Finger.

Bisher erschienen:

Sport-PR: Die Kommunikation der Schweizer Fussballvereine im Überblick

Teil 1: Der Grasshopper-Club Zürich

Teil 2: Die Berner Young Boys





Sport-PR (Teil 2): Der BSC Young Boys

15 06 2009

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In Teil 2 der kleinen Serie „Die Kommunikation der Schweizer Fussballvereine im Urteil“ wenden wir uns dem diesjährigen Meisterschafts-Zweiten, den Berner Youngs Boys zu. Mit 11 Meisterschaften und 6 Cuperfolgen gehört der Hauptstadtklub ebenfalls zu den erfolgreichen dieses Landes.

Bei der Beurteilung wird nach folgendem Raster vorgegangen. Ausgangspunkt ist die Website des Klubs: http://www.bscyb.ch. Es geht allerdings nicht darum, den Internetauftritt als solches zu analysieren, sondern diverse Punkte der Stakeholderkommunikation anhand der Website zu beurteilen. Im Vordergrund stehen folgende Punkte:

–         Gibt es eine Medienseite?

–         Welchen Inhalt haben die News?

–         Welche Informationen gibt es für potentielle Sponsoren?

–         Was wird den Fans geboten?

–         Wie ist das Angebot im Bereich Merchandising?

Ebenfalls in die Beurteilung fliesst die Berichterstattung in den Medien sowie das Bild, welche die Vereine in den Medien abgeben.

Die Berner warten seit der Eröffnung des „Stade de Suisse“ auf die ganz grossen Erfolge. Sie waren in den letzten beiden Jahren mit zwei zweiten Plätzen jeweils nahe dran und verloren in diesem Jahr gegen den FC Sion. Mit einem Schnitt von knapp 18’000 Zuschauern liegen sie nur knapp hinter dem Branchenprimus, dem FC Basel. Die Fanbasis ist denn auch die Grundlage für einen erfolgreichen Klub, sportlich wie wirtschaftlich.

Medienkontakt

Der Medienkontakt ist klar ersichtlich und einfach zu erreichen. Die Medienmitteilungen sind alle auch auf der Internetseite publiziert, zusätzlich kann man sich für einen Newsletter anmelden. Einzig fehlt ein Gesicht, respektive eine Person, welche in Medienbelangen zuständig ist. Es gibt nur eine allgemeine Medienadresse. Auch gibt es keine Telefonnummer für die Medienschaffenden.

News-Gehalt

Der Newskanal wird regelmässig gefüttert. Da auch die offiziellen Medienmitteilungen auf der Website publiziert werden, gehen die Inhalte über die eigentlichen „sportlichen“ Informationen hinaus. So wie im aktuellen Falle die Stellungnahme des Klubs zum Urteil der Swiss Football League aufgrund der Ausschreitungen nach dem Meisterschaftsspiel gegen Neuenbur Xamas. Dies erhöht die Transparenz rund um die Klubpolitik und ist positiv zu werten.

Potentielle Sponsoren

Die Berner scheinen finanziell abgesichert. Sie brauchen keine neuen Sponsoren, denn es gibt keine Möglichkeit, sich ein Bild darüber zu machen, wie man Sponsor wird und was man dafür erhält. Stattdessen wird den aktuellen Sponsoren eine Plattform geboten.

Immerhin sind genügend Dokumentationen für potentielle Werbetreibende vorhanden. So gibt es diverse Arten der Stadionwerbung (bis hin zur Toilettenwerbung!) und sogar Angebot speziell auf KMU zugeschnitten. Hier steht YB dem Grasshoppers-Klub in nichts nach.

Trotzdem: für eine Topbewertung fehlen klare Sponsoring-Konzepte und Angebote. Selbst wenn diese in den Schubladen der Geschäftsstelle schlummern, müssen sie pro-aktiv kommuniziert werden. Denn Sponsoreneinnahmen kann ein Fussballklub, gerade in der Schweiz, nie zu wenig haben.

