Ja, wir haben ein Problem!

21 02 2021

Der Weg aus der Krise beginnt immer gleich. Zuerst muss man sich eingestehen, dass man ein Problem hat. Aktuell kämpfe ich gerade mit meiner Tochter und ihren Mathematik-Kenntnissen. Sie ist noch nicht dort, wo man es sich wünscht und wir müssen zusammen üben. Was aber macht sie? Sie will nicht darüber reden? Wenn ich ihr sage, dass ich ihr gerne helfen möchte und ihr die Sachen mit dem 1 x 1 erklären will, blockt sie ab. Verdrängung pur!

Genauso läuft es beim FC Basel, obwohl dort lauter Erwachsene am Werk sind. Abblocken, verdrängen, sich nicht helfen lassen wollen. Man will sich nicht eingestehen, dass man ein Problem hat. So löst man aber auch kein Problem und kommt auch nicht aus der Krise. Bernhard Burgener, Präsident der FC Basel AG, macht einen Fehler. Er sieht sich im Recht, weil ihm der Klub gehört und er deshalb auch Verantwortung trägt. Er sieht den FC Basel als privatwirtschaftliches Unternehmen. Es ist das Recht jedes privatwirtschaftlichen Unternehmens, sich von Aussen nicht reinreden zu lassen. Ob es auch gut für seine nachhaltige Entwicklung ist, bezweifle ich stark.

Selbst Unternehmen, welche weniger stark im öffentlichen Fokus stehen wie der FC Basel, müssen sich heutzutage ein Ohr an den Bedürfnissen der Kunden und der Öffentlichkeit haben. Wer glaubt, sein Geschäft losgelöst von den Ansprüchen der Gesellschaft betreiben zu können, steht langfristig auf verlorenen Posten.

Bernhard Burgener ist nicht bewusst, dass er nicht nur Verantwortung für den FCB trägt, sondern auch für eine ganze Region. Ein Fussballbverein steht mitten im gesellschaftlichen Gefüge. Er bedient sich dessen Ressourcen, gibt aber auch viel zurück. Ein Fussballverein kann nicht unabhängig davon agieren. Deshalb müssen Verantwortliche solcher Unternehmen noch stärker auf Stimmen ausserhalb des Unternehmens hören, als andere Unternehmen. Sie müssen aber nicht nur darauf hören, sondern auch in der Lage sein, sie richtig zu deuten und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Das kann man nur, wenn man auch in der Lage ist, die Ansprüche der Kunden, Fans, der Politik und letztliche der Gesellschaft als Angriff auf die persönliche Arbeit zu sehen.

Man sollte die Ansprüche der Stakeholder (wie es aus Unternehmenssicht so schön heisst) als Ansporn nehmen, das Unternehmen zukunftfähig zu machen, weiter zu entwickeln und versuchen, ihnen gerecht zu werden, ohne dass man alle Ansprüche erfüllt. Es allen Recht machen, geht nicht. Ausserdem ist es Aufgabe einer guten Unternehmensführung, aufzuzeigen, wieso es nicht immer sinnvoll ist, alle Ansprüche zu erfüllen, aber gleichzeitig glaubwürdig aufzuzeigen, dass man die Anliegen ernst nimmt.

All das macht der FCB und seine aktuelle Führung seit Jahren nicht mehr. Zu lange haben wir zugesehen. Zu lange dachte auch ich, dass mangelende Kommunikationsfähigkeit ein Problem sei. Das Problem liegt aber woanders. Es liegt daran, dass man sich nicht eingesteht, ein Problem zu haben. So finden wir nie aus der Krise.

Mein Appell richtet sich an die Personen, denen die aktuelle Führung vertraut. Diese haben die grösste Verantwortung überhaupt. Sie müssen die Verantwortlichen nicht in ihrem Kurs bestätigen, sondern versuchen, ihnen klar zu machen, sich einzugestehen, dass wir ein Problem haben. Es ist wie bei meiner Tochter. Wenn sie sich wirklich eingestanden hat, dass sie kein Rechengenie ist, kann man ihr helfen und die Mathe-Krise gemeinsam angehen.





Hat der FCB ein Loyalitätsproblem?

