Anti-Offroader Initiative

29 09 2010

(An den Hummer gedacht und damit Hunderttausende Nicht-Hummer Fahrer getroffen.)

Die Schweiz wird sauber. So wünschen es sich die Initianten der „Anti-Offroader Initiative“. Da wir nicht Mitglied der EU sind, wird das auch gelingen, denn schliesslich macht der Feinstaub an der Grenze halt! Spass auf’s Velo (welche Analogie)! Seien wir ehrlich. Es scheint in der Politik nur etwas zu gehen, wenn man mit Verboten reagiert oder die Leute über den Geldbeutel zu einem anderen Verhalten zwingt. Das ist ein Fakt, dem wohl niemand – von rechts bis links – widersprechen mag. In diesem Sinne ist auch die Anti-Offroader Initiative folgerichtig. Dass diese von Personen getragen wird, die in einem urbanen Umfeld wohnen und sich deshalb den Luxus leisten können, Kind, Hund und alles andere im gut erschlossenen Nahverkehr zu transportieren, ist eine andere Geschichte.

Ich möchte auch gar nicht gross auf das Verbot einzelner Personenwagen eingehen. Alternativen gibt es immer. Grundsätzlich wäre es natürlich schöner, es gäbe europaweit Alternativen und wir Schweizer wären dann nicht die einzigen mit einer limitierten Auswahl an Fahrzeugen. Aber die Bewohner der DDR durften sich ja nichts kaufen, was aus dem Westen kam. Somit werden auch wir Schweizer uns an diesen „Neu-Kommunismus“ gewöhnen.

Viel schwerer wiegt die Tatsache, dass Fahrzeuge, welche vom Verbot betroffen sind und bereits in der Schweiz immatrikuliert sind, nur noch 100 km/h fahren dürfen. Dies ist meines Erachtens das grosse Übel dieser Initiative. Was gut gemeint ist (man will verhindern, dass Fahrzeuge im Ausland gekauft werden) ist nicht nur eine Beschneidung der eigenen Freiheit (im Zeitpunkt des Kaufes war das Fahrzeug nämlich gesetzeskonform), es geht auch ans Eingemachte. Das Schweizer Volk kann nämlich darüber entscheiden, ob ich von einem Tag auf den anderen ein wertloses Fahrzeug habe. Es ist also ein direkter Eingriff in meine Vermögensverhältnisse. Mein legal gekauftes Fahrzeug kann nicht mehr in der dafür bestimmten Weise verwendet werden und der Wiederverkaufswert sinkt massiv. Ganz abgesehen davon, dass eine ganze Industrie (Auto-Occasionshändler) in ihrer Existenz bedroht sind, weil sie auf wertlosem Bestand an Fahrzeugen sitzenbleiben.

Es ist in etwa so, wie wenn Sie ein 6-Zimmerhaus bauen und ihnen dann eine Initiative vorschreibt, dass Sie ab sofort nur noch vier dieser Zimmer nutzen dürfen. Die restlichen zwei werden blombiert und bleiben leer!

Da diese Initiative nur auf unsere Kleinland beschränkt ist, werden die ausländischen Autoproduzenten kaum genug Druck spüren, neue Modelle rasch genug zu entwickeln, damit gangbare Alternativen zur Verfügung stehen. Kommt hinzu, dass die Mehrzahl der angepeilten Fahrzeuge, darunter auch Sportwagen, die selten tagtäglich gefahren werden, der ausländischen Autoindustrie grosse Gewinne bringen. Diese fallen nun weg und die Industrie müssten wohl einfach die Preise für die sogenannten „normalen“ Fahrzeuge erhöhen, um doch noch was herauszuholen. Dies könnte dazu führen, dass die Hochpreisinsel Schweiz um ein weiteres Kapital reicher wäre und die Kaufkraft der Schweizer Bevölkerung strapaziert würde. Ist ja aber keine Problem, der Schweizer Wirtschaft und damit dem Schweizer Arbeitnehmer geht es ja blendend! (ACHTUNG: Zynismus)

So sympathisch der Titel „Für eine menschenfreundlichere Mobilität“ auch klingen mag, mein Rechtsverständnis wird dann strapaziert, wenn bereits erworbene Rechte wie im Falle der bereits immatrikulierten Fahrzeuge tangiert werden und damit auch meine persönliche Wirtschaftlichkeit. Hätte man sich doch nur auf ein Verbot für die Zukunft beschränkt unnd damit ein klares Signal gesetzt, aber bereits erworbenen Besitzstand nicht beschnitten.

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2 responses

1 10 2010
rizzitelli

Guter Artikel. Was mich an Offroadern stört ist eigentlich nur, dass die Verletzungsgefahr für Fussgänger enorm viel grösser ist (v.a. innere Verletzungen, weil das Unfallopfer nicht über das Fahrzeug geschleudert, sondern mit voller Wucht erfasst wird).
Aber deswegen diese Fahrzeuge verbieten? – Na ja.
Der von Ihnen beschriebene Umstand „Das Schweizer Volk kann nämlich darüber entscheiden, ob ich von einem Tag auf den anderen ein wertloses Fahrzeug habe. Es ist also ein direkter Eingriff in meine Vermögensverhältnisse.“ trifft übrigens auf viele weitere Staatseingriffe zu (Einführung Grundstückgewinnsteuer, Erbschaftssteuer, Umzonung Bauland in Nicht-Bauland etc.) So ist das halt 😉

1 10 2010
hesch ghört

Da bin ich fast einverstanden:-) Bei der Grundstückgewinnsteuer, fällt mein „Gewinn“ einfach kleiner aus, es wird mir aber nichts weggenommen, wen man vom Betrag ausgeht, den man mal bezahlt hat (man zahlt die Steuer ja nur, wenn das Grundstück mit Gewinn weiterveräussert wird). Dasselbe bei der Erbschaftssteuer. Auch hier kriege ich einfach weniger, von etwas, das ich vorher nicht hatte. Aber im Grunde ist es schon so, in einer Demokratie passieren halt manchmal Sachen, die nicht allen passen:-)

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