Aadie Bärni

3 06 2017

Wer den FCB verstehen will, der muss die Geschichte verstehen. Was den FC Basel ausmacht, hat seinen Ursprung in der Ära Benthaus. Er war es, der den FCB auch ausserhalb des gewöhnlichen Fussballvolkes bekannt machte. Er suchte und fand die Nähe der Kulturschaffenden und machte den FC Basel zu einem Massenphänomen einer ganzen Region. Bis Benthaus 1965 kam, hatte der FCB einmal die Meisterschaft und zweimal den Cup gewonnen. Mit seinen sieben Titel schuf Benthaus den Mythos, von dem seine Nachfolger heute zehren. Eigentlich gebührt ihm nicht weniger Anerkennung, als einem Bernhard Heusler.

Was die nachfolgenden Generationen und speziell die Ära Heusler & Co. auszeichnete, ist die Tatsache, dass sie es verstanden, was den FCB ausmacht. Sie investierten nicht nur Unsummen in Spieler und professionelle Strukturen, sondern waren sich der Macht der Geschichte bewusst. Die Ehrung alter und vergangener Spieler, die Rückbesinnung auf Zeiten, in denen Erfolg nicht selbstverständlich war und die Perfektionierung der Legendenbildung war ihr Verdienst. Sie taten dies in erster Linie, weil sie Menschen respektieren und damit auch den Erfolg und die Errungenschaften der Vergangenheit.

In einer schnelllebigen Zeit haben wir selten etwas, was wirklich bleibt. Wir eilen von Ereignis zu Ereignis und schauen kaum zurück. Beim FCB ist dies anders und dass macht den feinen Unterschied aus. Die Vergangenheit lässt einem erst die Gegenwart schätzen und einordnen. Sie ist es, welche Emotionen nicht nur oberflächlich, sondern tief im Herzen auslöst.

Neulich war ich beim grossen FC Bayern: 76’000 Zuschauer, grandiose Stimmung, durchorganisiertes Spektakel. In einem der Fanlieder heisst es: „Erfolg ist alles was zählt“. Kein Wunder hat man dort als Spieler und Trainer das Gefühl, der beste zu sein. „Mia san mia“. Bei unserem FCB heisst es „Erfolg isch nid alles im läbe“. Da ist er wieder, dieser Unterschied zwischen Oberflächlichkeit und Tiefgründigkeit, zwischen Begeisterung und Liebe, zwischen Emotion und Empathie.

Heusler & Co. Haben die Ära Benthaus auf ein neues Niveau gehievt. Es liegt nun in den Händen der Nachfolger, sorgsam damit umzugehen. Nicht nur in sportlicher Hinsicht, sondern auch in menschlicher. Der FCB gehört allen und ist für alle da. Deshalb ist es auch eine Freude, dass wir für einmal nicht in zur späten Nachtstunde, sondern mit der ganzen Familie, mit Jung und Alt bei Tageslicht feiern.

Angst macht mir für die Zukunft nur eines: wie schaffen wir es, unsere nach 2002 geborenen Kindern beizubringen, was mit dem Ausdruck „Erfolg isch nid alles im läbe“ gemeint ist. Auf der anderen Seite mag diese Angst unbegründet sein. Wenn wir die Geschichte beim FCB auch in den kommenden Jahren respektieren und ehren, wird auch das kein Problem sein.

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Für immer Rot-Blau (oder doch Rotblau?)

12 04 2017

Unbenannt

Die Auseinandersetzung mit so einem wegweisenden Entscheid für die Zukunft unseres FCB muss man erst sacken lassen. Glücklicherweise muss ich im Gegensatz zu Sportjournalisten nicht schon wenige Minuten nach der Entscheidung eine differenzierte Meinung haben. Am Abend der ausserordentlichen Mitgliederversammlung reichte ein knappes JA, NEIN oder ENTHALTUNG (Anmerkung der Redaktion: Ich hab Ja gestimmt, weil jeder, der sich nach dieser im Schweizer Fussball unvergleichlichen Serie beim FCB engagiert, grundsätzlich meine Unterstützung verdient, egal was ihn dazu treibt). Damit ist im Grunde schon alles gesagt: die neue Führung verdient unser Vertrauen und Bewunderung zugleich, weil sie den schwersten Job im Schweizer Fussball übernehmen. Fast alles. Ein differenzierter Blick lohnt sich trotzdem.