24 01 2021
(c) Muttenzerkurve

5’000 Jahreskarten wurden nicht erneuert. 14’000 Jahreskartenbesitzerinnen stehen zum FCB. Je nach Sichtweise kann man sich die Schlagzeile aussuchen. Logischerweise stochert man im erfolgsverwöhnten Basel in den Wunden und sucht die Gründe für die 5’000, welche nicht erneuert haben. Zumal eine Erneuerung kostenlos zu haben gewesen wäre. Ist es ein stiller Protest gegen die Führung der Aktiengesellschaft? Hat man die Verlängerung schlicht vergessen? Oder erhofft man sich im Sommer, wenn die epidemiologische Lage es wieder ermöglicht, Spiele zu besuchen, schlicht und einfach einen «besseren» Platz? Man weiss es nicht und die Basler Zeitung versucht die Antworten seit Tagen zu finden. Auf die Ergebnisse warten wir noch.

Der FCB als soziales Happening

Kurz und knapp gesagt, ist die Sachlage für mich klar: 14’000 verkaufte Jahreskarten entspricht mehr als dem «harten» Kern, welcher der FCB zu jeder Zeit zu mobilisieren vermag. Nachdem 2017 das Double geholt wurde und der FCB seit dem Cupsieg 2019 sonst titellos blieb, ist es logisch, dass man sich auch in Sachen Zuschauerzahlen wieder der Realität nähert. In den Zeiten in welcher an der 25’000 Marke gekratzt wurde, war viel Luft drin. Man wollte dazugehören, hatte Angst, was zu verpassen und eine Jahreskarte gehörte deshalb zum guten Ton. Der Matchtag war ein soziales Happening, bei welchem der Sport an zweiter Stelle stand. So war es oft auch wichtiger – speziell bei internationalen Spielen – wer die Gegner waren. Man kam nicht unbedingt des FCB willen, sondern, weil man dazugehören wollte. Im Grunde war das nicht anders, als bei unseren Wirtschaftsverbänden: man ist Einzelmitglied beim Gewerbeverband oder der Handelskammer, nur weil man beim Jahresempfang oder dem Sommerevent dabei sein will. Um Wirtschaftspolitik geht es dabei nicht.

Misserfolg und Corona

Ich mag mich noch erinnern, als ich Ende der 2000er Jahre mit Werner Schmid, dem damaligen Vorstandsmitglied des FCB, über die Zuschauerinnen sprach. Euphorisiert von den Erfolgen und den 25’000 verkauften Jahreskarten sprach er darüber, dass dies das Fundament des FCB sei. Die Basis treuer Fans, der harte Kern. Ich erwiderte damals, man solle ja nicht zu euphorisch sein, denn der harte Kern bewege sich irgendwo zwischen 4’000 und 7’000 Zuschauerinnen. Dieser harte Kern ist es, der «nur» des FCB wegen ins Stadion geht. Ob in der Nati A oder B und unabhängig vom Tabellenplatz. Glücklicherweise hielten die Erfolge weiterhin an, so dass meine Bedenken nie wirklich Realität wurden.

Dann kamen Burgener (Feindbild für den Misserfolg) und Corona. Beide zusammen wirkten wie Beschleuniger der Entwicklung, welche ich vor Jahren mit Werner Schmid diskutierte. Der FCB nähert sich wieder der Realität. Insbesondere die Massnahmen der Corona-Pandemie trugen ihren Teil zur Entsozialisierung der Jahreskartenbesitzerinnen mit dem FCB bei: Keine Matchtage, keine Happenings. Zurück bleiben jene, welche sich für den Sport und den FCB entscheiden, selbst wenn sie diesen aktuell nicht im Stadion verfolgen können.

Der FCB geniesst grossen Rückhalt

14’000 Menschen stehen nach monatelanger Fussballabstinenz zum FCB. 14’000 Menschen, die sich dazu bekennen, dass niemand grösser ist als der Verein. 14’000 Menschen sind mehr als doppelt so viel, wie der harte Kern. Hat der FCB ein Loyalitätsproblem? Nein! Der FCB hat das Problem jeder Institution, deren Basis soziale Kontakte sind. Menschen entfernen sich, weil die Basis ihrer Verbundenheit keine Herzensangelegenheit ist. Keine Frage, der FCB braucht die Unterstützung, dieser Menschen.

