Das Ende einer Liebe und Ehe

26 04 2013

Lieber Herr Bollmann

Sie kennen mich nicht. Nur soviel: Ich bin ein Mensch mit Engelsgeduld, aber ich kann es auf den Tod nicht, wenn man mich anlügt. Im Gegenzug kenne ich Sie auch nicht persönlich, weder als Manager noch als Fussballer. Als Ihre Fussball-Karriere begann, hab ich gerade das Licht der Welt erblickt und als ich etwas von Fussball verstand und Sie den Fussballschuh langsam an den Nagel hängten, schwärmte ich eher für Erni Maissen und die 80er Meistermannschaft des FC Basels. Für diesen schwärme ich übrigens immer noch, den FCB nicht Erni Maissen. Der Maissen ist heute zwar kein so erfolgreicher Manager wie Sie, als Fussballer brachte er es aber immerhin auf zwei Meistertitel sowie 29 Länderspiele, 28 mehr als Sie. Sie haben sich nach der Zeit als Fussballer nun zu einem knallharten und erfolgreichen Manager entwickelt.  Sie werden sicher auch dafür sorgen, dass die BaZ eines Tages  finanziell wieder auf gesunden Beinen stehen wird, allerdings ist ein gewisser Flurschaden absehbar. Bei all Ihren Fähigkeiten attestiere ich Ihnen nämlich eines nicht, dass Sie den Kunden/Leser ernst nehmen. Mit der eigentümlich Art der Nicht-Kommunikation respektive dem verbreiten von Unwahrheiten wollen Sie den Leser offenbar für dumm verkaufen. Das ist er aber mitnichten.

Ich spreche den früheren Redaktionsschluss der BaZ an, welche in unserer Region unter anderem das Fricktal betrifft (ob das Fricktal jetzt wirklich zur Region zählt, müssen Sie mit Herr Wanner klären…). Die Folge ist, dass dieses „BaZ-Randgebiet“  seit längerem von allen Informationen abgeschnitten ist, die nach 22 Uhr stattfinden.  Die Auswirkungen will ich hier nicht mehr länger erörtern. Sie haben diese in Ihrer Zeitung nach langer Zeit dann auch mal thematisiert, allerdings ist nicht viel herausgekommen. Drum sag ich Ihnen wie es ist.

Seit die BaZ bei der Tamedia gedruckt wird, gibt es natürlich Komplikationen mit dem gleichzeitigen Druck des Tagi. Damit der Grossteil der BaZ auch künftig rechtzeitig für die Frühzustellung beim Leser ist, mussten Sie die Auflage künstlich kürzen. Sie haben sich dann mal die Landkarte genommen und geschaut, ab welcher Postleitzahl die Abozahlen abnehmen und all diesen einen früheren Redaktionsschluss verpasst. Im Idealfall merkt es der Leser in Chur, Wädi oder Kriens nicht oder schluckt es. Sicherlich haben Sie in Ihrem Businessplan auch Abokündigungen mitberücksichtigt, denn ein guter Manager sind Sie ja. Ich stelle nicht in Abrede, dass es nicht einfach ist, zwei Zeitungen zur selben Zeit zu drucken. Äusserst sauer stösst mir aber auf, dass Sie die betroffene Leserschaft nicht informieren, einfach schweigen und sogar die Unwahrheiten verbreiten lassen. Wahrscheinlich haben Sie aber auch schon ausgerechnet, dass die BaZ dann am profitabelsten ist, wenn sich die Auflage um die 50‘000 Abos bewegt. Nachdem Sie uns im Fricktal mal ein paar Ausgaben mit späterem Redaktionsschluss geschenkt haben, kam heute erneut der Hammer. Der Freitag ist sowieso Ihr Problem. Da verteilen Sie in der Region Basel Ihre Gratis-Grossauflage und weil die Gratisleser natürlich den FCB lesen wollen, muss der Abonnent im Fricktal wieder hintenanstehen!

