Rücktritt ist Fortschritt

29 05 2015

Heute ist es soweit. „Dr Keenig vo Basel“ verabschiedet sich von seinem Fussballvolk. Das letzte Spiel, der letzte Gang durch die Senftube. Schluss, Aus. Zwar gibt es noch einen Cupfinal, aber dieses Spiel und diesen Moment müssen wir mit rund 20’000 Wallisern teilen. Heute aber gehört der Abend ganz der FCB-Familie.

Marco Streller tritt von der grossen Fussballbühne ab. Wieso macht einer sowas? Viel zu früh, noch im Saft? Er hat zwar alles mit dem FCB erreicht, was man als Fussballer erträumen kann, aber nie den seinem Können entsprechenden Durchbruch in einer grossen Liga geschafft. Was also bleibt hängen? Fragen über Fragen, welche man sich nur stellt, wenn man im Fussball wie im Berufsleben (Anmerkung der Redaktion: Fussballer ist ein Beruf) nur den einen vertikalen Karriereweg nach oben kennt. Marco Strellers Karriere sollte Vorbild für andere Berufskarrieren sein.

Strebe nicht nach einer von der Gesellschaft (und deinem Umfeld?) erwarteten geradlinigen Karriere. Entwickle dich auch mal horizontal, mach einen Schritt zurück, hör auf deinen Bauch und schlussendlich Spiel dort, wo du dich wohl fühlst. Marco Streller fühlt sich in Basel wohl. Was wichtig ist, spielte sich auf knapp 30 Quadratkilometer ab. Er sah die Welt der grossen Ligen nur bei den Besuchen des FCB und doch hat er mehr erreicht als all die Weltenbummler: Arbeite dort, wo du dich wohl fühlst, hab Spass daran und der Erfolg stellt sich ein.

Marco Streller ist auch als Mensch ein Vorbild. Genau deswegen endet heute zwar eine Karriere als aktiver Fussballer, aber die Ära Streller nimmt heute Abend beim FCB erst gerade ihren Anfang.

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Sait der Babbe zu sim Sohn

6 08 2014

SAIT DR BABBE ZU SIM SOHN
HÜT KUNNSCH MIT INS STADION
D MAMME WO AN DER TÜRE STOHT
WEISS DAS JETZT EN GSCHICHT AFOHT

So lautet die erste Zeile eines der beliebtesten Fanlieder von FCB-Captain Marco Streller. Er hat es selbst gesungen, damals in der Kurve. Lang ist es her. Was wir heute online lesen, ist nun der Hammer. Zu den Gleichnamigen soll Streller nämlich wechseln. Die „Hammers“ aus West Ham vom East End Londons.  Führt er seinen Sohn künftig in de Upton Park bzw. bei seinem Vertrag (3 Jahre) ab 2016 ins Olympiastadion von London? Noch vor wenigen Tagen sagte FCB-Sportchef Georg Heitz, dass die Transfers abgeschlossen seien. Wenn noch jemand den Verein verlassen sollte, dann einer, mit dem man nicht rechnet. Wusste er da etwa schon vom Angebot der Londoner? Mit Streller hat wirklich keiner gerechnet und es wäre der letzte und für die Fans schmerzhafte Vollzug von der Basler „Identifikationstruppe“ hin zu „Internationale“ Basel. Sollte sich im Laufe des Tages respektive der Woche bewahrheiten, dass der Transfer zustande kommt, steht der Klub vor einem neuen Zeitalter. Der Umbruch wäre vollends vollzogen.

Die Nachricht wird heute den eingefleischten FCB-Fan schocken. Aus Sicht eines Marco Strellers wird es wohl einer der schwersten Entscheide seine der Karriere sein. Die Insel war immer ein Traum, London eine attraktive Stadt und die Erfahrung einmal in der Premier League zu spielen ist verlockend. Betrachten wir es realistisch, dann muss er das Angebot annehmen und das Abenteuer wagen. Der FCB als Unternehmen würde den Abgang verkraften. Der FCB als Integrationsmagnet einer ganzen Region aber hätte daran zu knabbern. Eines der letzten Puzzles der rotblauen Seele verliesse das Joggeli. Zeit, sich neue Integrationsfiguren zu suchen.

Nachtrag: Marco Streller hat in die Augen seines Sohnes geschaut und wie ein Vater entschieden. So werden Legenden geboren!