Einige werden wiederkommen, andere werden neu dazukommen. Dazu braucht es aber mehr als Erfolg. Wir müssen endlich diesen Virus bezwingen, damit der Stadionbesuch wieder zum sozialen Happening im Leben der Menschen der Region wird! Selbstredend brauchen wir auch wieder eine sportliche Zukunft, aber damit befassen wir uns dann, wenn wir den Fussball endlich wieder live spüren können.





Was passiert mit den FCB-Jahreskarten?

30 05 2020

Jetzt wo klar ist, dass weitergespielt ist, warten über 20’000 Jahreskartenbesitzerinnen und -besitzer darauf, was mit ihren Karten passiert. Das eingenommen Geld hat der FCB schon ausgegeben, die Leistungen einer Jahreskarten wird man aber kaum in Anspruch nehmen können, Geisterspiele sei dank.

Nun, ich erwarte keine Wunder und obwohl der FCB wochenlang Szenarien spinnen konnte, sind seine Hände gebunden. Hier eine Auswahl desssen, was wir nächste Woche erwarten dürfen.

  • Vergünstigungen auf Fanshop-Artikel (denn die Artikel sind bereits bezahlt, belasten den Cash-Flow also nicht).
  • Gratiszugang auf Teleclub, um die Heimspiele im TV zu schauen.
  • Bezug eine vergünstigten (aber nicht kostenlosen) Jahreskarte in 2021.
  • Man darf den Betrag spenden und erhält dafür seinen Namen auf seinem Platz eingraviert sowie einen Ball unterschrieben von der ganzen Mannschaft.
  • (HIER KÖNNTE IHR VORSCHLAG STEHEN)

Eines ist aber sicher. Es wird KEINE Rückerstattung des bezahlten Betrages geben.





Wir haben da mal eine Frage?

15 05 2020

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Geisterspiele bis im Sommer 2021. Boom! Die Aussage diverser Viro- und Epidemologen erschüttern aktuell wohl nur jene, welche vom professionellen Sport leben sowie eingefleischte Fussballfans.  Interessanterweise wird die Aussage bisher auch von keinem (Sport-)Journalisten bisher hinterfragt. Nüchtern betrachtet, geht es ja um ein faktisches Berufsverbot für Tausenden von Menschen, welche ihren Lebenserwerb im Umfeld von Grossveranstaltungen verdienen. Es betrifft den professionellen Sport, aber genauso die Event- und Kulturbranche, welche zur eigentlichen Ausübung ihres Berufes auf Zuschauerinnen und Zuschauer angewiesen ist.

Nun sind kreative Lösungen gefragt und der Bundesrat hat, zumindest im Falle des Sportes, angedeutet, sich diesen nicht zu verschliessen. Doch so kreativ braucht man ja gar nicht zu sein. Oder irre ich mich?

Grossveranstaltungen und damit auch der Besuch von Fussballspielen sind insbesondere deshalb untersagt, weil der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Gleichzeitig heisst es, dass man eine Schutzmaske tragen soll, wenn der Abstand über längere Zeit nicht eingehalten werden kann.

Was unterscheidet also den Besuch eines Fussballspiels von einer Zugfahrt von Zürich nach Lausanne? Ich sitze doch bei beiden etwas mehr als zwei Stunden mit anderen Leuten zusammen.

Wir haben deshalb da mal eine Frage:

Wieso kann man nicht einfach eine Maskenpflicht für Fussballspiele erlassen?

 

 

 

 





Fussball bis der Impfstoff kommt

26 04 2020

Bundesliga - leere Ränge

Hallo erstmal, ich weiss nicht, ob Sie es wussten….., aber dank Corona greife ich mal wieder in die Tasten. Der Sport und insbesondere der Fussball steht gerade vor einer der grössten Herausforderungen, seit er professionalisiert wurde. Ich mache mir da mal ein paar Gedanken.

König Fussball gehört längst zur Unterhaltungsindustrie. Das wusste schon Bernie der Erste als er während seiner Regentenschaft, den Planeten FCB in ein neues Universum verschob. Der FC Basel erwachte nicht nur aus dem Dornröschenschlag der späten 80er und 90er Jahre, er wurde ein Monster. Die ganze Unterhaltungsindustrie zeigt sich aktuell aber ziemlich ideenlos, wenn es darum geht, wie Fussball in Corona-Zeiten aussehen soll. Man kann es den Verantwortlichen aber auch nicht verübeln, denn angesichts der Aussichten verfielen auch andere in Schocksstarre.