Es macht mich traurig, dass Sie damit auch die treuesten Leser Ihrer Zeitung vergraulen. Ich bin mit der BaZ aufgewachsen. Sie gehört für mich genauso zu meinem Alltag wie der FCB. Man könnte sagen, dass ich Sie gerade auch aufgrund einer gewissen emotionalen Bindung abonniert habe. Blocher hin oder her, ich stand immer zu meiner BaZ. Damit ist nun Schluss. Eine Ära neigt sich dem Ende zu. Die BaZ, welche morgens in meinen Briefkasten liegt, entspricht nicht jener, die ich abonniert habe, denn ohne FCB keine BaZ!

Meine Kündigung wird Sie wahrscheinlich weniger schmerzen als mich. Sie bekommen es wahrscheinlich gar nicht mit. Ich bin eine Abonummer* im Businessplan. Leid tut es mir aber für die Journalisten, welche Ihre Artikel über den FCB und andere Themen mit demselben Herzblut schreiben, wie ich Sie lese. Einige Ihrer Journalisten wohnen übrigens im Fricktal, dass Sie sicher von der Autobahnfahrt von Basel nach Zürich kennen. Hätten Sie doch mal eine der Ausfahrten zwischen Bözberg und Kaiseraugst genommen, sie hätten gesehen, dass dieser Teil des Aargaus sich genauso zur Region Basel zählt, wie es der Speckgürtel im Baselbiet tut. Und das erst recht,  wenn es um den FC Basel geht.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine erfolgreich BaZ-Sanierung und falls man einem erfahrenen Manager einen Rat geben darf, in Zukunft mehr Weitsicht bei Ihren Entscheidungen. Die verbliebene Leserschaft wird es Ihnen sicher danken.

*Falls es Sie interessiert. Die Abo-Verwaltung hat mir in der Bestätigung meiner Kündigung soeben die Abonummer mitgeteilt. Sie lautet KD.-Nr. 1038692.

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Kein Platz für Sentimentalitäten

5 04 2013

Papier ist was Schönes. Ohne Papier gäbe es wohl die moderne Kommunikation nicht. Papier ist auch für mich etwas Spezielles, weshalb ich heute noch Zeitungen lese. Seit Kindesalter habe ich eine spezielle Beziehung zu Papier und Gedrucktem. Ich bin damit aufgewachsen, Zeitungsausschnitte zu sammeln (ja liebe Kinder, physische Ausschnitte, keine bookmarks!) und besserte mein Sackgeld damit auf, in den Sommerferien den Besuchern im Papiermuseum zu zeigen, wie man Papier schöpft. Soweit so gut. In der elektronischen  Welt kämpft Papier heute gegen Bites und Bytes. Obwohl zu allerst weniger die Technologie den Niedergang der Zeitungen bestimmte, sondern die Tatsache, dass man im Netz plötzlich lesen konnte, was einem interessierte. Es dauerte eine Weile, bis Journalisten merkten, für den Leser und nicht für sich zu schreiben, aber das ist eine andere Geschichte.

Nun bröckelt aber meine Liebe zu den Zeitungen und speziell zu jener, mit welcher ich aufgewachsen bin und mit der ich lesen gelernt habe: Der Basler Zeitung. Seit Monaten kommt die Zeitung nicht aus der Kritik und kämpft mit finanziellen Problemen. Blocher & Co. interessieren mich weniger und das ein Unternehmen wirtschaftlich überleben muss, ist mir auch klar. Womit ich aber Mühe habe, ist, wenn ein Unternehmen systematisch versucht, seine Kunden für dumm zu verkaufen und auf die heute mehr den je wichtige Kommunikation verzichtet. Das erinnert mich an die Unternehmenskommunikation in den 80er Jahren: „Wir kommunizieren nur, was uns passt“.

