Ist Robert Enke schon vergessen?

9 11 2011

Vor zwei Jahren hat sich Hanover 96 Goalie Robert Enke das Leben genommen. Damals ging ein Aufschrei durch die Sportwelt und auch die renommierten Gazetten in Deutschland lavierten, dass mehr Menschlichkeit und Schwäche im Fussball von Nöte seien. Alles vergessen? Es scheint so, die (Medien-) Zeit ist schnellebig.

Am vergangenen Spieltag verursacht Nürnberg Verteidger Timm Klose einen Penalty in letzter Minute. Nürnberg verlor und Klose weinte anschliessend vor laufenden Kameras. Und nun schreibt die renommierte Süddeutsche Zeitung ausgerechnet in der Woche, wo sich der Todestag Enkes jährt dies:

«Im Männersport Fussball ist das öffentliche Zeigen von Schwäche unüblich. Wo käme man da hin, wenn sich jeder nach einem Fehler grämte? Stärke zeigen ist erste Profipflicht»

Trauer ist ein Massengeschäft und schnell vergessen…





Das Pyroverbot soll’s richten

7 10 2011

Jetzt haben sie also alle die Lösung der Probleme im Schweizer Fussball gefunden. Das Abbrennen von Pyros während Spielen soll zum sofortigen Abbruch führen. So wollen Sie es in Zürich und offenbar auch innerhalb des Konkordates der Polizeidirektoren. Tolle Sache so ein Verbot und Spielabbruch! Bernhard Heusler hat in der heutigen BaZ schon recht: Damit werden künftig Einzelpersonen über den Ausgang eines Spieles oder sogar der Meisterschaft entscheiden können. Die Chaoten können damit vollens die Macht über alle anderen übernehmen. Bei allem Verständnis im Kampf gegen die Gewalt in Schweizer Stadien, dieser Entscheid, sollte er umgesetzt werden, ist nichts anderes als eine Kurzschlussreaktion mit falscher Wirkung. Damit wird ein Fussballspiel vollends zur Lotterie und Gerichtsverfahren à la Constantin werden daneben harmlos aussehen. Aber vielleicht ist es ja das, was die Politiker (im Wahlkampf) wollen. Law and order und den Fussball aufgrund 1% der Fans kaputt machen. Solche Massnahmen stossen bei mir auf dasselbe Unverständnis wie die Fackelwerfer selbst. Man kann nur hoffen, dass auf beiden Seiten bald Vernunft einkehrt und die Medien, welche sich die Ausschreitungen ob der Schlagzeilen ja insgeheim wünschen, endlich sachlich diskutieren anstatt die beiden Seiten gegeneinander aufzuwiegeln.





Die Verwahrlosung der Wohlstandsgesellschaft

3 10 2011

(Bild: blickonline. Fackelwerfer am Zürcher Derby)

Der Schweizer Fussball spiegelt die gesellschaftlichen Entwicklung wider. Deshalb mögen die Ereignisse anlässlich des Zürcher Derby von gestern kaum verwundern. Trotzdem: die Grenze ist längst überschritten und auch der letzte vernünftige Bürger wird nun alle „Fans“ in denselben Topf werfen. Die Fankultur wird darunter leiden, die Radikalisierung zunehmen und der Sport ist der Verlierer. Die jahrelangen Bemühungen der Klubs werden mit einem Tag zunichte gemacht. Wer im öffentlichen Raum fast unbehelligt Krawalle machen kann, muss auch in Schweizer Stadien kaum Repressalien fürchten.

Wenn das so weitergeht, wird es das Ritual, dass der Vater den Sohn oder die Tochter in die Fankultur seines Klubs einführt nicht mehr geben. Wer geht mit seinen Kindern schon an ein Spiel, bei dem er damit rechnen muss, verletzt zu werden. Das Stadion könnte zur „No-Go Area“ verkommen. Hoffen wir, dass Einsicht vorher einkehrt. Doch die Hoffnung ist klein…





Herr Grimm und der FC Sion

30 09 2011

Thomas Grimm, scheidender Liga-Boss, äussert heute, dass Sion alle Spiele forfait verlieren wird, in denen die nicht spielberechtigten Spieler eingesetzt wurden. Pech für den FCB, beim 3:3 im Joggeli sassen diese Spieler auf der Tribüne… Aber darum geht es jetzt nicht. Sehen wir mal davon ab , dass damit eine bereits laufenden Saison verfälscht würde. Worin besteht denn das eigentlich Problem, ausser, dass beide Seiten „Recht“ haben.