Geisterspiele. Das Wort ist aktuell sowas wie der Heilsbringer. Realistisch betrachtet mag diese Lösung aber maximal das zu Ende Spielen der Meisterschaften ermöglichen. Wenn alle Spiele im „pay-per-view“-System übertragen werden, kann man damit die Matcheinnahmen teilweise zurückholen. Saisonkartenbesitzer kriegen den Zugang zu den Heimspielen „gratis“ und verzichten auf eine Rückerstattung ihrer Einzahlungen (Solidaritätsfranken), während die restlichen Zugänge mit dynamischen Pricing je nach Attraktivität des Gegners verkauft werden. Das kann ein zwei Monate funktionieren. Aber denken Sie nicht, dass die Leute in Basel, St. Gallen, Bern, München, Dortmund oder Liverpool zuhause bleiben, wenn ihr Team die Meisterschaft holt.

Somit wären wir beim Grundproblem: das Versammlungsverbot.

Es gibt daher nur zwei Möglichkeiten, welche langfristig realistisch sind.

1) Es wird auf jeglichen Publikumssport verzichtet, bis ein Impfstoff gefunden wurde.

2) Das Versammlungsverbot wird aufgehoben und man überlässt es jedem Einzelnen, wie er mit dem Risiko einer Ansteckung umgeht.

Es steht ausser Frage, dass die weltweite Angst vor eine Ansteckung aktuell grösser ist, als dass Punkt 2 in den nächsten Monaten realistisch scheint.

Bleibt Variante 1 und damit das Ende des professionellen Sportes wie wir ihn kennen. Wie diese Zukunft aussehen wird, mag ich mir aktuell gar nicht vorstellen.

Nur eines ist klar: Das Monster ist bis dahin tot.

 





Erfolg gibt’s nicht aus der Mikrowelle

3 04 2018

Unbenannt

Der FCB wird am Ende dieser Saison nicht als Meister ganz oben stehen. Das ist gut so, er hat es spielerisch nicht verdient. Als die Ära Heusler/Heitz offiziell beendet war und Bernhard Burgener sowie Marco Streller das Ruder übernahmen, dachten alle, es ginge so weiter wie bisher. Schliesslich stand das Konzept seit acht Jahren ununterbrochen fest und die Akteure auf dem Feld oder die Trainer passten sich in dieses nahtlos ein. Doch das neue Konzept war ein anderes. Es wurde eine neue Strategie verkündet, mit mehr Eigengewächsen und einem Trainer, der bisher nie in der Super League an der Linie stand.

Insgeheim aber glaubte Marco Streller (oder hoffte es zumindest ganz fest), er könne den Erfolg der letzten Jahre im Mikrowellenofen aufwärmen. Das geht aber nicht: Erfolg ist ein selbstgekochtes Gericht. Genau deshalb müssen sich die Köche nun daran machen, ihr eigenes Konzept zu bauen und dieses durchziehen. Sollte der FCB diese Saison den 2. Platz halten und in die Champions League Qualifikation einziehen, dann jammern wir auf extrem hohem Niveau. Zum einen, weil eine Qualifikation für die Europaleague oder Champions-League Gruppenphase nicht unmöglich ist. Dies schon aufgrund des hervorragenden Klub-Koeffizienten des FCB. Zum andern, weil YB seine Reifeprüfung erst nach der Meisterfeier ablegen muss. Kader zusammenhalten, die Begehrlichkeiten nach dem ersten Titelgewinn seit Urzeiten bedienen und schliesslich die Welt der grossen Champions League Qualifikation mit erhobenem Haupte meistern. Über diesen Status ist der FCB bereits hinweg. Er kann die Saison 2018/2019 heute schon aus einer Position der Stärke und mit einer langjährigen Erfahrung in Sachen Erfolg planen. Denn Dynastien entstehen nicht mit einer Meisterschaft und gehen auch nicht mit einem titellosen Jahr zu Ende.

