FC Basel: Man spricht englisch

23 07 2014

Wüsse, wohär me kunnt, schä

Alex Frei und Beni Huggel sind schon lange weg, David Degen hat seine Fussballschuhe an den Nagel gehängt und die 14 trägt nun ein japanischer Popstar; auf dem Rücken und um den Hals. Der Umbruch beim FC Basel ist in vollem Gange. Die „Ur-Basler“ tragen nur noch vereinzelt Namen aus der Region, sondern heissen in der kommenden Saison Streller, Degen, Delgado und Safari.

Nach der Ära der Rückkehrer und jene der Eigengewächse soll die Ära der vielversprechenden internationalen Talente folgen, welche dank Champions-League Garantie den FCB als Tor zu Europas Fussballmillionen betrachten. Sie tragen Namen wie Thomas Vaclik, Yoichiro Kakitani und Derlis Gonzalez. Auch Ihnen wird es jedes Mal kalt den Rücken ablaufen, wenn Sie durch die Muttenzerkurve den Rasen des Joggeli betreten werden. Sie werden allerdings nie verstehen, was die Kurve in ihrem Rücken singt.

Mag die regionale Identifikation des FCB und seiner Spieler auch etwas leiden, die Entwicklung ist nachvollziehbar. Der FC Basel ist ein internationales KMU. Er braucht nationale und vor allem internationale Erfolge, will er Jahr für Jahr Talente anziehen, welche später gewinnbringend verkauft werden können. Der Kreislauf des Geldes definiert den Erfolg und umgekehrt. Das mag Nostalgiker stören, ist aber zu akzeptieren, wenn man nicht im nationalen Mittelmass versinken will.

Trotzdem ist zu hoffen, dass die Verantwortlichen dieses Geld nicht nur in neue Transfers, sondern eben auch in die Entwicklung des eigenen Nachwuchses stecken. Die Trainer und die professionelle Infrastruktur einer nachhaltigen Nachwuchsarbeit kosten heute mehr, als manch ein Super League Verein als Jahresbudget für seine 1. Mannschaft zur Verfügung hat. Aber nur so kann der neue Frei, Xhaka oder Shaqiri einst in Rotblau auflaufen. Die Zeichen stehen nicht schlecht: Embolo, Aliji oder die Ajeti-Brüder sind vielversprechende regionale Talente, welche alle schon Einsätze in der 1. Mannschaft verbuchten. Es braucht diese Identifikationsfiguren, welche irgendwann auch wieder das Gerüst einer Mannschaft bilden können. Ganz abgesehen davon, gibt es draussen im internationalen Fussball auch noch den einen oder anderen Spieler, welcher auf den Plätzen der Region sein Handwerk erlernte und einst als Rückkehrer die Massen im Herbst seiner Karriere nochmals verzücken könnte. Man denke nur an den Möhlner Ivan Rakitic.

Der FC Bayern München macht es vor. Dort wird Bayrisch gesprochen, was viel zur Identifikation beiträgt. Langfristig muss das beim FCB auch das Ziel sein und Baseldeutsch muss eine prägende Rolle spielen. Erst wenn es keine Spieler mehr gibt, welche von sich sagen können, dass ihr Weg von der Kurve auf den Rasen führte, hat der FCB seine Seele verkauft. Soweit ist es noch lange nicht, aber die Nachwuchsarbeit ist gefordert.

Zur Erreichung dieses Zieles nimmt man auch gerne mal einen Umbruch wie den aktuellen in Kauf.

Nachtrag vom 29. Juli 2014: Die BaZ zeigt es heute schon, was ich meine. Vor zwei Jahren standen noch acht Spieler, welche aus dem eigenen Nachwuchs stammen, in der Startformation!

BaZ

Nachtrag 2 vom 13. August 2014: Es ist übrigens noch nicht so lange her, das hiess es „Man spricht deutsch“.

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Was ist aus den FCB-Transfers geworden?

16 03 2009

Der FC Basel hat in den letzten Jahren viele junge Spieler ausgebildet, sie zum Teil viel zu früh verloren und dabei rund 37.6 Millionen CHF an Transfererlösen eingestrichen. Für den FCB zumindest finanziell unter dem Strich ein gutes Geschäft. Wie aber sieht es mit den fussballerischen Karrieren der Spieler aus. Wo stehen sie heute?

 

Daniel Majstorovic, AEK Athen (Transfersumme ca. 3.8 Mio. CHF)

AEK Athen spielt dieses Jahr kaum um den Titel mit. Majstorovic ist aber Stammspieler und hat immerhin schon ein Tor geschossen. Damit ist er nicht ganz so torhungrig wie er das in der Schweiz war, aber sportlich scheint sich der Wechsel gelohnt zu haben.

Zukunft: AEK wird sportlich ein schöner Abschluss werden, bevor er sich wahrscheinlich dann in Schweden zurückzieht

 

Matthias Delgado, Besiktas Istanbul (Transfersumme ca. 7.5 Mio. CHF)

Der Argentinier hat sich im anspruchsvollen Umfeld der türkischen Liga durchgesetzt. Er ist meist Stammspieler und hat in der aktuellen Saison schon 7 Tore geschossen. Sein Team Besiktas spielt dieses Jahr um den Titel in der „Super League“.

Zukunft: vielversprechend

 

Zdravko Kuzmanovic, AC Fiorentina (Transfersumme ca. 4.5 Mio. CHF)

Nach durchzogener erster Saison hat sich Kuzmanovic zum Stammspieler gemausert. Die italienische Presse lobt den jungen Mittelfeldspieler. Fiorentina spielt oben mit und ermöglicht ihm trotzdem weiter an sich zu arbeiten.

Zukunft: vielsprechend

 

Ivan Rakitic, Schalke 04 (Transfersumme ca. 6 Mio. CHF)

Der „Möhlner“ spülte Millionen in die Vereinskasse und hinterliess beim FCB im Mittelfeld ein Riesenloch. Er hatte es von Anfang an schwer. Sah man im jungen Rakitic doch bereits den Nachfolger für den Brasilianer Lincoln: ein schweres Erbe. Zu Beginn lief es nicht schlecht. Doch Schalke ist eine „Fussballwundertüte“ und heute stehen die Knappen wieder einmal vor einem Neuanfang. Die BILD-Zeitung (vom 16.3.2009) geht nicht unzimperlich mit ihm um: „4-Mio-Missverständnis Ivan Rakitic (21/Vertrag bis 2011) trägt die Rücken-Nummer 10 nur spazieren.“.

Zukunft: ungewiss.

 

Mladen Petric, Borussia Dortmund/Hamburger SV (Transfersumme ca. 5 Mio. CHF)

Petric hat alles richtig gemacht. Er wechselte erst spät ins Ausland. Dortmund war für in Angewöhnungszeit. Beim Hamburger SV ist er nicht mehr wegzudenken und spielt um einen Titel in einer der grössten europäischen Ligen.

Zukunft: vielversprechend.

 

Felipe Caicedo, Manchester City (Transfersummer ca. 10.8 Mio. CHF)

Finanziell der Hammer, da sich englische Klubs wirklich alles leisten können- Sein Leistungsausweis bei City ist durchzogen, was aber auch an der immensen Konkurrenz liegt. In der Meisterschaft kam er bisher auf 11 Einsätze, wovon er viermal in der Stammformation stand. Immerhin hat er bisher zweimal ins Schwarze getroffen.

Zukunft: aufgrund der grossen Konkurrenz im Sturm ungewiss.