Positiv ist hingegen das Angebot für VIPs sowie die dazugehörenden Hospitality-Angebote. So gibt es sogar die Möglichkeit, eine 12er Loge für ein Spiel zu buchen. Eine intelligenter Marketing-Schachzug, denn dadurch bleibt das VIP-Segment keine geschlossene Gesellschaft. Im Gegenteil: YB erschliesst sich so von Spiel zu Spiel immer neue Fans im oberen Preissegment.

Angebot für Fans

Dieses Angebot lässt kaum Wünsche offen. Die Beiträge des Stadion TV können auch Tage nach einen Spiel angeschaut werden, womit das „Erlebnis YB“ weit über die 90 Minuten im Stadion hinausgeht. Ausserdem wird ein eigenes YB-Radio vom Klub zumindest kommunikativ unterstützt. Für die Fans gibt es zudem SMS-Dienst, eine Magazin und Foren. Der Online-Shop biete zudem ein sehr grosses Angebot. Kein Wunder kann der BSC YB auf eine so grosse Fangemeinde zählen, denn den Fussballanhängern wird einiges geboten.

Die Fanarbeit schlägt damit jene der Grasshoppers, welche letzte Woche bewertet wurden, um Längen!

Das Bild in den Medien

Sportlich stimmt bei den Bernern vieles. Die Mannschaft spielt einen ein begeisternder Fussball und macht kaum negative Schlagzeilen. In letzter Zeit gab es des öfteren Probleme wegen Fan-Ausschreitungen. Hier hat man sich kommunikativ relativ souverän geschlagen. Weit komplexer waren hier die „politischen Diskussionen“ mit dem ehemaligen Stadion CEO sowie dem YB-Verwaltungsrat. Insgesamt aber hat der BSC Young Boys nicht zuletzt wegen seines offensiven Fussballs auch im Bild der Öffentlichkeit ein positives Image. Die Berner profitieren dabei aber sicherlich auch davon, dass sie im Gegensatz zur Konkurrenz aus Basel und Zürich nicht ganz so im Fokus der nationalen Medien stehen und sich das nationale Interesse eher auf die Geschehnisse auf dem Rasen, als auf jene daneben konzentriert.

Fazit

Die Berner machen kommunikativ eine gute Falle. Hier ist die Aufbruchstimmung mit dem neuen Stadion auch in der Kommunikationsarbeit zu spüren. Wichtig ist es nun, dies weiterhin halten zu können und dem Anspruch auch dann gerecht zu werden, wenn man wirklich Probleme auftreten respektive wenn das Interesse weiter steigt, sollten sie endlich mal einen Titel holen.

Nächste Woche schauen wir was beim aktuellen Meister, dem FC Zürich, an der Kommunikationsfront läuft.

Bisher erschienen:

Sport-PR: Die Kommunikation der Schweizer Fussballvereine im Überblick

Teil 1: Der Grasshopper-Club Zürich





Sport-PR (Teil 1): Der Grasshopper-Club Zürich

10 06 2009

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Im ersten Teil der Serie „Die Kommunikation der Schweizer Fussballvereine im Urteil“ befassen wir uns mit dem Branchenprimus, zumindest was das Palmarès betrifft: dem Grasshoppers-Club Zürich, dem Rekordmeister. Bei der Beurteilung wird nach folgendem Raster vorgegangen. Ausgangspunkt ist die Website des Klubs: www.gcz.ch. Es geht allerdings nicht darum, den Internetauftritt als solches zu analysieren, sondern diverse Punkte der Stakeholderkommunikation anhand der Website zu beurteilen. Im Vordergrund stehen folgende Punkte:

– Gibt es eine Medienseite?

– Welchen Inhalt haben die News?

– Welche Informationen gibt es für potentielle Sponsoren?

– Was wird den Fans geboten?

– Wie ist das Angebot im Bereich Merchandising?

Ebenfalls in die Beurteilung fliesst die Berichterstattung in den Medien sowie das Bild, welche die Vereine in den Medien abgeben. Die Zürcher Grasshoppers sind, was die Titel betrifft der Branchenprimus. Lange Zeit hat der GCZ die Schweiz im Internationalen Fussball vertreten, weshalb der Brand „GC“ dort einen guten Ruf hat resp. hatte. Seit dem Abgang der Mäzene Spross und Gerber, werden beim GCZ kleiner Brötchen gebacken. Jetzt wo das Geld nicht mehr da ist, zeigt sich, dass der Verein in einer Identitätskrise ist. Eine Situation, deren Verbesserung mit einem klaren Kommunikationskonzept zumindest unterstützt werden könnte.