 





Aadie Bärni

3 06 2017

Wer den FCB verstehen will, der muss die Geschichte verstehen. Was den FC Basel ausmacht, hat seinen Ursprung in der Ära Benthaus. Er war es, der den FCB auch ausserhalb des gewöhnlichen Fussballvolkes bekannt machte. Er suchte und fand die Nähe der Kulturschaffenden und machte den FC Basel zu einem Massenphänomen einer ganzen Region. Bis Benthaus 1965 kam, hatte der FCB einmal die Meisterschaft und zweimal den Cup gewonnen. Mit seinen sieben Titel schuf Benthaus den Mythos, von dem seine Nachfolger heute zehren. Eigentlich gebührt ihm nicht weniger Anerkennung, als einem Bernhard Heusler.

Was die nachfolgenden Generationen und speziell die Ära Heusler & Co. auszeichnete, ist die Tatsache, dass sie es verstanden, was den FCB ausmacht. Sie investierten nicht nur Unsummen in Spieler und professionelle Strukturen, sondern waren sich der Macht der Geschichte bewusst. Die Ehrung alter und vergangener Spieler, die Rückbesinnung auf Zeiten, in denen Erfolg nicht selbstverständlich war und die Perfektionierung der Legendenbildung war ihr Verdienst. Sie taten dies in erster Linie, weil sie Menschen respektieren und damit auch den Erfolg und die Errungenschaften der Vergangenheit.

In einer schnelllebigen Zeit haben wir selten etwas, was wirklich bleibt. Wir eilen von Ereignis zu Ereignis und schauen kaum zurück. Beim FCB ist dies anders und dass macht den feinen Unterschied aus. Die Vergangenheit lässt einem erst die Gegenwart schätzen und einordnen. Sie ist es, welche Emotionen nicht nur oberflächlich, sondern tief im Herzen auslöst.

Neulich war ich beim grossen FC Bayern: 76’000 Zuschauer, grandiose Stimmung, durchorganisiertes Spektakel. In einem der Fanlieder heisst es: „Erfolg ist alles was zählt“. Kein Wunder hat man dort als Spieler und Trainer das Gefühl, der beste zu sein. „Mia san mia“. Bei unserem FCB heisst es „Erfolg isch nid alles im läbe“. Da ist er wieder, dieser Unterschied zwischen Oberflächlichkeit und Tiefgründigkeit, zwischen Begeisterung und Liebe, zwischen Emotion und Empathie.

Heusler & Co. Haben die Ära Benthaus auf ein neues Niveau gehievt. Es liegt nun in den Händen der Nachfolger, sorgsam damit umzugehen. Nicht nur in sportlicher Hinsicht, sondern auch in menschlicher. Der FCB gehört allen und ist für alle da. Deshalb ist es auch eine Freude, dass wir für einmal nicht in zur späten Nachtstunde, sondern mit der ganzen Familie, mit Jung und Alt bei Tageslicht feiern.

Angst macht mir für die Zukunft nur eines: wie schaffen wir es, unsere nach 2002 geborenen Kindern beizubringen, was mit dem Ausdruck „Erfolg isch nid alles im läbe“ gemeint ist. Auf der anderen Seite mag diese Angst unbegründet sein. Wenn wir die Geschichte beim FCB auch in den kommenden Jahren respektieren und ehren, wird auch das kein Problem sein.





Für immer Rot-Blau (oder doch Rotblau?)

12 04 2017

Unbenannt

Die Auseinandersetzung mit so einem wegweisenden Entscheid für die Zukunft unseres FCB muss man erst sacken lassen. Glücklicherweise muss ich im Gegensatz zu Sportjournalisten nicht schon wenige Minuten nach der Entscheidung eine differenzierte Meinung haben. Am Abend der ausserordentlichen Mitgliederversammlung reichte ein knappes JA, NEIN oder ENTHALTUNG (Anmerkung der Redaktion: Ich hab Ja gestimmt, weil jeder, der sich nach dieser im Schweizer Fussball unvergleichlichen Serie beim FCB engagiert, grundsätzlich meine Unterstützung verdient, egal was ihn dazu treibt). Damit ist im Grunde schon alles gesagt: die neue Führung verdient unser Vertrauen und Bewunderung zugleich, weil sie den schwersten Job im Schweizer Fussball übernehmen. Fast alles. Ein differenzierter Blick lohnt sich trotzdem.