Aktuellstes Beispiel ist die Fricktal Ausgabe der BaZ seit dem Umzug des Drucks nach Zürich. Diese Ausgabe ist nun eine Ausgabe 2. Klasse, eine mit früherem Redaktionsschluss. Wo die Verantwortlichen die Grenze zur 2. Klasse machen ist nicht klar. Wahrscheinlich haben Sie die Ortschaften aufgrund der Abonemennte knallhart abgewogen und Abokündigungen bereits im Businessplan mitberücksichtigt. Dürfen Sie auch, aber als Kunde hätte ich erwartet, dass man mich ernst nimmt. Meine Abokündigung ist schon halb geschrieben, denn ab sofort erfahre ich nicht, was in der Champions-League lief, was der FCB in Tottenham gemacht hat und wahrscheinlich gibt es auch keine Berichterstattung über den Cuphalbfinal gegen Sion, welcher ja auch nach 20 Uhr beginnt! Vom Playoff-Final im Eishockey, dem Champions-League und Uefa-Cup Final, den Abendspielen von Roger Federer etc. ganz zu schweigen. Ab sofort liefert die BaZ mir eine Zeitung mit einem Inhalt, den ich nicht will und für den ich nicht bezahlt habe!

Es ist wirklich schade mitanzusehen, dass Unternehmen nicht alleine wegen ihren Managemententscheiden den Bach hinunter gehen, sondern vor allem deswegen, weil Sie nicht kommunizieren und noch nicht gemerkt haben, dass der Kunde für eine Leistung bezahlt und nicht, weil er-  im Falle der Zeitung – Papierliebhaber ist. So erhalten diese Unternehmen die Quittung. Der Kunde will nur eines. Ernst genommen werden. Wenn die Fakten auf dem Tisch liegen, kann ich auch eine Entscheidung treffen. Es besteht heute eben kein Platz mehr für Sentimentalitäten, es zählt nur die Leistung.





Basel tickt anders!

22 11 2010

Die Welt in Basel ist in Aufruhr. Geschafft hat das ein Mann aus Herrliberg. Bei der ganzen Diskussion um „links“ oder „rechts“ zeigt sich die ganze Besonderheit der Region Basel und ihre fast schon merkwürdige „Hassliebe“ zur Basler Zeitung. Am augenfälligsten wird das bei zwei aktuellen Umfragen auf Telebasel Online.

Da wollen 43% der User wegen des drohenden Rechtsrutsches ihr BaZ-Abo künden, aber fast 45% denken, dass die  SVP- Ausschaffungsinitiative dafür sorgt, dass alle kriminellen Ausländer ausgeschafft werden. Da bewahrheitet sich wieder mal der Slogan: „Basel tickt anders!“





Kämpfe Basel, kämpfe!

17 11 2010

Eine Stadt wehrt sicht, zumindest ein Teil davon, für seine Zeitung. Eine Zeitung notabene, welche in den letzten Jahren oft an journalistischer Qualität zu wünschen übrig lies und deswegen nicht zu unrecht Abonnement um Abonnement verloren hat. Aber dies soll hier nicht das Thema sein.

In Internetforen wehrt sich die Öffentlichkeit gegen das Beratungsmandat von Christoph Blocher, gegen den rechtskonservativen Journalismus von Chefredaktor Markus Somm und gegen was auch immer. Fakt ist, auf Rettet Basel haben bisher über 8’000 Personen (alles BaZ-Abonnenten?) eine Online-Petition für eine SVP-unabhängige Zeitung oder wie in vielen Medien zitiert „politisch neutrale“ Tageszeitung unterschrieben. Da stellt sich doch uns die Frage: Was ist politisch neutral resp. SVP-unabhängig?