Medienkontakt

Medienseitig wird man zuerst enttäuscht. Kein Bereich deutet beim Rekordmeister daraufhin, dass es so was wie einen Medienkontakt gibt. Erst bei näherem hinschauen findet sich unter News/Media Releases ein Kontakt und eine Ansprechperson. Allerdings sind die Medienmitteilungen für das gemeine Volk nicht einsehbar. Dieser Bereich ist passwortgeschützt, was genauso verwundert, wie die Tatsache, dass ein Login nur telefonisch angefordert werden kann. Dazu passt auch die Medienarbeit zu den aktuellen Abgängen dieses Sommers. Der VfB Stuttgart hat den jungen Alessandro Riedle geholt und dies auch kommuniziert, Murat Yakin geht als Trainer nach Thun und Scott Sutter wechselt ablösefrei zu den Berner Young Boys. Und was machen die Grasshoppers? Sie schweigen. Keine Meldung auf der Homepage, keine offizielle Stellungsnahme zu den Abgängen. Das findet nicht nur die NZZ vom 9. Juni 2009 sonderbar und stellt richtig fest: „In einer Zeit, in der sich viele fragen, wohin der Weg des Rekordmeisters führt, wäre eine Erwähnung der offizialisierten Transfers ein Communiqué wert“.

News-Gehalt

Der Newskanal wird regelmässig gefüttert. Dazu gibt es ein Klubmagazin und einen Newsletter. Quantitativ stimmt es also, qualitativ kann und soll dies auf die Schnelle nicht beurteilt werden.

Potentielle Sponsoren

Zuerst wird man enttäuscht, denn unter dem vielversprechenden Titel „Unser Sponsoren-Konzept“ erfährt man nur gerade, dass es 5 Kategorien gibt. Fehlanzeige was ein Konzept betrifft. Allerdings findet man dann trotzdem noch Angebote für Werbung und Hospitality und diese Unterlagen lassen wirklich kaum Wünsche offen. Hier zeigt sich die Professionalität des GCZ. Als potentieller Sponsor und Werbeträger erfährt man fast alles. Was in den Unterlagen einzig fehlt, ist eine bessere Positionierung des Brandes „GC“. Für was steht der Klub, welche Werte vertritt er? Mit seinem Palmarès und der Fussballschule hätte der Klub einiges zu bieten. Er muss es nur zu Papier bringen. Trotzdem, der „Business-Bereich“ ist besser als man von einem Fussballklub erwarten könnte.

Angebot für Fans

Lob verdient die GC Community „Das Team – 100% GC“. Mitglied wird man mit Saisonkarte oder für 49.- im Jahr. Man geniesst diverse Vorteile wie das Magazin oder mittels eines Prozentbuches Vergünstigungen im Bereich Sport & Freizeit, Ausgang & Lifestyle oder Gastronomie & Hotellerie. Der Fan-Shop ist mager. Dieser wird von einem Sportgeschäft, welches Sponsor ist gehostet und die Auswahl entspricht etwa der Brotauslage im Coop kurz vor Ladenschluss. Ein Armutszeignis.

Und hier zeigt sich auch eine der Achillesferse vieler Vereine. Weil das Merchandising vernachlässigt wird, produzieren Dritte allen voran Fanklubs die Fan-Utensilien selbst, mit welchen eigentlich der Klub Geld machen könnte.

Das Bild in den Medien

Der Rekordmeister machte in letzter Zeit kaum mehr sportlich Schlagzeilen. Die Affäre um die angeblichen Millionen eines Hochstaplers (siehe auch „GC und der 300 Millionen Irrtum“)  gaben den einstigen Branchenprimus eher der Lächerlichkeit preis, als dass man den Eindruck hatte, hier sind Profis am Werk. Das hat auch mit der Kommunikation zu tun. Präsident Roger Berbig hält sich im Hintergrund und Erich Vogel ist kommunikativ nur schwer zu kontrollieren. Das eigentlich Professionalität, gerade auch was das Angebot für Sponsoren betrifft, da wäre, zeigt unsere Untersuchung. Nur gelingt es zurzeit nicht, diese guten Ansätze kommunikativ gewinnbringend zu vermitteln respektive zu vermarkten.