Ich mag mich noch gut erinnern, als ich Bernhard Heusler vor etwa 5 Jahren anlässlich einer seiner unzähligen Vorträge in den Katakomben des Hilton Hotels auf seinen schwierigsten Personalentscheid ansprach. „Herr Heusler“, meinte ich, „wie gehen Sie damit um, dass der schwerste Personalentscheid einmal jener nach ihrem Nachfolger sein wird?“ Er konnte oder wollte nicht im Detail darauf eingehen, vielleicht auch, weil er sich selbst nicht so wichtigmachen wollte oder realisierte, dass die Frage schwierig zu beantworten sei. Aber mir war schon damals klar: Spieler und Trainer kommen und gehen, aber wie schafft es der FCB, dass die Philosophie der aktuellen Führung weitergelebt wird?

Zurück zum Freitagabend. Bernhard Burger präsentiert seine Strategie zum FCB und ich denke mir so, wer Radio Raurach kauft und eine junge und motivierte Truppe 5 Jahre lang als Radio Edelweiss Radio machen lässt, der hat das Herz auf dem rechten Fleck. Es mag ja im Saal so nicht richtig rüberkommen, aber der Mann kann lustig sein und hat Bodenhaftung. Er ist kein abgehobener Unternehmer. Eines ist für mich klar: die Lösung ist Baslerisch und Burgener würde die Seele des Klubs nie verkaufen. Was nicht heisst, dass er noch mehr Unternehmertum reinbringt. Doch die Verbundenheit mit dem Klub, das Herz am rechten Fleck, was man Streller, Frei und auch Ceccaroni attestieren muss, dies allein genügt nicht. Am Ende ist es Folklore. Die Masse aber ist verwöhnt. Die Maschinerie muss gefüttert werden, mit sportlichen Erfolgen, schönem Fussball und ganz viel Identifikation. Unter diesem Gesichtspunkten soll das Konzept auch beurteilt werden. Allen Beteiligten der neuen Führung ist zu attestieren, dass sie den FCB im Herzen tragen. Was aber haben sie sonst noch drauf?

Entscheidend sind für mich drei Dinge. Beginnen wir bei der wichtigsten Personalie der neuen Führung. Es geht nicht um den Namen des neuen Trainers, sondern um den eines Fricktalers: der Rheinfelder Ruedi Zbinden. Er ist der Mann an der Scouting-Front, welcher den Erfolg innerlich feiert und die anderen im Rampenlicht stehen lässt. Seine Expertise und Erfahrung aus 16 Jahren FCB-Scouting ist für die Umsetzung des Konzeptes enorm wichtig. Als ich am Freitagabend auf der Präsentation von Bernhard Burgener den Namen Zbinden sah, war der Ja-Knopf schon gedrückt.

Ebenso wegweisend und neu ist die Reduktion des Kaders. Bisher galt die Devise, dass jede Position doppelt und gleichwertig besetzt sein soll. Man konnte sich das wirtschaftlich leisten und war vor allem unter Sousa und den verletzungsbedingten Ausfällen in dieser Ära auch froh darüber. Es macht die Arbeit eines Trainers aber in doppelter Hinsicht schwer. Er muss alle 23 bei Laune halten und für junge Spieler ist kaum Platz, wenn sie nicht schon eine gewisse Erfahrung mitbringen. Neu soll es noch 16 bis 18 Stammspieler geben, der Rest wird mit Jungen aufgefüllt. Wird dies so umgesetzt, wie es angetönt, hat diese Strategie gleich zwei Vorteile. Man kann die durchschnittliche Qualität der Stammspieler erhöhen, ohne die Lohnsumme erhöhen zu müssen und es hat eben Platz für nachrückende Talente aus dem Nachwuchs. Es bedingt aber auch, dass die medizinische Abteilung ein glückliches Händchen zeigt und die Stammspieler fit sind.