 Nun, ich denke, mit SVP-unabhängig meinen viele wohl, dass Christoph Blocher sich da raushalten soll. Politisch neutral hingegen ist schon schwieriger zu beurteilen. Denn meiner Meinung nach, kann eine Zeitung gar nicht politisch neutral sein. Politisch neutral würde heissen, keine Meinung zu haben. Deshalb versuche ich der Sache respektive dem Grund des Aufstandes und der Aufregung mal anders auf den Grund zu gehen. Ich hab mir die Mühe gemacht, dass Stammgebiet der Basler Zeitung, den Wirtschaftsraum 31, mal politisch unter die Lupe zu nehmen. Welche Parteien haben welche Stärke in den jeweiligen Gebieten und den entpsrechenden Kantonsparlamenten. Der Einfachheit halber und der Übersichtlichkeit wegen habe ich nur jeweils die Top-5 Parteien aufgeführt.

Basel-Stadt:

SP (29,7%), Grüne (13,8%), SVP (13,7%), FDP (9,9%), LDP (8,4%)

Baselland:

SP (22,94%), SVP (22,53%), FDP (20,93%), CVP (12,1%), Grüne (12,06%)

Aargau (Fricktal):

SVP (32,4%), CVP (19,8%), SP (16,6%), FDP (13,8%), Grüne (11%)

Solothurn (Thierstein/Dorneck):

FDP (28,99%), CVP (24,2%), SVP (18,8%), SP (15,41%) Grüne (7,71%)

Soviel zur Statistik. Machen wir nun eine ganz einfache „Milchbüebli-Rechnung“ und gehen davon aus, dass dies der potentielle Markt der Basler Zeitung ist und das Wahlverhalten der politischen Grundgesinnung und damit der Richtung entspricht, die man als Leser in einer Zeitung erwartet, dann kommt man zu folgenden Schluss.

Politisch neutral wird nicht gelesen, da die grosse Mehrheit der Wähler eine politische Meinung hat. SVP-unabhängig und damit, meinen wohl viele auch, keine SVP-freundliche Themen, dürfte nur für eine Zeitung erfolgversprechend sein, welche im Kanton Basel-Stadt verkauft wird. Das wäre ein Modell, das ginge dann aber mit einer bedeutend kleineren Redaktion.

Erfolgversprechend und wirtschaftlich am Interessantesten dürfte es aber sein, eine Zeitung für die ganze Region zu machen und die müsste zwingend „politisch ausgewogen“ sein. Themen aus allen Bereichen der politischen Richtungen vertreten und damit die grösstmögliche Zahl der potentiellen Leserinnen und Leser ansprechen. Natürlich unter der Voraussetzung guten Journalismuses.

Dürfte eigentlich nicht so schwer sein und vielleicht konzentriert man sich bald darauf und macht endlich wieder eine gute Zeitung. Es wäre zu wünschen, denn die Region hat nur eine!





Markus Somm wird Chefredaktor der BaZ

30 08 2010

(Bild: bazonline.ch)

Der Aufschrei, der sich meldenden Minderheit (?) ist gross. Ein Aargauer mit Ostschweizer Wurzeln wechselt an die Spitze der Basler Zeitung. Geht das überhaupt? Ein Nichtbasler als Chef des hiesigen medialen Kulturgutes „Basler Zeitung“? Wieso nicht.

Der FCB feierte seine grössten Erfolge mit einem Deutschen respektive einem Zürcher. Nun ist wieder ein Deutscher am Ruder. Basels erfolgreichste Eigengewächse kommen aus dem Baselbiet oder dem Fricktal. Der FCB zeigt, dass der Begriff „Basler“ nicht allzu eng definiert werden sollte. Wieso also sollte man sich bei der Besetzung der hiesigen Zeitung auf eine Person aus dem Stadtkanon und damit auf einen Markt von gerade mal 37 Quadratkilometer beschränken?

Basel gibt sich weltoffen, macht aber nun plötzlich Vorbehalte, wenn der neue Mann am Ruder der Basler Zeitung von jenseits des Bözbergs kommt. Hört die Welt an der Stadtgrenze auf? In Foren melden sich bereits erste verärgerte Leser, welche ihr Abo künden wollen (bin gespannt auf die Alternativen). Vergessen aber wird, dass unter den Chefredaktoren in der „Post Platz“- Ära Tausende von Abonnemente gekündigt wurden und das obwohl zwischenzeitlich auch Chefredaktoren aus Basel am Ruder waren. Diese gilt es nun zurückzuholen.

