Die Mär von der Risikolosigkeit

19 04 2010

Ein kleiner, Asche speiender, Vulkan in Island mit dem poetischen Namen Eyjafjalla legt den gesamten europäischen Luftverkehr lahm. So weit so gut. Dieses Ereignis zeigt uns einmal mehr, dass in der heutigen modernen Gesellschaft anscheinend alles risikolos ist und keiner mehr Verantwortung übernehmen will. Piloten sprechen davon, dass das Risiko gering sei und man fliegen könne, während Politiker und Computerspezialisten davon warnen, es gäbe ein Risiko. Ein Risiko? Mit anderen Worten, wenn keine Asche in der Luft ist, besteht kein Risiko? Das könnte man zumindest meinen. Wir leben in einer Gesellschaft, in welcher Politiker und „Experten“ uns vorgaukeln, Risiken können vermieden werden und uns dabei in falsche Sicherheit wiegen. Der Gegenteil ist der Fall. Risiken bestehen überall und zwar seit hunderte von Jahren. Was sich allerdings im Laufe der Jahrhunderte gewandelt hat, ist die Risikobereitschaft resp. Risikoabwägung als solches. Die so genannte Null-Risiko Strategie führt dazu, dass verantwortungsvolles Handeln in den Hintergrund rückt.

Würde man die „Massstäbe“, welche Experten und Politiker in der aktuellen Diskussion um die Aschewolke auf andere Situationen des täglichen Lebens anwenden, würde das etwa so aussehen. Bei starkem Regen oder Schneefall dürfte nicht mehr Auto gefahren werden. Das Risiko zu verunfallen wäre zu gross: „safety first!“ Bei Wind müssten die Züge in den Bahnhöfen bleiben. Es könnten Bäume auf die Schiene fallen: „safety first!“. Bei gleichen Bedingungen dürften natürlich Füssgänger nicht ohne Helm, wenn überhaupt auf die Strasse: „safety first!“ Und überhaupt, selbst bei guten Bedingungen dürfte man weder als Fussgänger noch als Velo-, Auto- oder Motorradfahrer überhaupt auf die Strassen, denn das Risiko ist immer da, was die leider traurigen Statistiken der Toten und Verletzten im Strassenverkehr zeigen. Und trotzdem: wir machen es täglich und verlassen unsere eigene vier Wände. Und warum? Weil wir die Verantwortung für das Risiko selbst übernehmen.

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Love is the answer

3 04 2010

Soll mal einer sagen, Wirtschaftsprognostiker und Finanzanalysten hätten keine Herz. „LUV“ (Liebe) heisst die Antwort auf alle offene Wirtschaftsfragen. Die drei Buchstaben stehen für die Wirtschaftskurven in den wichtigsten Märkten.

L für Europa. Starker Einbruch und flache Erholung. U für die USA. Einbruch, kleine Durstrecke und rasanter Anstieg und zuletzt das V für die Emerging Markets. Einbruch und sogleich wieder ein Anstieg.

Ob’s mit der Formel „Liebe“ allerdings wirklich einfacher ist, an der Börse wieder Geld zu machen, sei dahingestellt. Schliesslich heisst es ja auch, man können nur von Brot, Wasser und Liebe leben.





Angst um den (Industrie-) Arbeitsplatz – Gedanken und ein Erklärungsversuch

29 03 2010

Arbeitsplätze in der Industrie werden seit Jahren abgebaut oder in andere Länder verlagert. Neustes Beispiel am Standort Basel ist die Firma Clariant. Tele Basel arbeitet die Situation und die Ängste der Mitarbeitenden über ihre Zukunft im aktuellen Report auf. (Tele Basel Report vom 24. März)

400 Arbeitsplätze sollen ab 2011 abgebaut werden. Der Report zeigt Einzellschicksale und ist sich damit der Anteilnahme der Zuschauer sicher. Wieso kam es aber soweit und was kann man dagegen tun? Nun allgemeine verbindliche Antworten, schon gar nicht solche, welche den Betroffenen kurzfristig helfen, gibt es nicht. Dennoch sei ein Erklärungsversuch, welcher keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, erlaubt.

Vom Industrie- zum Dienstleistungsarbeitsplatz

In den letzten Jahrzehnten hat sich der Standort Schweiz und damit auch der Wirtschaftsstandort Nordwestschweiz gewandelt. Einzigartige Ressourcen sind in einer globalisierten Geschäftswelt unabdinglich. Nun soll es hier keinen Exkurs über das Für und das Wider der Globalisierung geben. Fakt aber ist, keiner kann sich ihr entziehen. Die Schweiz verfügt kaum über natürliche Ressourcen, weshalb Innovation und konkurrenzfähige Produkte sowie ein hoher Bildungsstandort für einen nachhaltigen Erfolg der Wirtschaft zwingend sind. In diesem Sinne hat sich der Werkplatz hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft gewandelt. Die Bedeutung der Industrie, also jener Teil der Wirtschaft, welcher gekennzeichnet ist durch die Produktion und Weiterverarbeitung von materiellen Gütern oder Waren in Fabriken und Anlagen, verbunden mit einem hohen Grad an Mechanisierung und Automatisierung, nimmt laufend ab. Neue Arbeitsplätze entstehen vor allem im Dienstleistungssektor.

