Ja, wir haben ein Problem!

21 02 2021

Der Weg aus der Krise beginnt immer gleich. Zuerst muss man sich eingestehen, dass man ein Problem hat. Aktuell kämpfe ich gerade mit meiner Tochter und ihren Mathematik-Kenntnissen. Sie ist noch nicht dort, wo man es sich wünscht und wir müssen zusammen üben. Was aber macht sie? Sie will nicht darüber reden? Wenn ich ihr sage, dass ich ihr gerne helfen möchte und ihr die Sachen mit dem 1 x 1 erklären will, blockt sie ab. Verdrängung pur!

Genauso läuft es beim FC Basel, obwohl dort lauter Erwachsene am Werk sind. Abblocken, verdrängen, sich nicht helfen lassen wollen. Man will sich nicht eingestehen, dass man ein Problem hat. So löst man aber auch kein Problem und kommt auch nicht aus der Krise. Bernhard Burgener, Präsident der FC Basel AG, macht einen Fehler. Er sieht sich im Recht, weil ihm der Klub gehört und er deshalb auch Verantwortung trägt. Er sieht den FC Basel als privatwirtschaftliches Unternehmen. Es ist das Recht jedes privatwirtschaftlichen Unternehmens, sich von Aussen nicht reinreden zu lassen. Ob es auch gut für seine nachhaltige Entwicklung ist, bezweifle ich stark.

Selbst Unternehmen, welche weniger stark im öffentlichen Fokus stehen wie der FC Basel, müssen sich heutzutage ein Ohr an den Bedürfnissen der Kunden und der Öffentlichkeit haben. Wer glaubt, sein Geschäft losgelöst von den Ansprüchen der Gesellschaft betreiben zu können, steht langfristig auf verlorenen Posten.

Bernhard Burgener ist nicht bewusst, dass er nicht nur Verantwortung für den FCB trägt, sondern auch für eine ganze Region. Ein Fussballbverein steht mitten im gesellschaftlichen Gefüge. Er bedient sich dessen Ressourcen, gibt aber auch viel zurück. Ein Fussballverein kann nicht unabhängig davon agieren. Deshalb müssen Verantwortliche solcher Unternehmen noch stärker auf Stimmen ausserhalb des Unternehmens hören, als andere Unternehmen. Sie müssen aber nicht nur darauf hören, sondern auch in der Lage sein, sie richtig zu deuten und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Das kann man nur, wenn man auch in der Lage ist, die Ansprüche der Kunden, Fans, der Politik und letztliche der Gesellschaft als Angriff auf die persönliche Arbeit zu sehen.

Man sollte die Ansprüche der Stakeholder (wie es aus Unternehmenssicht so schön heisst) als Ansporn nehmen, das Unternehmen zukunftfähig zu machen, weiter zu entwickeln und versuchen, ihnen gerecht zu werden, ohne dass man alle Ansprüche erfüllt. Es allen Recht machen, geht nicht. Ausserdem ist es Aufgabe einer guten Unternehmensführung, aufzuzeigen, wieso es nicht immer sinnvoll ist, alle Ansprüche zu erfüllen, aber gleichzeitig glaubwürdig aufzuzeigen, dass man die Anliegen ernst nimmt.

All das macht der FCB und seine aktuelle Führung seit Jahren nicht mehr. Zu lange haben wir zugesehen. Zu lange dachte auch ich, dass mangelende Kommunikationsfähigkeit ein Problem sei. Das Problem liegt aber woanders. Es liegt daran, dass man sich nicht eingesteht, ein Problem zu haben. So finden wir nie aus der Krise.

Mein Appell richtet sich an die Personen, denen die aktuelle Führung vertraut. Diese haben die grösste Verantwortung überhaupt. Sie müssen die Verantwortlichen nicht in ihrem Kurs bestätigen, sondern versuchen, ihnen klar zu machen, sich einzugestehen, dass wir ein Problem haben. Es ist wie bei meiner Tochter. Wenn sie sich wirklich eingestanden hat, dass sie kein Rechengenie ist, kann man ihr helfen und die Mathe-Krise gemeinsam angehen.


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