Meines Erachtens wird bei den Wirren um den FC Sion eines, zumindest vordergründig, immer ausser Acht gelassen. Der FC Sion nimmt am Meisterschaftsbetrieb der Super League teil. Das ist eine private Organisation, es besteht weder eine Pflicht noch ein Grundrecht dazu. Also muss und soll er sich an die Entscheide der sportlichen Gerichte halten. Durch seine Teilnahme an der Meisterschaft hat er sich bereit erklärt, dessen Statuten und Reglemente zu achten. Wenn davon geredet wird, dass CC ein Winkelried ist und manche ihn sogar bewundern (was man ja angesichts seiner Hartnäckigkeit verstehen kann) geht ein Gedanke verloren. Der FC Sion spielt FREIWILLIG in der Super League!

Man sollte staatliche Gerichte anrufen können, wenn in der privatwirtschaftlichen Beziehung zwischen Liga und Verein Misstände bestehen. Diese aber dürfen und sollen den Spielbetrieb nicht zur Farce werden lassen, sie können aber dazu führen, dass die Liga z.B. Schadenersatzpflichtig würde, falls die Spieler zu Unrecht nicht eingesetzt werden konnten. Dass Sie aber nicht eingesetzt werden dürfen, ist Sache eines Sportgerichtes und dessen Urteil ist zu akzeptieren. Es steht jedem frei, eine eigene Liga aufzubauen….

So, jetzt wäre das auch mal gesagt!





Flasche leer

27 09 2011

Manchmal bleibt einem ob all der Arbeit und Verpflichtungen einfach kaum mehr Zeit respektive, man will diese sinnvoll nutzen. Deshalb ist dieser Blog zurzeit auch nicht so aktiv:-) Macht ja nichts, es gibt für alle genug Ablenkung anderswo und irgendwann, gibt es auch wieder Sinnvolles mitzuteilen. Bis alsbald also…





Der FCB hat die Sättigungsgrenze erreicht

21 08 2011

Es ist ein bisschen wie bei Roger Federer. Der Nimbus des Unbesiegbaren ist beim FCB verschwunden. Die Gegner erfreuen sich am Sieg gegen die Mannschaft mit grossem Namen, Angst oder Respekt haben sie aber nicht mehr. Zurückblickend wird man sagen, dass der Niedergang mit einem der grössten Erfolge in der Klubgeschichte begonnen hat: der direkten Qualifikation für die Champions-League Gruppenphase.

Noch ist es nicht zu spät, allerdings sollte man jetzt den Tatsachen ins Auge schauen und sich nicht mit dem Fink-Floskeln „Wir haben schon grössere Rückstände aufgeholt“ über Wasser halten. Der FCB muss jetzt und heute mit der Planung der Zukunft beginnen. Dies heisst auch, ein bis drei Jahre auf Titel zu verzichten, dafür aber wieder eine hungrige und kämpferische Mannschaft auf die Beine zu stellen. Die Leute dazu hat der FCB: Xhaka, Fabian Frei, Cabral, Sommer, Dragovic, Voser, Shaquiri (denn mit der Leistung wird er mit einem Wechsel ins Ausland zum zweiten Philipp Degen) können die Basis für den FCB 2013 sein. So weitermachen wie bisher und auf das Prinzip Hoffnung setzen klappt nicht, denn rückblickend betrachtet hat man die Meisterschaft 2011 mit einer Mannschaft geholt, die bereits über ihren Verhältnissen lebte. Diese Tatsache hat dem einen oder anderen wohl den Blick für die Realität vernebelt.

Bernhard Heusler und seine Truppe werden hoffentlich die Kraft haben, durch’s Tal der Tränen zu marschieren. Es wird Zuschauer kosten, aber eine Massae von gegen 12’000 kann ein FCB immer mobilisieren („Erfolg isch nit alles im Läbe, au wenn’s schlächt goot sinn mir mit drby…..“).





Die Weiten des Alls sind grenzenlos

21 07 2011

1966 flimmerte die erste Folge von Star Trek über den Bildschirm. Die Weiten des Alls erobern das Wohnzimmer und jeder glaubt an Science-Fiction. 1969 landet Neil Armstrong auf dem Mond. Immer noch ein wenig unwahr, aber man glaubte, den Reisen des Space Ship Entreprise und seiner Besatzung ein Stück näher gekommen zu sein.

1981 begann mit der Raumfähre Columbia das „Reisen in die Weiten des Alls“-Programm der NASA. Heute, nach dreissig Jahren, landete die letzte Raumfähre. Nun geht es ins Museum. Dort stehen auch die Raumanzüge von Captain Kirk und Spock. Die Weiten des Alls sind auch nach Jahrzehnten bemannter Raumfahrt immer noch grenzenlos. Aber immerhin wissen wir jetzt, wir sind nicht alleine und die Erde ist nicht der Mittelpunkt des Universums…





Tami nach London

27 06 2011

Zum dritten Mal in der Geschichte des Landes hat sich die Schweiz für das Fussballturnier an den olympischen Spielen qualifiziert. Obwohl die olympischen Sommerspiele 2012 mitten in den laufenden Meisterschaftsbetrieb fallen werden, ist die Veranstaltung keine Grümpelturnier. Vor drei Jahren holte sich keiner geringerer als Lionel Messi mit Argentinien den Olypmiatitel.