Ich mag mich noch gut erinnern, als ich Bernhard Heusler vor etwa 5 Jahren anlässlich einer seiner unzähligen Vorträge in den Katakomben des Hilton Hotels auf seinen schwierigsten Personalentscheid ansprach. „Herr Heusler“, meinte ich, „wie gehen Sie damit um, dass der schwerste Personalentscheid einmal jener nach ihrem Nachfolger sein wird?“ Er konnte oder wollte nicht im Detail darauf eingehen, vielleicht auch, weil er sich selbst nicht so wichtigmachen wollte oder realisierte, dass die Frage schwierig zu beantworten sei. Aber mir war schon damals klar: Spieler und Trainer kommen und gehen, aber wie schafft es der FCB, dass die Philosophie der aktuellen Führung weitergelebt wird?

Zurück zum Freitagabend. Bernhard Burger präsentiert seine Strategie zum FCB und ich denke mir so, wer Radio Raurach kauft und eine junge und motivierte Truppe 5 Jahre lang als Radio Edelweiss Radio machen lässt, der hat das Herz auf dem rechten Fleck. Es mag ja im Saal so nicht richtig rüberkommen, aber der Mann kann lustig sein und hat Bodenhaftung. Er ist kein abgehobener Unternehmer. Eines ist für mich klar: die Lösung ist Baslerisch und Burgener würde die Seele des Klubs nie verkaufen. Was nicht heisst, dass er noch mehr Unternehmertum reinbringt. Doch die Verbundenheit mit dem Klub, das Herz am rechten Fleck, was man Streller, Frei und auch Ceccaroni attestieren muss, dies allein genügt nicht. Am Ende ist es Folklore. Die Masse aber ist verwöhnt. Die Maschinerie muss gefüttert werden, mit sportlichen Erfolgen, schönem Fussball und ganz viel Identifikation. Unter diesem Gesichtspunkten soll das Konzept auch beurteilt werden. Allen Beteiligten der neuen Führung ist zu attestieren, dass sie den FCB im Herzen tragen. Was aber haben sie sonst noch drauf?

Entscheidend sind für mich drei Dinge. Beginnen wir bei der wichtigsten Personalie der neuen Führung. Es geht nicht um den Namen des neuen Trainers, sondern um den eines Fricktalers: der Rheinfelder Ruedi Zbinden. Er ist der Mann an der Scouting-Front, welcher den Erfolg innerlich feiert und die anderen im Rampenlicht stehen lässt. Seine Expertise und Erfahrung aus 16 Jahren FCB-Scouting ist für die Umsetzung des Konzeptes enorm wichtig. Als ich am Freitagabend auf der Präsentation von Bernhard Burgener den Namen Zbinden sah, war der Ja-Knopf schon gedrückt.

Ebenso wegweisend und neu ist die Reduktion des Kaders. Bisher galt die Devise, dass jede Position doppelt und gleichwertig besetzt sein soll. Man konnte sich das wirtschaftlich leisten und war vor allem unter Sousa und den verletzungsbedingten Ausfällen in dieser Ära auch froh darüber. Es macht die Arbeit eines Trainers aber in doppelter Hinsicht schwer. Er muss alle 23 bei Laune halten und für junge Spieler ist kaum Platz, wenn sie nicht schon eine gewisse Erfahrung mitbringen. Neu soll es noch 16 bis 18 Stammspieler geben, der Rest wird mit Jungen aufgefüllt. Wird dies so umgesetzt, wie es angetönt, hat diese Strategie gleich zwei Vorteile. Man kann die durchschnittliche Qualität der Stammspieler erhöhen, ohne die Lohnsumme erhöhen zu müssen und es hat eben Platz für nachrückende Talente aus dem Nachwuchs. Es bedingt aber auch, dass die medizinische Abteilung ein glückliches Händchen zeigt und die Stammspieler fit sind.