Und Drittens bildet die wirtschaftliche Unabhängigkeit überhaupt das Fundament, um die neue Strategie umzusetzen respektive das Unternehmen FCB langfristig oben zu halten. Die Zeit des Mäzenatentums ist definitiv zu Ende. Mäzene garantieren auch keinen langfristigen und nachhaltigen Erfolg. Und was noch viel entscheidender ist, es gibt immer weniger davon, welche sich für Fussball interessieren. Wenn Burgener weiter (und vielleicht noch konsequenter als seine Vorgänger) auf wirtschaftliche Unabhängigkeit setzt, dann tut er das, weil er weiss, dass man nur so in Ruhe arbeiten kann. Wer nicht auf das Geld von Investoren angewiesen ist, kann sein Ding durchziehen. Sein Ding ist die Umsetzung der neuen Strategie mit einer hungrigen aber unerfahrenen Führung junger Familienväter, welche auch mal Fehler macht und früher oder später eine Baisse verkraften muss. Die wirtschaftliche Unabhängigkeit stellt dann sicher, dass das Kartenhaus nicht in sich zusammenfällt.

Diese drei Dinge sind für mich die Grundlagen für eine sichere Zukunft. Alle anderen Punkte sind Geschichten für den Boulevard und erhöhen den Unterhaltungsfaktor des Unternehmens FCB. Ich schlafe ruhig, wenn ich in die Zukunft des FCB blicke. Man darf einfach zwei Fehler nicht machen. Erstens meinen, dass die neue Führung auch die nächsten 7 Jahre Erfolge am Laufband einheimst. Veränderungen in Struktur und Führung brauchen Zeit zu reifen, dazu gehören auch Rückschläge. Zweitens wäre es ungeschickt, darauf zu hoffen, ein einmal erlebtes Gefühl wieder aufleben zu können. Die Zeit mit Thorsten Fink war toll, aber eine Wiederholung diese Zeit und dieses Gefühls ist nicht garantiert. Benthaus war auch nur beim ersten Mal wirklich erfolgreich.





Wieso die Preiserhöhung scheiterte und trotzdem unausweichlich ist

1 11 2016

unbenannt

Status Quo bei den Preisen für die Jahreskartenbesitzer des FC Basels. Vorläufig. Die Stimme des Volkes hat obsiegt, der FCB krebst zurück. Doch diese Schlagzeile wäre zu kurz gegriffen. Der FC Basel orientiert sich angesichts seiner Fixkosten, dem besten Kader, dass wir je hatten und seiner ihresgleichen suchenden nationalen Erfolgsgeschichte bei den Grossen in Europa. Dort will man mithalten, wenn auch langfristig – auch aufgrund des Modus – eher in der Europa League, als in der Champions League. Dazu braucht er Einnahmen mit denen er planen kann. Angesichts der im europäischen Vergleich mickrigen Einnahmen aus den TV-Geldern bleiben nur die Zuschauereinnahmen. Kommt hinzu, dass mit der Grösse des Unternehmens FCB auch die Verantwortung für die Mitarbeitenden und damit die Arbeitsplätze gestiegen ist. Wir werden also nicht über eine Preiserhöhung hinwegkommen. Der Grosse FCB im Freistaat Bayern verlangt auf den besten Plätzen pro Spiel zwischen 65 und 75 Franken. Er profitiert aber auch von weit höheren TV-Einnahmen. Unser FCB ist zwar nicht der FCB der Bundesliga, aber will er sich daran orientieren, ist eine Preisanpassung unausweichlich. Fakt ist aber auch, dass der FCB es kommunikativ so was von vermasselt hat, dies entsprechend zu kommunizieren. Im Hinblick auf die Zukunft, sei deshalb die Frage erlaubt, wieso dies so war, um es in Zukunft besser zu machen.