Wenn Trainer Entscheidungen treffen

23 10 2013

Ein alte Fussballweisheit sagt: Spieler gewinnen Spiele, Trainer verlieren diese. Genau aus diesem Grund versucht ein Trainer während eines Spieles alles zu unternehmen, dass Spiele gewonnen werden. Einfluss haben sie kaum noch, wenn das Spiel erst einmal läuft. Ein paar Zurufe hier und da, die Pausenansprache und natürlich die Auswechslungen. Wenig Einfluss also, aber viel Potential, etwas falsch zu machen.

Zwei FCB-Trainer machten in den letzten Tagen alles, um zu gewinnen, allerdings mit unterschiedlichen Erfolgen. Pep Guardiola ist ein General. Er belässt es nicht damit, dass sein Einfluss mit Anpfiff des Spiels endet. Selbst beim Stande von 3:1 für seine Mannschaft und in der 82. Minute griff er energisch ein, nur um Arjen Robben klar zu machen, dass nicht er, sondern Thomas Müller den Penalty schiessen soll. Das hat gesessen. Der Chef sitzt an der Seitenlinie.

Ein anderer Chef ist Murat Yakin. Er trifft seine Entscheidungen mit nicht weniger Konsequenz als Pep Guardiola, aber meist vor dem Spiel. Die Degen-Zwillinge oder Gaston Sauro können ein Lied davon singen. Sein System sorgt bisweilen auch mal für Verwirrung und seine Auswechslungen beeinflussen eine Mannschaft positiv oder negativ. Bisher hat es geklappt, so wie mit der Einwechslung von Matias Delgado im Champions-League Spiel gegen Chelsea. Nun aber muss auch er sich seine Gedanken machen. Die Auswechslung von Marco Streller fast 20 Minuten vor Spielschluss in der Champions-League gegen Steaua Bukarest bracht nicht die erhoffte Wirkung. Er wollte das Mittelfeld mit Mohamed Elneny dicht machen, schätzte aber die Auswirkungen auf das Konterspiel des FCB in dieser Phase schlecht ein. Keiner mehr da, der hoch angespielt werden kann und den Ball auch mal hält. Stattdessen versuchte es Mohamed Salah mit einer Schnelligkeit und seinen Dribblings im stürmischen Spiel nach vorne und verlor den Ball mehrfach, was Steaua wieder Möglichkeit gab und keine Ruhe brachte.  Die Achtelfinals in der Champions League sind nun nur noch mit einem Kraftakt auswärts gegen Schalke und daheim gegen Chelsea möglich. Vorausgesetzt man holt den Dreier im nächsten Heimspiel gegen Steaua. Auch ein Überwintern in der Europa League ist für einen Schweizer Klub nach wie vor eine grosse Leistung. Wer aber Chelsea in London schlägt, darf mehr erhoffen.

Abgerechnet wird am Schluss, aber die Weisheit bleibt, dass Erfolge den Spielern und Misserfolge den Trainern gehören.





Endlich wieder Fussball

8 02 2013

Draussen toben noch Schneestürme und in Zürich werden Fans zum Freischaufeln des Trainingsgelände aufgerufen. Dies ist die Zeit, in welcher die Super League ihren Rückrundenstart einläutet. Endlich. Vater Fussball hält wieder Einzug, selbst wenn schon jetzt die eine oder andere Spielverschiebung vorprogrammiert ist, geht es wieder los. Im Joggeli startet die Rückrunde am Samstag gleich mit einem Kracher. Im Spiel gegen den FC Sion treffen die beiden meistgenannten Meisterschaftsfavoriten aufeinander. Das Spiel wird für Murat Yakin und den FCB bereits richtungsweisend. Als Transfersieger des Winters kann das Team nur verlieren und ist damit in der Situation, in welcher die Mannschaft in den letzten Jahren immer am besten agierte: Als Verfolger der nur ein Ziel hat, die Meisterschaft zu gewinnen.

Genau wie beim deutschen FCB erwartet die Fans des FC Basels im Frühling ein „FC Hollywood light“. Spannung auf und neben dem Rasen ist garantiert. Im letzten Heimspiel am ersten Juniwochenden wäre nicht nur eine allfällige Meisterschaftsfeier angesagt, sondern auch der Abschied einer der grössten Schweizer Stürmer aller Zeiten: Alex Frei. Bis dahin gibt es aber noch viele Fragezeichen. Wird Alex Frei seinen letzten Fussballerfrühling auf der Bank verbringen? Gelingen ihm nochmals entscheidende Tore und wird er sich zum Abschluss definitiv in die Herzen der Muttenzerkurve schiessen? Die Antworten auf diese Fragen hängen nur bedingt von ihm ab. Er wird nochmals 120% geben, aber Regie in diesem mehrteiligen Abschiedsepos führt Steven „Murat“ Spielberg, welcher den Erfolg der Mannschaft über die Interessen Einzelner stellt.