Und Drittens bildet die wirtschaftliche Unabhängigkeit überhaupt das Fundament, um die neue Strategie umzusetzen respektive das Unternehmen FCB langfristig oben zu halten. Die Zeit des Mäzenatentums ist definitiv zu Ende. Mäzene garantieren auch keinen langfristigen und nachhaltigen Erfolg. Und was noch viel entscheidender ist, es gibt immer weniger davon, welche sich für Fussball interessieren. Wenn Burgener weiter (und vielleicht noch konsequenter als seine Vorgänger) auf wirtschaftliche Unabhängigkeit setzt, dann tut er das, weil er weiss, dass man nur so in Ruhe arbeiten kann. Wer nicht auf das Geld von Investoren angewiesen ist, kann sein Ding durchziehen. Sein Ding ist die Umsetzung der neuen Strategie mit einer hungrigen aber unerfahrenen Führung junger Familienväter, welche auch mal Fehler macht und früher oder später eine Baisse verkraften muss. Die wirtschaftliche Unabhängigkeit stellt dann sicher, dass das Kartenhaus nicht in sich zusammenfällt.

Diese drei Dinge sind für mich die Grundlagen für eine sichere Zukunft. Alle anderen Punkte sind Geschichten für den Boulevard und erhöhen den Unterhaltungsfaktor des Unternehmens FCB. Ich schlafe ruhig, wenn ich in die Zukunft des FCB blicke. Man darf einfach zwei Fehler nicht machen. Erstens meinen, dass die neue Führung auch die nächsten 7 Jahre Erfolge am Laufband einheimst. Veränderungen in Struktur und Führung brauchen Zeit zu reifen, dazu gehören auch Rückschläge. Zweitens wäre es ungeschickt, darauf zu hoffen, ein einmal erlebtes Gefühl wieder aufleben zu können. Die Zeit mit Thorsten Fink war toll, aber eine Wiederholung diese Zeit und dieses Gefühls ist nicht garantiert. Benthaus war auch nur beim ersten Mal wirklich erfolgreich.





Wieso die Preiserhöhung scheiterte und trotzdem unausweichlich ist

1 11 2016

unbenannt

Status Quo bei den Preisen für die Jahreskartenbesitzer des FC Basels. Vorläufig. Die Stimme des Volkes hat obsiegt, der FCB krebst zurück. Doch diese Schlagzeile wäre zu kurz gegriffen. Der FC Basel orientiert sich angesichts seiner Fixkosten, dem besten Kader, dass wir je hatten und seiner ihresgleichen suchenden nationalen Erfolgsgeschichte bei den Grossen in Europa. Dort will man mithalten, wenn auch langfristig – auch aufgrund des Modus – eher in der Europa League, als in der Champions League. Dazu braucht er Einnahmen mit denen er planen kann. Angesichts der im europäischen Vergleich mickrigen Einnahmen aus den TV-Geldern bleiben nur die Zuschauereinnahmen. Kommt hinzu, dass mit der Grösse des Unternehmens FCB auch die Verantwortung für die Mitarbeitenden und damit die Arbeitsplätze gestiegen ist. Wir werden also nicht über eine Preiserhöhung hinwegkommen. Der Grosse FCB im Freistaat Bayern verlangt auf den besten Plätzen pro Spiel zwischen 65 und 75 Franken. Er profitiert aber auch von weit höheren TV-Einnahmen. Unser FCB ist zwar nicht der FCB der Bundesliga, aber will er sich daran orientieren, ist eine Preisanpassung unausweichlich. Fakt ist aber auch, dass der FCB es kommunikativ so was von vermasselt hat, dies entsprechend zu kommunizieren. Im Hinblick auf die Zukunft, sei deshalb die Frage erlaubt, wieso dies so war, um es in Zukunft besser zu machen.