Ganz aktuell passt zum Durcheinander in der Kommunikation auch die Freistellung von Hanspeter Latour. Während dieser heute bei blick.ch bestätigt, dass er gestern abend freigestellt wurde, liest man dazu auf der Website der Hoppers nicht. Nähere Informationen gäbe es am Mittag. Ein recht dehnbarer Zeitbegriff in einer Welt der schnellen Informationsverbreitung…..

Fazit

Die Ansätze sind gut, aber von einem Rekordmeister eines Landes muss und kann man mehr erwarten. Vielleicht kommt mit dem neuen Stadion auch wieder Euphorie in den Klub. Das wirtschaftliche Potential ist auf jeden Fall riesig.

Nächste Woche schauen wir, was die Berner Young Boys kommunikativ vorweisen können.





Sport-PR: Die Kommunikation der Schweizer Fussballvereine im Urteil

9 06 2009

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(Alle wollen was: Der Fussball steht im kommunikativen Brennpunkt.)

Im Gegensatz zu Unternehmen aus der Privatwirtschaft haben es Fussballklubs, vor allem sportlich erfolgreich, zum Teil einfacher. Die Kunden müssen nur selten überzeugt werden, dass Produkt zu konsumieren. Meist verkauft sich das Produkt quasi von selbst. Aber genau in diesem Trugschluss liegt das Hauptproblem vieler Fussballvereine. Die Kommunikation wird oft vernachlässigt oder nur semi-professionell gehandhabt. Die negativen Folgen sind vielfältig. Da wäre einmal der „Imageverlust“, was den Umgang mit Sponsoren, Politik und weiteren Stakeholdern erschwert und damit den Zugang zu „Ressourcen“ behindert. Des Weiteren führt es zu einer nicht vollends ausgeschöpften Kunden- sprich Fanbindung, auch hier lassen die Klubs dringend benötigte Gelder brach liegen und schliesslich kann ein kommunikativ schlecht geführter Klub im Extremfall auch dazu führen, dass er für potentielle Spieler wenig attraktiv ist.

In der Schweiz stehen punkto Kommunikation vor allem vier Vereine im Fokus: der FC Basel, der Grasshopper-Klub, die Berner Young Boys und der FC Zürich. Wenn wir hier von Kommunikation sprechen, dann beschränkt sich dies nicht auf die Medienarbeit der Vereine. Natürlich ist es immer schwer, die Situation von Aussen zu beurteilen. Trotzdem sei es hier gemacht, denn kaum einer der von den Fussballklubs angesprochenen Vereine hat Einblick ins Innenleben. Und damit beurteilt auch diese die Situation von Aussen. Die Vereine müssen mit dieser Beurteilung leben und umgehen. Genauso wie es Unternehmen in der Privatwirtschaft müssen.

„Hesch ghört“ masst sich an, in einer fünfteiligen Kurzserie, die Kommunikationsarbeit dieser vier Vereine sowie jene der Liga zu beurteilen. Die Vereine werden dabei alle nach demselben Raster beurteilt. Ausgangspunkt ist die Website des Klubs. Es geht nicht darum, den Auftritt als solches zu beurteilen, sondern diverse Punkte der Stakeholderkommunikation anhand der Website zu beurteilen. Im Vordergrund stehen die folgenden Punkte:

–         Gibt es eine Medienseite?

–         Welchen Inhalt haben die News?

–         Welche Informationen gibt es für potentielle Sponsoren?

–         Was wird den Fans geboten?

–         Wie ist das Angebot im Bereich Merchandising?

Ebenfalls in die Beurteilung mit ein fliesst die Berichterstattung in den Medien.

Den Anfang machen wir morgen mit dem Grasshopper-Klub. Bis dahin sei der folgenden Podcast empfohlen. 009_Sport-PR_fuer_die_Bundesliga