Aber auch im Mittelfeld wird einiges Los sein. Mit Serey Die trägt nun ein Mitteldtank sondergleich die Farben rotblau. Wird er der lang ersehnte Mittelfeldmotor des FCB? Und was, ja was, läuft mit Raul Bobadilla. Ist er gesund, wenn seine Sperren abgelaufen sind. Harmoniert er mit Marco Streller und macht er ihn mit seiner Präsenz und der Tatsache, Gegenspieler auf sich zu ziehen, zum Torschützenkönig?

Antworten auf all diese Fragen gibt es Wochenende für Wochenende (und manchmal auch unter der Woche). Der FCB 2013 als Unterhaltungsmaschine. Suchtgefahr ist vorprogrammiert und man reserviert sich lieber schon heute als morgen einen Platz in der ersten Reihe!





Der Blick muss sich andere Feindbilder suchen

5 04 2011

(Quelle: Blick.ch)

Alex Frei und Marco Streller haben heute ihren sofortigen Rücktritt aus der Schweizer Nationalmannschaft erklärt. Die Kampagnen der letzten Wochen haben sogar soweit geführt, dass auch das Privatleben der beiden betroffen war. Dies ist heute in einer gemeinsamen Erklärung zu entnehmen. Damit haben die beiden den konsequenten Schritt nach einer gegen Spieler des FCB geführten Kampagne in der Nationalmannschaft gezogen.

Was sollen wir von diesem Schritt und diesen Entwicklungen halten? Hesch ghört hat schon mehrfach über die Thematik geschrieben:

Typisch Schweiz, Die Causa Frei, Chapeau Marco Streller, Und wer hat jetzt die Narrenkappe an

Damals wie heute stehe ich hinter einem Rücktritt in einer solchen Situation. Es stimmt allerdings nachdenklich, wenn sich bei den Fans der Schweizer Nationalmannschaft die Animositäten gegen einzelne Klubs auch dann zeigen, wenn alle für die Nation auflaufen. Die Kleinkariertheit eines Landes (oft von Alex Frei bemängelt) zeigt sich hier in Reinkultur. Die Nationalmannschaft und ihre Spieler werden erst dann wieder mit vollem Einsatz und Stolz für ihr Land spielen, wenn die Fans wie eine Wand hinter ihnen stehen und die Klubebene für einmal ausblenden. Diese Verschworenheit haben uns andere Nationen vor und machen schlussendlich einen starke Nationalmannschaft aus.

Wenn die Rücktritt von Streller und Frei dazu führen, dass auf Fanseite ein Umdenken stattfindet, dann hatten sie durchaus ihren Sinn. Denn in einer Nationalmannschaft spielen nunmal die Besten eines Landes und die spielen im Falle der Schweiz nicht nur im Ausland, sondern eben auch in der heimischen Liga, beim FCZ, bei YB oder beim FCB. Um in die Nationalmannschaft zu kommen, muss man ehrgeizig sein. Wenn Ehrgeiz (wie im Falle des Alex Frei) aber dazu führt, dass man gehasst wird, dann verstehe ich die Fussballwelt nicht mehr.

Im Gegensatz zum Angebot einer Klubmannschaft, schlägt man das Aufgebot in die Nationalmannschaft nicht aus. Wenn es so weitergeht, wird dies aber bald dazukommen, wenn Exponenten einzelner durch Kampagnen des Boulevard systematisch an den Pranger gestellt werden.

P.S. 42 Tore in 84 Spielen. Es wird lange dauern, bis jemand wieder ein Quote von 0,5 Toren pro Spiel erreicht!





Streller hat die Seuche

10 04 2009

fcb-sturm

(Der FCB Strum auf der Bank: Der eine sollte, der andere muss dort sitzen.)