Vom Verein zur AG

Der FC Basel ist mittlerweile eine Aktiengesellschaft. Dies bringt es mit sich, dass er Angestellte hat, die aus der Privatwirtschaft kommen und ihr Handwerk verstehen und entsprechend professionell arbeiten. Das Problem jedes Grossunternehmens ist es aber auch, dass es gezwungenermassen den Kontakt zur Basis und zur Geschichte des Unternehmens verliert. Bernhard Heusler selbst unterlässt es nie zu betonen, dass der FCB Teil des Unterhaltungsindustrie ist, weshalb etliche Kommentatoren Jahreskartenbesitzer auch als Kunden bezeichnen. Und genau da liegt meines Erachtens die Krux. Der FCB hat weit mehr als Kunden, er hat Fans. Wir differenzieren jetzt nicht weiter, welche Art von Fans, wichtig ist, es sind eben nicht nur Kunden. Kunden wechseln, wenn das Produkt nicht ihren Vorstellungen entspricht. Fans haben eine weit höhere Leidensschwelle. So lässt sich auch erklären, wieso Apple jünger das zwei oder dreifache für ein Produkt zahlen, obwohl andere Hersteller technisch oft das bessere Produkt haben. Fans sehen sich als Teil des Produktes und wollen bei dessen Entwicklung einbezogen werden. Auch wenn in die Jahre gekommen, wissen viele noch, wie es war, als der FCB vor dem finanziellen Abgrund stand und Junioren anlässlich der Heimspiele Geld sammelten und ein gewisser Peter Epting als Präsident versuchte, den Konkurs abzuwenden. Ja, es gibt sogar heute noch jene, welche schon zu Benthaus Zeiten im Stadion sassen. Darunter gibt es Leute, deren emotionale Verbundenheit so weit geht, dass sie selbst an sowas wie an „ihrem“ Platz hängen. Ein Wechsel in einen günstigeren Sektor wäre zwar aus Marketing Überlegungen ein logischer Schritt. Aber solche Leute wechseln nicht einfach den Platz, so wie man auf ein günstigeres Handyabo wechselt. Für viele wäre dies ein grosser emotionaler Schritt. Dies mag für viele unverständlich sein, es entspricht aber gerade bei der älteren Generation der Realität. Ein Grossteil dieser Personen gehört zudem zur Gruppe der Mitglieder. Als solche mussten diese angesichts der Entwicklung des FCB vom Verein hinzu einem Unternehmen der Unterhaltungsindustrie schon einiges mitmachen. Wir haben darüber bereits geschrieben (https://heschghoert.ch/2015/12/15/mitglieder-sind-die-seele-jedes-vereins/). Diesen Fans läuft es heute noch kalt den Rücken herunter, wenn sie die ersten Zeilen des Fangesangs „Sait der Babbe zu sym Sohn, hüt gönn mir ins Stadion“ intoniert wird. Um in der Sprache der Marketeers zu sprechen: Es ist diese Zielgruppe, welche man sich in Erinnerung rufen sollte, wenn man wieder mal so etwas wie einen Rundumschlag in Sachen Preiserhöhung plant. Oder um in der Sprache der Angelsachsen zu sprechen: Never forget your past to shape the future!

Die Zukunft gemeinsam gestalten

Nostalgie und Tradition sind eine tolle Sache. Ich selbst zähle mich zwar nicht zur Generation Benthaus, kenne aber als Angehöriger der Generation Erni Maissen das Auf und Ab als FCB Fan. Unzählige Niederlagen und selbst ein Abstieg haben mich nicht dazu gebracht, das Produkt zu wechseln. Ich weiss aber auch, dass man nicht ewig in der Vergangenheit leben kann. Schliesslich telefoniert – wenn überhaupt – heute auch niemand mehr mit einer Wahlscheibe. Ich erwarte aber, dass ich als Zielgruppe ernst genommen und einbezogen werde, wenn die Zukunft gestaltet wird. Ich bin weit davon entfernt, mich nur als Kunde behandeln zu lassen.

Das einzige, was ich von der Führung respektive den leitenden Angestellten des FC Basel 1893 AG erwarte ist, dass sie sich in den nächsten Wochen und Monaten dieser Tatsachen bewusst werden. Justieren Sie ihr Sensorium für die Vergangenheit und gestalten Sie mit uns Fans zusammen die Zukunft. Es gibt auf dem Weg in die Zukunft immer Verlierer und Gewinner, aber es sollte nie so weit gehen, dass der Klub dabei seine Seele verliert. Niederlagen gehören zum Sport. Niederlagen sind es, welche die unheimliche Erfolgsgeschichte des FCB erst zu einer solchen gemacht haben. Mit der Ankündigung der Preiserhöhungen hat die Führung des FCB eine Niederlage eingesteckt, mehr nicht. Wer verliert, hat deswegen nicht alles schlecht gemacht. Lasst uns deshalb aus dieser Niederlage lernen und es künftig besser machen.





Ich hab mich geirrt

20 06 2016

Ich gebe es zu. Ich lag falsch und wahrscheinlich sechs Jahre zu voreilig, als ich Le Bron James mit Massimo Ceccaroni verglich . Heute haben sich die Cleveland Cavs und Le Bron in die US-amerikanische Sportgeschichtsewigkeit gespielt.

