Wenn Fussball-Hooligans zum Spielball werden

20 05 2011

Schweizer Lokalpolitiker proben den Aufstand gegen den Fussball und die Swiss Football League. Zankapfel im Jahr des allgegenwärtigen Wahlkampfes sind die Fussball-Hooligans und der Schrei nach „Law und Order“.

Im Grunde wird eine Bewilligungspflicht für Fussballspiele gefordert. „Dann entscheiden wir, wann ein Spiel stattfindet, wir entscheiden, ob Gästesektoren zu bleiben und wir entscheiden, wo ein Fanzug hält!“, meint der Berner Gemeinderat Reto Nause knapp. Der Aufschrei ist nach den Ausschreitungen am letzten Samstag beim Spiel FCZ gegen den FCB lauter geworden und auch an diesem Fussballwochenende werden die Augen auf die Fans gerichtet sein.

Die Schuldigen sind leicht gefunden. Die Klubs und ihre angeblich wirkungslosen Massnahmen und die Liga, welche nicht handelt. Doch wie so oft, wird alles wieder einmal zu einfach gemacht. Genau wie an einem 1. Mai ist der Grad zwischen Repression und Involvierung der Fans in Fussball (und Eishockey) ein schmaler. Fussballspiele sind wöchentliche Machtdemonstrationen der Klubs und die Fans sind ihre Botschafter. Ganz ausschliessen kann man Ausschreitungen nie, aber gerade im Umfeld des FC Basel, welcher allein aufgrund der schieren Zahl an Fans auch rechnerisch am meisten „schwarze Schafe“ hat, zeigt, dass Repression nicht der Weisheit letzter Schluss ist.

Nach dem unsäglichen Treiben zu St. Jakob im Mai 2006 wurde einiges unternommen. Ausschreitungen grösseren Ausmasses kommen immer dann vor, wenn bei Auswärtsspielen von meist privaten Sicherheitskräften die Karte „Repression“ gezogen wird. Keine Wunder stachelt das an und ist der Mob erstmal am Wüten, lässt sich das Adrenalin nur schwer zügeln. Dies ist keine Entschuldigung, aber eine Erklärung.

Mit Drohungen der Politik löst sich das Problem nicht, es werden vielleicht höchstens Stimmen gewonnen und dies scheint als Aussenstehender im Jahre des Wahlkampfes wohl auch das zentrale Ziel.

Gewalt ist kein Phänomen des Fussballs, er ist als Magnet riesiger Menschenmassen oft halt ein Nährboden dafür, dass sich diese im grösseren Ausmass zeigt. Er fördert den Gewalttourismus, ist aber nicht der Grund. Den Fussball und die Spiele abzuschaffen oder abzusagen, ist keine Lösung, sondern steigert die Agressionen unnötig.

Es sind Lösungen gefordert, welche im Dialog erarbeitet werden, denn kein Klub und kein Fan hat ein Interesse daran, dass der Besuch von Fussballspielen zum Risiko wird. Ganz abgesehen davon, dass sich echte Hooligans mit Kodex sowieso am Rande solcher Veranstaltungen prügeln.

In die Pflicht nehmen muss man aber auch die Swiss Football League. Sie profitiert von den Klubs und lässt sich in der aktuellen Diskussion mit Schweigen im Regen stehen. Beamte eben!

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