Vom Verein zur AG

Der FC Basel ist mittlerweile eine Aktiengesellschaft. Dies bringt es mit sich, dass er Angestellte hat, die aus der Privatwirtschaft kommen und ihr Handwerk verstehen und entsprechend professionell arbeiten. Das Problem jedes Grossunternehmens ist es aber auch, dass es gezwungenermassen den Kontakt zur Basis und zur Geschichte des Unternehmens verliert. Bernhard Heusler selbst unterlässt es nie zu betonen, dass der FCB Teil des Unterhaltungsindustrie ist, weshalb etliche Kommentatoren Jahreskartenbesitzer auch als Kunden bezeichnen. Und genau da liegt meines Erachtens die Krux. Der FCB hat weit mehr als Kunden, er hat Fans. Wir differenzieren jetzt nicht weiter, welche Art von Fans, wichtig ist, es sind eben nicht nur Kunden. Kunden wechseln, wenn das Produkt nicht ihren Vorstellungen entspricht. Fans haben eine weit höhere Leidensschwelle. So lässt sich auch erklären, wieso Apple jünger das zwei oder dreifache für ein Produkt zahlen, obwohl andere Hersteller technisch oft das bessere Produkt haben. Fans sehen sich als Teil des Produktes und wollen bei dessen Entwicklung einbezogen werden. Auch wenn in die Jahre gekommen, wissen viele noch, wie es war, als der FCB vor dem finanziellen Abgrund stand und Junioren anlässlich der Heimspiele Geld sammelten und ein gewisser Peter Epting als Präsident versuchte, den Konkurs abzuwenden. Ja, es gibt sogar heute noch jene, welche schon zu Benthaus Zeiten im Stadion sassen. Darunter gibt es Leute, deren emotionale Verbundenheit so weit geht, dass sie selbst an sowas wie an „ihrem“ Platz hängen. Ein Wechsel in einen günstigeren Sektor wäre zwar aus Marketing Überlegungen ein logischer Schritt. Aber solche Leute wechseln nicht einfach den Platz, so wie man auf ein günstigeres Handyabo wechselt. Für viele wäre dies ein grosser emotionaler Schritt. Dies mag für viele unverständlich sein, es entspricht aber gerade bei der älteren Generation der Realität. Ein Grossteil dieser Personen gehört zudem zur Gruppe der Mitglieder. Als solche mussten diese angesichts der Entwicklung des FCB vom Verein hinzu einem Unternehmen der Unterhaltungsindustrie schon einiges mitmachen. Wir haben darüber bereits geschrieben (https://heschghoert.ch/2015/12/15/mitglieder-sind-die-seele-jedes-vereins/). Diesen Fans läuft es heute noch kalt den Rücken herunter, wenn sie die ersten Zeilen des Fangesangs „Sait der Babbe zu sym Sohn, hüt gönn mir ins Stadion“ intoniert wird. Um in der Sprache der Marketeers zu sprechen: Es ist diese Zielgruppe, welche man sich in Erinnerung rufen sollte, wenn man wieder mal so etwas wie einen Rundumschlag in Sachen Preiserhöhung plant. Oder um in der Sprache der Angelsachsen zu sprechen: Never forget your past to shape the future!

Die Zukunft gemeinsam gestalten

Nostalgie und Tradition sind eine tolle Sache. Ich selbst zähle mich zwar nicht zur Generation Benthaus, kenne aber als Angehöriger der Generation Erni Maissen das Auf und Ab als FCB Fan. Unzählige Niederlagen und selbst ein Abstieg haben mich nicht dazu gebracht, das Produkt zu wechseln. Ich weiss aber auch, dass man nicht ewig in der Vergangenheit leben kann. Schliesslich telefoniert – wenn überhaupt – heute auch niemand mehr mit einer Wahlscheibe. Ich erwarte aber, dass ich als Zielgruppe ernst genommen und einbezogen werde, wenn die Zukunft gestaltet wird. Ich bin weit davon entfernt, mich nur als Kunde behandeln zu lassen.

Das einzige, was ich von der Führung respektive den leitenden Angestellten des FC Basel 1893 AG erwarte ist, dass sie sich in den nächsten Wochen und Monaten dieser Tatsachen bewusst werden. Justieren Sie ihr Sensorium für die Vergangenheit und gestalten Sie mit uns Fans zusammen die Zukunft. Es gibt auf dem Weg in die Zukunft immer Verlierer und Gewinner, aber es sollte nie so weit gehen, dass der Klub dabei seine Seele verliert. Niederlagen gehören zum Sport. Niederlagen sind es, welche die unheimliche Erfolgsgeschichte des FCB erst zu einer solchen gemacht haben. Mit der Ankündigung der Preiserhöhungen hat die Führung des FCB eine Niederlage eingesteckt, mehr nicht. Wer verliert, hat deswegen nicht alles schlecht gemacht. Lasst uns deshalb aus dieser Niederlage lernen und es künftig besser machen.





Ich hab mich geirrt

20 06 2016

Ich gebe es zu. Ich lag falsch und wahrscheinlich sechs Jahre zu voreilig, als ich Le Bron James mit Massimo Ceccaroni verglich . Heute haben sich die Cleveland Cavs und Le Bron in die US-amerikanische Sportgeschichtsewigkeit gespielt.

RESPECT!

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