RESPECT!

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Mitglieder sind die Seele jedes Vereins

15 12 2015

Anlässlich der ausserordentlichen Generalversammlung vom 15. Dezember 2016 beschliesst der Verein FC Basel für seine Mitglieder bedeutenden Statutenänderungen. Da ich leider krankheitsbedingt nicht an der ausserordentliche Generalversammlung teilnehmen kann, veröffentliche ich hier meine nie gehaltene Rede vor den Mitgliedern. Ich denke, dass es Gedanken sind, welche nicht unausgesprochen bleiben sollten, selbst wenn es auf diesem Wege ist.

„Werte Mitglieder, sehr geehrter Vorstand. Wir beschliessen heute Statutenänderungen, welche meines Erachtens von einer Tragweite sind, dass diese nicht einfach vor Weihnachten durchgewunken werden sollten, ohne ein paar Gedanken mit Ihnen zu teilen.

Die Mitglieder, welche in unserem Falle im Verein FC Basel miteinander verbunden sind, sind die Seele eines jeden Vereins. Es steht ausser Frage, dass der Fussballbetrieb erfolgreich und durchaus mit Emotionen behaftet betrieben werden kann, aber ohne Verein, ohne Mitglieder fehlt ihm die Seele. Wir kennen den „seelenlosen“ – nicht zu verwechseln mit emotionslosen – Fussball vom Mutterland England, wo Woche für Woche unter den Augen mehr oder weniger begeisterter Konsumenten, Fussball gespielt wird. Im Grunde sind die Premier League und damit auch die dort vorherrschenden Vereine aber nicht mehr als perfekt organisierte Unternehmen der Unterhaltungsindustrie. Unser FC Basel ist dank und wegen seines Erfolges in den letzten Jahren ebenfalls zu einem solchen Unternehmen herangereift. Ich blende damit nicht die Tatsache aus, dass uns diese Tatsache grosse Erfolge beschert hat. Aber was wir heute beschliessen, bringt uns einen Schritt näher, die Seele des Klubs zu verlieren, sollten nicht entsprechende Gegenmassnahmen eingeleitet werden.

In der Basler Zeitung stand im Vorfeld zu dieser ausserordentlichen Generalversammlung, dass der Verein nicht selbsttragend ist. Das stimmt, allerdings hat der Verein kaum Möglichkeiten Einnahme ausserhalb der Mitgliederbeiträge zu generieren. Seit die Klubs in Aktiengesellschaft organisiert sind, schlagen zum Beispiel die Matcheinnahme auf der Aktivseite dieser Gesellschaften zu Buche. Es stellt sich mir auch grundsätzlich die Frage, ob der Verein selbsttragend sein muss. Die Schweizer Bauern sind es auch nicht und die Entlassung dieser in die freie Marktwirtschaft würde viele Betriebe sterben lassen. Die Eidgenossenschaft hat sich deshalb bewusst entschieden, die Bauern zu subventionieren, da die Landwirtschaft viel dazu beiträgt, was das Landschaftsbild der Schweiz so sehens- und lebenswert macht. Vielfältige Landbewirtschaftung und die Pflege der Felder – auch in abgelegensten Regionen – wäre in einer freien Marktwirtschaft nicht wirtschaftlich und damit auch nicht erstrebenswert. Ähnlich verhält es sich in unserem Falle mit dem Verein. Die Mitglieder bilden die Grundlage des Fussballbetriebes und sind neben Fans und Fussballkonsumenten ein nicht zu unterschätzender Idenfikationsfaktor für alles, was Rotblau ausmacht.