Die diffusen Ängste, dass aus der Basler Zeitung ein rechtsbürgerliches Blatt à la Weltwoche wird, sind meines Erachtens fehl am Platz. Die Weltwoche als Wochenzeitung hat eine andere Ausrichtung, als eine regionale Tageszeitung. Ausserdem verfügt die Basler Zeitung nicht über einen redaktionellen Stamm an Journalisten, welcher von einem Tag auf den andern seinen Schreibstil um 180 Grad ändern kann. Aber selbst die eingefleischten politisch eher linksstehenden „Basler“ müssten erkennen, dass eine wirtschaftliche Überleben der Zeitung nur gewahrt werden kann, wenn die Basler Zeitung sich auch ausserhalb der Stadtgrenzen verkauft. Mit dem Baselbiet und dem wirtschaftliche ebenfalls prosperierenden Fricktal gehören Gebiete zum potentiellen Leserstamm der Basler Zeitung, welche politisch eher auf der bürgerlichen Linie sind. Die politische Vielfalt der Region Basel muss deshalb auch in einer echten Regionalzeitung zum Ausdruck kommen. Das dies längerfristig der Fall ist, dafür kann Markus Somm sorgen. Und zwar nicht, weil er politisch eher rechtsbürgerlich steht, sondern weil er ein guter Journalist ist. Ein guter Journalist muss eben auch Themen aufgreifen, die unbequem scheinen und damit den landläufigen journalistischen Mainstream hinterfragen.

Warten wir also die ersten 100 Tage ab und entscheiden dann, ob die Basler Zeitung auf dem Weg zu einer qualitativ besseren Zeitung ist. Denn es ist unbestritten, dass die Zeitung in dieser Hinsicht Nachholbedarf hat. Allerdings wird die Ernennung von Markus Somm alleine noch keine bessere Zeitung machen. Die Redaktion muss aufgestockt werden, damit die Journalisten wieder jene Geschichten verfolgen können, die Relevanz in der Region haben.

Basel ist in punkto Kultur, Sport und wirtschaftlicher Prosperität schon längst eine feste Grösse in der Schweiz. Es ist nichts falsch daran, dass sie auch in punkto Medien wieder dorthin gelangt, wo sie vor vielen Jahren einmal war.





Mit dem Rücken zur Wand

5 12 2009

Den Zeitungen in der Schweiz geht es schlecht und die Leser sind die Leidtragenden. Qualitativer Journalismus ist rar geworden. Die Jagd nach Skandalisierung und einer immer noch tolleren Story hat eine regelrechte Boulevardisierungswelle ausgelöst, die selbst vor dem staatlichen Fernsehen keinen Halt macht. Es wird versucht, mit einem Pseudo-Sensationsjournalismus Leser bei der Stange zu halten. Die Folge davon ist, dass früher angesehene Tageszeitungen sich immer mehr den Gratisblättern von 20Minuten und Blick am Abend ähneln. Wieso soll der Abonnement denn noch was dafür bezahlen? In vielen Gegenden  kommt ein Zeitungsabo einem Beitrag an einen Verein gleich, den man halt unterstützt, weil er zur Region gehört. Doch echten Mehrwert erhält man schon lange nicht mehr.

Teures und gutes Personal muss wegen dem finanziellen Druck auf den Redaktionen den jungen Journalisten weichen. Diese schreiben oft nach dem Mund der Öffentlichkeit, selten aber mit Tiefgrund. Wie sollen sie auch? Zeit ist eine teure Mangelware auf den Redaktionen. Als guter Rechercheur gilt heute ein Journalist, welcher Zeit hat, mehr zu lesen als die Konkurrenz und zwei Seiten einer Pressedokumentation. Heute sind Schlagzeilen gefragt. Der Leser wird dabei Tag für Tag verarscht. Oder sagen wir, für dumm verkauft. So geschehen in der Baz von heute. Da wird ein neues Kreuzworträtsel, ein Sudoku und ein künftig umfangreicheres TV-Programm tatsächlich unter dem Titel „Mehr Service für BaZ-Leser“ angekündigt“! So weit sind wir schon.