Christian Gross hält unvermindert an seinem einzigen Stürmer Marco Streller fest. Eren Derdiyok, der im Sommer nach Leverkusen soll, schmorrt weiterhin auf der Bank. So auch gestern gegen Xamax Neuenburg. Aber auch gestern hat Marco Streller kein Tor gemacht: und genau das wäre die Aufgabe eines Stürmers. Ein Kopfball an den Pfosten und eine 100-%-ige Chance vergeigt, das die magere Ausbeute. Was der Arlesheimer auch anpackt, es gelingt ihm nichts.

Nun, mangelender Einsatz ist ihm nicht vorzuwerfen. Bei jedem Auskick von Costanzo, bei jeden langen Pass in die Spitze, versucht er seinen Mitspieler via Kopf zu lancieren. Hinzu kommt, dass die Schiedsrichter dieses Landes jedesmal, wenn ein Gegenspieler neben Streller umfällt, auf Stürmerfoul entscheiden. Trotzdem: es sei nochmals gesagt, Stürmer müssen Tore machen. Erst recht, wenn man nur einen aufbietet.

Wie soll es also weitergehen? Riskiert Christian Gross mit dem Festhalten an der Personalie Streller noch die Meisterschaft und damit seinen Kopf. Wird Streller je wieder seine Form finden? Die Kurve steht hinter ihm, das zeigen auch die Sprechchöre im gestrigen Spiel. Der Rest des Zuschauer und vor allem der Bahndamm aber pfeiffen ihn aus, wenn er wie gestern jeden Ball Richtung Tor verstolpert.

Die Fragen bleiben unbeantwortet. Schon am Donnerstag geht es im Cup weiter gegen YB. Schiesst Streller den FCB in den Final, dann ist er der Held. Trifft er bis Saisonende nicht mehr und der FCB verspielt seine Titel, dann muss sich nicht nur Streller seinen Gedanken machen. Der Klub ist dann gefordert, muss dringend Stürmer verpflichten und sich vorwerfen lassen, dass man Eren Derdiyok wegen Gross Starrsinn ein halbe Jahr auf der Bank versauern liess.





Nachgetreten: Die Durchhalteparolen

16 02 2009

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(Bild: flickr.com)

Glauben Sie mir, nichts liegt mir ferner, als dem FCB Miss-Erfolg zu wünschen. Ich gehöre nämlich in die Kategorie „Ja, eine FCB-Niederlage kann mir die Stimmung versauen“ und manchmal sogar ein Unentschieden wie gestern gegen die Grasshoppers. Was mich allerdings noch wütender macht, sind die ständigen Durchhalteparolen. Ja, ich weiss, dass Leben als Fussballprofi ist nicht einfach und nach dem Spiel eine gescheite Analyse zu machen, ist noch weit schwerer.

Aber langsam glaube ich, dass die Aussagen auch von der eigenen Leistung ablenken sollen. Beispiele gefällig.

„Diese Niederlage ist nicht so schlimm, wir haben ja noch 17 Spiele vor uns“. – Reto Zanni nach der 2:3 Niederlage gegen die Berner Young Boys am 7. Februar 2008.

„Jetzt müssen wir gegen GC und den FCZ gewinnen“. – Marco Streller nach der 2:3 Niederlage gegen die Berner Young Boys am 7. Februar 2008.

Wir können es immer noch aus eigener Kraft schaffen, Meister zu werden.“ – Marco Streller, nachdem der FCZ gegen GC am 8. Februar 2009 nur ein 2:2 erreichte.

„Jetzt müssen wir gegen den FCZ gewinnen. Ohne Wenn und Aber. – Marco Streller nach dem 0:0 gegen die Grasshoppers.

„Wir müssen auch das positive sehen, wir haben kein Tor erhalten.“ – Benjamin Huggel nach dem 0:0 gegen die Grasshoppers.

Nun, Durchalteparolen können was Gutes sein. Sie können dem Fan das Vertrauen in die Mannschaft vermitteln. Zum Bummerang werden diese nur, wenn die Spieler beginnen zu glauben, was sie erzählen. Dann nämlich liegt der Verdacht nahe, dass sie den Ernst der Lage nicht wirklich erkannt haben. Noch ist es aber nicht soweit und wir können immer noch auf das nächste Spiel gegen den FCZ hoffen.

Wenn die Spieler dann anschliessend nur nicht zu Protokoll geben: “ Meister wird, wer am Ende oben steht und noch ist rechnerisch alles möglich.“ Eine weitere sehr beliebte Durchhalteparole, um eigentlich nichts anders zu sagen wie: Es ist alles verloren, wir haben es vergeigt!