Der Vorstand hat sich nun zum Ziel gesetzt, die Vision „10’000 Mitglieder“ wahr werden zu lassen. Wirtschaftlich sind deshalb die heute zu beschliessenden Statutenänderungen verständlich. Allerdings hat es der Klub nach den Erfolgen im neuen Stadion schon verpasst, Saisonkartenbesitzer zu Mitgliedern zu machen. Indem die Saisonkartenbesitzer, allen voran für die internationale Spiele, dieselbe Vorzugsrechte wie Mitglieder erhalten haben, schwächte man die Position der Mitglieder schon damals. Dabei geht zu weilen vergessen, dass Mitglieder einen Entscheid fürs Leben fällen, während Saisonkartenbesitzer Jahr für Jahr die Rechnung machen, ob sich der Erwerb einer Karte aufgrund der Erfolge und Chancen auf internationaler Ebene auch tatsächlich lohnt. Geblieben sind den Mitgliedern unter anderem die Vergünstigungen sowie das Magazin Rotblau, welches nebenbei gesagt in der heutigen Zeit des digitalen Publishing schon längst attraktiver – zum Beispiel eingebunden mit bewegtem Bild – produziert werden könnte. Dafür würden meines Erachtens auch Nicht-Mitglieder gerne einen zusätzlichen „Batzen“ zahlen. Aber Sie haben in dieser Sache genug Expertise, weshalb ich dies nicht vertiefen möchte.

Nun aber setzen Sie mit den Statutenänderungen ein wichtiges symbolisches Signal. Zum einen schaffen Sie die Vergünstigungen der Mitglieder ab, womit ein weiterer Schritt zur Gleichschaltung zum Saisonkartenbesitzer zementiert wird. Da spielt es auch keine Rolle, dass der Mitgliederbeitrag halbiert wird. Das symbolische Zeichen, welches man damit setzt, ist entscheidend. Fast noch wesentlicher ist für mich zum anderen aber die Abschaffung des Status Freimitglied. Ich selbst werde diesen Status noch erreichen, wenn ich in rund drei Jahren dazu erklärt werde. Dabei geht es für mich persönlich weniger um die Tatsache, dass man als Freimitglied vom Mitgliederbeitrag befreit ist. Es ist die Symbolik einer 25jährigen Vereinstreue  – in guten wie in schlechten Zeiten – welche damit dokumentiert wird. Meine von Peter Epting unterschriebene Aufnahmebestätigung vom 11. Januar 1994 ist für mich ein symbolisches Dokument, welches gerahmt an der Wand hängt. Die Freimitgliedschaft ist eine Auszeichnung und ein Zeichen meiner Verbundenheit zum FCB. Der Tag meiner Aufnahme bleibt in meiner Erinnerung genauso hängen, wie der Tag, an welchem ich zum ersten Mal ein Spiel im Stadion verfolgte – auch wenn es bei mir der Onkel und nicht der Vater war, welcher mich zum verlorenen Cuphalbfinal gegen Servette mitnahm. Nie werde ich den 3:3 Ausgleich von Gerd Strack nach einem 0:3 zu Pause vergessen, selbst wenn das Spiel durch einen Penaltytreffer noch 3:4 verloren ging. Ich bin zur Halbzeit geblieben, genauso wie ich auf immer und ewig Mitglied sein werde.

Die heute vorliegenden Statutenänderungen nehmen uns diese für die Seele, die Vergangenheit und Tradition dieses Vereins wichtige Symbolik. Verstehen Sie mich nicht falsch, auch wenn ich ein Nostalgiker sein mag. Ich verstehe die wirtschaftlichen Zusammenhänge gut und wünsche dem Klub, dass er das Ziel „10’000 Mitglieder“ erreicht. Ich möchte aber nicht als Nummer auf einer für Marketingzwecke attraktiven Mitgliederliste enden. Ich bin kein Fussballkonsument, ich bin Mitglied dieses Vereins und Fan mit Leib und Seele. Ich fordere Sie, liebe Mitglieder des Vorstandes, deshalb auf, auch in Zukunft dafür zu sorgen, dass der Verein und damit die Mitglieder mehr sind als ein Asset im Korb eines perfekt organisierten Unternehmens der Unterhaltungsindustrie. Füllen Sie diesen Verein mit Seele, schaffen Sie neue Angebote mit Symbolcharakter und sorgen Sie dafür, dass Mitglieder des FC Basels sich auch künftig von Saisonkartenbesitzern unterscheiden. Ich bin überzeugt, dass ich nicht der Einzige hier im Saal bin, welcher es Ihnen danken wird, wenn wir auch künftig unsere Mitgliedschaft mit einem gewissen Stolz tragen, weil wir wissen, dass unser Beitrag und unsere Liebe zu diesem Verein respektiert und ernst genommen wird, selbst wenn wir wirtschaftlich nicht selbsttragend sind.

Danke, dass Sie mir zugehört haben.“

P.S. Dieser etwas älterer Eintrag sagt alles, was der FCB für mich ausmacht.