Kein Wunder wird nun auch darüber diskutiert, ob anstelle von U-21 Trainer Pier-Luigi Tami nun Ottmar Hitzfeld das Coaching der Olympia-Equipe übernehmen soll. Dies ist klar zu verneinen! Der Verband muss nun früh und in aller Deutlichkeit ein Zeichen setzen und diesen Job an Pier-Luigi Tami vergeben. Er hat sich die Qualifikation mit seiner Equipe erkämpft und er soll den Job auch kriegen.

Es kann nicht sein, dass die Schweiz „nur“ Spieler fördert, dem Trainernachwuchs aber die Brosamen hinwirft. Tami muss und soll die Gelegenheit erhalten, sich an einem grossen internationalen Turnier zu bestätigen.





Der Aargau

27 06 2011

In den letzten Wochen ist die Thematik des Lobbying für die
Region Nordwestschweiz in vielen Mündern. Dabei fokussieren sich die
Vernachlässigten vor allem auf die Betrachtungsweise der beiden Basel.
Verschiedene Kommentatoren attestieren dem Aargau dabei, dass er
Zürich-orientiert sei. Dies bringt mich auf den Plan, einen Versuch zu starten,
um dem Rest der Schweiz den Aargau zu erklären.

Der Kanton Aargau zählt mit seinen über 1400 Quadratkilometer
Fläche zu den grössten Kantonen in der Schweiz. Die beiden Basel sind zusammen fast 2,5-mal kleiner. Die riesige Kantonsfläche wird durch den Jura geografisch in einzelne Teile zerstückelt. Diese geografischen Hindernisse machen eine eigene Identität sehr schwer. Kein Wunder wird der Aargau missverstanden, wenn er sich manchmal selbst kaum versteht.

Der Aargau lässt sich grob in verschiedene Regionen einteilen. Das Fricktal, die Region Baden, das Freiamt, die Region Aarau sowie die Region Zofingen. Geografisch sind diesen Regionen die Nähe zu verschiedenen
Kantonen gemein. Das Fricktal tendiert Richtung Basel, Baden Richtung Zürich,
das Freiamt Richtung Luzern/Zug, Zofingen mit Abstrichen Richtung Solothurn und in der Mitte liegt das Zentrum um Aarau. Dies allein zeigt schon, wie oberflächlich die Aussage ist, der Kanton Aargau sei Zürich-orientiert.

Konzentrieren wir uns aber einmal auf das Fricktal. Eine Region, welche Flächenmässig etwas mehr als die Hälfte des Kantons Baselland ausmacht. Seit über 20 Jahren ist das Fricktal Basel orientiert. Als die Autobahn in Frick zu Ende war und sich die Kolonnen über den Bözberg Richtung Brugg wanden, war es eher das untere Fricktal, seit der Öffnung des Bözbergtunnels und dem Ausbau des öffentlichen Bahnverkehrs schielt aber auch das obere Fricktal vermehrt nach Basel. Das Gymnasium Muttenz gilt seit Jahren als Gymnasium der Fricktaler, da der Bezirk über kein eigenes Gymnasium verfügt und der Weg über den Berg nach Aarau zu mühsam scheint. Aber auch die Basler Gymnasien wurden mit dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs immer attraktiver. Die Region oder der Kanton Nordwestschweiz ist in diesen Köpfen seit jung auf ein Thema, da die Ausbildung kantonsunabhängig stattfindet und damit auch das soziale Leben.

Was für das Fricktal gilt, lässt sich auch auf die anderen Regionen ableiten. Kurzum, der Aargau ist ein breit gefächerter Kanton, welcher sich nicht einfach einordnen lässt. DEN Aargauer als solches gibt es kaum (mehr), weshalb es meines Erachtens zu kurz greift, den Aargau als Zürich-bezogen zu betiteln. Das mag für gewissen Themen und Region gelten, aber nicht pauschal. Man könnte also auch genauso gut sagen, der Aargau ist eher Basel-lastig, Solothurn-lastig, Luzern-lastig. Aber was wäre genauso falsch.

Der Aargau ist aber auf jeden Fall ein selbstbewusster Kanton geprägt durch Regionen mit einer eigenen Persönlichkeit und durchaus auch politischer Vielfalt. So nun wäre dies Lanze auch gebrochen!





Ronaldo tritt ab

8 06 2011

 Foto: Keystone

Kennen Sie den „Dicken“? Er ist gestern von der professionellen Fussballbühne abgetreten:

– dreimaliger Weltfussballer

– zweimaliger Fussballer Europas

– drei WM Teilnahmen als Aktiver und 1994 nur im Kader

– 15 Tore an Weltmeisterschaften, 247 Tore in seiner Karriere, allein 83 in 127 Spielen für Real Madrid

Ein Grosser tritt ab, jünger als Ryan Giggs aber weit weniger fit!