Im Jahre 2006 arbeiten gemäss Bundesamt für Statistik fast 73% aller Erwerbstätigen in der Schweiz im Dienstleistungssektor, womit die Schweiz über dem europäischen Durchschnitt liegt, getoppt nur von Ländern wie Grossbritannien (76,7%), den Niederlanden (76,3%) und Schweden (75,8%). Nur noch 23 % sind in der klassischen Industrie angestellt. Die Entwicklung wird kaum zu stoppen sein. Ein Ausbau von Industriearbeitsplätzen scheint aktuell nicht realistisch, es gilt in den nächsten Jahren diese solange zu erhalten, wie es betriebswirtschaftlich verkraftbar ist.

Lebenslanges Lernen

„Man lernt nie aus“, ist ein altes und internationales Sprichwort das auf das lebenslange Lernen hinzielt. Dazu sind aber meines Erachtens zwei Grundvoraussetzungen elementar.

Zum einen wäre dies ein möglichst freier, unabhängig von sozioökonomischen Grundvoraussetzungen, Zugang zur Bildung. Hier arbeiten wir in der Schweiz immer noch daran. Zum andern impliziert dieses Sprichwort auch eine mentale Komponente und eine gegenüber früheren Jahren veränderte Einstellung zur Arbeit. DEN Arbeitgeber für ein Leben gibt es heute kaum mehr und man sollte sich als Arbeitnehmer auch nicht darauf verlassen. Wer heute in die Arbeitswelt eintritt, sollte sich als selbst als „Unternehmen“ sehen, das gewissen Fähigkeiten besitzt, erlernt und weiterentwickelt und diese im Laufe einer Karriere für eine gewissen Zeitraum verschiedenen Arbeitgebern zur Verfügung stellt. Dies erfordert ohne Zweifel ein Umdenken und ständiges Anpassen an neue Situationen.

Seit dem Eintritt ins Berufsleben vor fast 20 Jahren war ich mit zwei Konkursen und einer Übernahme meines damals jeweils aktuellen Arbeitgebers konfrontiert. Arbeitsplatzverlust, Arbeitslosigkeit und Neuorientierung sind deshalb immer wieder Situationen, denen ich mich stellen musste. Sicherlich fällt dies einem als jüngerer Arbeitnehmern einfacher. Aber auch ich werde älter. Trotzdem denke ich, dass man auch als älterer Arbeitnehmer anders mit einer solchen Situation umgeht, wenn man von Anfang an damit aufgewachsen ist.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, auch im Berufsleben. Ein Rezept gegen den drohenden Arbeitsplatzverlust ist deshalb auch, sich auf den Bruch von Gewohnheiten auch „kopfmässig“ einzustellen. Das schützt zwar bisweilen nicht vor dem Arbeitsplatzverlust, hilft aber, besser damit umgehen zu können und sich neu zu orientieren. Doch eines ist auch klar, eine für alle zufrieden stellende Lösung gibt es nie. Vollbeschäftigung für alle ist und bleibt eine Utopie.





Hatten wir das nicht schon mal?

16 03 2010

Nun reden Sie also wieder vom Domino-Effekt. Griechenland muss gerettet werden. Oder doch nicht? Egal wie es die EU macht, es ist falsch. Rettet man die hochverschuldeten Griechen nicht, dann droht der Domino-Effekt: Spanien, Portugal, Italien, die nächsten Pleitekandidaten stehen Schlange und der Niedergang von Lehmann-Brothers hat es der Politik schon mal vorgemacht, wie so ein Domino-Effekt in der Privatwirtschaft funktioniert.

Rettet man Griechenland, iss auch nicht toll. Dann begreifen die und all die anderen, welche über ihren Verhältnissen leben nämlich nicht, dass sie was falsch gemacht haben. Die EU kommt ja zur Hilfe. Dann haben wir dieselbe Situation wie bei den Banken, welche mit Staatsgeldern gerettet wurden und mit dem Staatsgarantien im Rücken bereits wieder munter saftige Geschäfte machen.

Schlussendlich ist es der Steuerzahler in der EU, welcher in die Röhre schaut. Und zwar jener aus den Staaten, die schön auf ihre Finanzen schauen und so blöd sind, nach marktwirtschaftlichen Regeln zu leben.

Wir Schweizer könnten jetzt sagen, das geht uns nichts an. Wir sind ja nicht in der EU. Aber zu früh gefreut. Die Krise macht an den Grenzen keinen Halt und lässt sich auch nicht mit Initiativen und Referenden bekämpfen. Es nützt auch nichts, wenn wir einen Antikrisenartikel in die Verfassung schreiben. Geht’s den anderen nämlich schlecht, fällt der Euro in den Keller und der Schweizer Franken wird zum starken und sicheren Hafen. Das ist schön, wenn man nach New York, München und London zum Shoppen will, aber echt mühsam, wenn man, wie der Grossteil der Schweizer Wirtschaft, vom Export lebt. Dann können sich die armen Säcke nämlich unsere hochqualitative Schweizer Ware nicht mehr leisten.

Die einzigen die von einem starken Schweizer Franken profitieren sind… Richtig! Die Banken und Versicherungen. Es ist also irgendwie verzwickt, aber es zeigt einmal mehr, dass in der Wirtschaft von heute, das Feindbild von morgen der Wirtschaftsmotor von übermorgen ist. Und wer noch an den Weihnachtsmann glaubt lebt zwar in einer heilen Welt, wird aber an Heilig Abend bitter enttäuscht.