Das wird sich auch nicht ändern, wenn Zeitungen fusionieren, so wie die gestern in den Medien aufgetauchte Spekulation, dass die NZZ die Baz kaufe. Der Inhalt einer Zeitung wird erst dann besser, wenn die Redaktionen wieder Geld haben. Eine gut funktionierenden Gesellschaft ist auf eine qualitativ hochstehende Medienlandschaft angewiesen. Nur dann funktioniert ihr System, gerade jenes so komplexe System einer direkten Demokratie, wie es die Schweiz praktiziert. Medien sind immer noch Informationsquelle Nummer 1 bei den Leuten, seien es TV, Radio, Internet oder Zeitungen. Wenn alle nur noch in Richtung Boulevard tendieren, dann ist dies das Aus einer gut informierten Gesellschaft.

Wie aber rettet man die Zeitungen. In den USA kam die Idee von Stiftungen auf, welche dann die Redaktionen unabhängig vom Inseraterfolg finanzieren können. Man könnte aber auch an eine Staatshilfe für Zeitungen denken. Wieso eigentlich nicht? Ein Versuchballon zur Eröffnung einer Diskussion wäre es auf jeden Fall wert. Sicherlich werden die schlecht geführten Zeitungen nicht überleben. So soll es auch sein, gerettet werden soll nur, wer auch ein überzeugendes und nachhaltiges Konzept hat. Aber wenn auf den Redaktionen erstmal wieder die Qualität steigt, dann können sich einige langfristig auch wieder auf dem Leser- und Werbemarkt durchsetzen. Dann haben dieLeser wieder eine Wahl. Die haben Sie heute nicht. Heute sind 80% der Tageszeitungen in der Schweiz gleichgestrickt und dann gibt es noch die NZZ, die Weltwoche und die WOZ. Salopp gesagt.





Christian Heeb ist zurück

27 05 2009

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Der Gründer von Radio Basilisk und ehemalige Radiopirat und eine der Stimmen  vom Pizzo Groppera ist zurück. Dort wo er am liebsten ist. Mitten in der Radioszene. Christian Heeb hat sich Basel 1 von der Basler Mediengruppe gekauft. Oder soll man sagen, er hat sich die Konzession gekauft. Der Basler Mediengruppe gelang es nie, das Radio zu integrieren. Nun konzentriert man sich in der Krise wieder auf’s Kerngeschäft: das Zeitung machen. Damit ist man natürlich selbst für Übernahmen und Kooperationen wieder interessant. Denn die meisten Verläge besitzen bereits Lokalradios und haben deshalb wegen des drohenden Stellenabbaus und der Doppelspurigkeiten bisher nicht nach Basel geschielt. Das könnte sich in den nächsten Monaten ändern.

Und was geschieht mit Basel 1? Es wird zum vierten Mal (Raurach, Edelweiss, Basel 1) einen neuen Namen erhalten. Radio für „mündige Bürger“ will Heeb machen, was rechtlich gesehen Radio für Leute ab 18 Jahren ist. Er will die redaktionelle Leistung ausbauen.

Kann man damit Erfolg haben? Ich denke ja, professionelle Information hat auch im Radio ihren Wert, wie die Erfolge der Regionaljournale und von DRS 1 bis 3 zeigen.

Kann man damit Geld verdienen? Ich denke, das wird schwieriger. Information kostet Geld und dies wird kaum nur aus Werbegeldern zu finanzieren sein. Obwohl, gerade in der Krise sollte Radiowerbung eine günstige und effektive Werbeform für Firmen sein.

Man kann gespannt sein, was der Radiopionier für die Zukunft alles plant