(W)Alter ist nicht das Problem

26 08 2015

Aus der Traum von der Champions-League. Nicht verloren und doch nichts erreicht. Der FCB scheiterte an den aufopfernd kämpfenden aber spielerisch bescheidenen Israelis von Maccabi Tel Aviv. Die Schuldigen für die beiden Unentschieden sind schnell gefunden. Es sind die Innenverteidiger mit den Namen Daniel Hoegh (jung und international unerfahren) sowie Walter Samuel (alt und international sehr erfahren). Die Kritik ist ok, wenn man es nach dem Massstab misst, dass Verteidiger Tore verhindern müssen. Dann müsste man aber auch Stürmer und Mittelfeldspieler nach dem Massstab bemessen, dass sie Tore schiessen und für die Offensive Impulse setzen sollten. Auch das war in beiden Spielen kaum der Fall.

Es liegt nicht an Daniel Hoegh, dass der FCB im Hinspiel nach 15 Minuten nicht schon 2:0 führt und auch nicht an Walter Samuel, dass es dem FCB nicht gelingt, nach Zahavis Ausgleich zu reagieren. Im Gegenteil: Walter Samuel machte als Verteidiger mit seinen genauen und weiten Pässen mehr für die Offensive, als Daniel Hoegh, welcher hier noch in einem Lernprozess steckt.

Ich teile deshalb die Meinung nicht, dass es ein Fehler war, Samuel für Hoegh zu bringen. Wenn ich überhaupt Urs Fischer etwas vorwerfend möchte, dann die Tatsache, dass er in beiden Spielen resp. nach dem Ausscheiden von Janko nicht auf Ajeti setzte. Er ist jung und unerfahren, ok. Aber er ist ein Strafraumspieler und wir haben gesehen, dass Embolo gerade gegen die Israelis eigentlich dann am stärksten war, wenn er über die Flügel kam und dort hätte auch ein unerfahrener Stürmer wie Ajeti in solchen Spielen mal seinen Fuss reingehalten und wir müssten nicht darüber lamentieren, dass wir nun Europa League spielen.

Aber was heisst lamentieren! Es ist lamentieren auf hohem Niveau. Die Europa League hat in den letzten Jahren bewiesen, dass sie fussballerisch manchmal fast spannender ist. Grosse Namen versprechen noch lange keine grossen Spiele. Deshalb mag die Enttäuschung gestern gross gewesen sein, aber schon heute gilt es, in der Europa League für Furore zu sorgen. Ein Final in Basel wäre nicht schlecht und sportlich wertvoller, als ein ehrenvolles Ausscheiden in der Champions League Gruppenphase.

 





Ein Plädoyer gegen die Saisonvorschau

17 07 2015

Nun ist es wieder soweit. Seit Tagen geistert eine journalistische Standardübung durch den Blätterwald: die Saisonvorschau, meist gepaart mit einer Rangliste. Dies ist in etwa so unnötig wie

  • ein Blinddarm
  • eine leere WC-Papierrolle nach einer grösseren Sitzung
  • ein Kaffeefleck auf dem weissen Hemd vor einem wichtigen Kundenmeeting
  • Stäbchen zu Spareribs
  • ein CLA Shooting Brake
  • alkoholfreies Bier bei einem Championsleague-Spiel
  • ein Tor von Filipescu in der 93. Minute

Interessiert es einen Basler, ob Vaduz 10. oder 9. wird? Kräht in Luzern ein Hahn danach, wenn man Thun auf Platz 5 sieht oder erwartet in Bern tatsächlich jemand was anderes als Platz 2 (Antwort siehe P.S.)?

Das wollte ich einfach mal loswerden, bevor wir uns wieder aufs Wesentliche konzentrieren können: den Duft von frisch gemähtem Rasen und das Zischen, wenn der Ball im Netz landet.

P.S. Laut einer repräsentativen Umfrage glauben 99% der Berner, 98% der Basler, 80% der Zürcher, 77% der Walliser, 55% der St. Galler, 40% der Hoppers, 25% der Thuner, 15% der Luzerner und 2 % Luganesi, dass ihre Mannschaft den Titel holt. 100% der Liechtensteiner sind überzeugt, dass Vaduz wieder Liechtensteinischer Cupsieger wird.