Für immer Rot-Blau (oder doch Rotblau?)

12 04 2017

Unbenannt

Die Auseinandersetzung mit so einem wegweisenden Entscheid für die Zukunft unseres FCB muss man erst sacken lassen. Glücklicherweise muss ich im Gegensatz zu Sportjournalisten nicht schon wenige Minuten nach der Entscheidung eine differenzierte Meinung haben. Am Abend der ausserordentlichen Mitgliederversammlung reichte ein knappes JA, NEIN oder ENTHALTUNG (Anmerkung der Redaktion: Ich hab Ja gestimmt, weil jeder, der sich nach dieser im Schweizer Fussball unvergleichlichen Serie beim FCB engagiert, grundsätzlich meine Unterstützung verdient, egal was ihn dazu treibt). Damit ist im Grunde schon alles gesagt: die neue Führung verdient unser Vertrauen und Bewunderung zugleich, weil sie den schwersten Job im Schweizer Fussball übernehmen. Fast alles. Ein differenzierter Blick lohnt sich trotzdem.

Ich mag mich noch gut erinnern, als ich Bernhard Heusler vor etwa 5 Jahren anlässlich einer seiner unzähligen Vorträge in den Katakomben des Hilton Hotels auf seinen schwierigsten Personalentscheid ansprach. „Herr Heusler“, meinte ich, „wie gehen Sie damit um, dass der schwerste Personalentscheid einmal jener nach ihrem Nachfolger sein wird?“ Er konnte oder wollte nicht im Detail darauf eingehen, vielleicht auch, weil er sich selbst nicht so wichtigmachen wollte oder realisierte, dass die Frage schwierig zu beantworten sei. Aber mir war schon damals klar: Spieler und Trainer kommen und gehen, aber wie schafft es der FCB, dass die Philosophie der aktuellen Führung weitergelebt wird?

Zurück zum Freitagabend. Bernhard Burger präsentiert seine Strategie zum FCB und ich denke mir so, wer Radio Raurach kauft und eine junge und motivierte Truppe 5 Jahre lang als Radio Edelweiss Radio machen lässt, der hat das Herz auf dem rechten Fleck. Es mag ja im Saal so nicht richtig rüberkommen, aber der Mann kann lustig sein und hat Bodenhaftung. Er ist kein abgehobener Unternehmer. Eines ist für mich klar: die Lösung ist Baslerisch und Burgener würde die Seele des Klubs nie verkaufen. Was nicht heisst, dass er noch mehr Unternehmertum reinbringt. Doch die Verbundenheit mit dem Klub, das Herz am rechten Fleck, was man Streller, Frei und auch Ceccaroni attestieren muss, dies allein genügt nicht. Am Ende ist es Folklore. Die Masse aber ist verwöhnt. Die Maschinerie muss gefüttert werden, mit sportlichen Erfolgen, schönem Fussball und ganz viel Identifikation. Unter diesem Gesichtspunkten soll das Konzept auch beurteilt werden. Allen Beteiligten der neuen Führung ist zu attestieren, dass sie den FCB im Herzen tragen. Was aber haben sie sonst noch drauf?

Entscheidend sind für mich drei Dinge. Beginnen wir bei der wichtigsten Personalie der neuen Führung. Es geht nicht um den Namen des neuen Trainers, sondern um den eines Fricktalers: der Rheinfelder Ruedi Zbinden. Er ist der Mann an der Scouting-Front, welcher den Erfolg innerlich feiert und die anderen im Rampenlicht stehen lässt. Seine Expertise und Erfahrung aus 16 Jahren FCB-Scouting ist für die Umsetzung des Konzeptes enorm wichtig. Als ich am Freitagabend auf der Präsentation von Bernhard Burgener den Namen Zbinden sah, war der Ja-Knopf schon gedrückt.

Ebenso wegweisend und neu ist die Reduktion des Kaders. Bisher galt die Devise, dass jede Position doppelt und gleichwertig besetzt sein soll. Man konnte sich das wirtschaftlich leisten und war vor allem unter Sousa und den verletzungsbedingten Ausfällen in dieser Ära auch froh darüber. Es macht die Arbeit eines Trainers aber in doppelter Hinsicht schwer. Er muss alle 23 bei Laune halten und für junge Spieler ist kaum Platz, wenn sie nicht schon eine gewisse Erfahrung mitbringen. Neu soll es noch 16 bis 18 Stammspieler geben, der Rest wird mit Jungen aufgefüllt. Wird dies so umgesetzt, wie es angetönt, hat diese Strategie gleich zwei Vorteile. Man kann die durchschnittliche Qualität der Stammspieler erhöhen, ohne die Lohnsumme erhöhen zu müssen und es hat eben Platz für nachrückende Talente aus dem Nachwuchs. Es bedingt aber auch, dass die medizinische Abteilung ein glückliches Händchen zeigt und die Stammspieler fit sind.

Und Drittens bildet die wirtschaftliche Unabhängigkeit überhaupt das Fundament, um die neue Strategie umzusetzen respektive das Unternehmen FCB langfristig oben zu halten. Die Zeit des Mäzenatentums ist definitiv zu Ende. Mäzene garantieren auch keinen langfristigen und nachhaltigen Erfolg. Und was noch viel entscheidender ist, es gibt immer weniger davon, welche sich für Fussball interessieren. Wenn Burgener weiter (und vielleicht noch konsequenter als seine Vorgänger) auf wirtschaftliche Unabhängigkeit setzt, dann tut er das, weil er weiss, dass man nur so in Ruhe arbeiten kann. Wer nicht auf das Geld von Investoren angewiesen ist, kann sein Ding durchziehen. Sein Ding ist die Umsetzung der neuen Strategie mit einer hungrigen aber unerfahrenen Führung junger Familienväter, welche auch mal Fehler macht und früher oder später eine Baisse verkraften muss. Die wirtschaftliche Unabhängigkeit stellt dann sicher, dass das Kartenhaus nicht in sich zusammenfällt.

Diese drei Dinge sind für mich die Grundlagen für eine sichere Zukunft. Alle anderen Punkte sind Geschichten für den Boulevard und erhöhen den Unterhaltungsfaktor des Unternehmens FCB. Ich schlafe ruhig, wenn ich in die Zukunft des FCB blicke. Man darf einfach zwei Fehler nicht machen. Erstens meinen, dass die neue Führung auch die nächsten 7 Jahre Erfolge am Laufband einheimst. Veränderungen in Struktur und Führung brauchen Zeit zu reifen, dazu gehören auch Rückschläge. Zweitens wäre es ungeschickt, darauf zu hoffen, ein einmal erlebtes Gefühl wieder aufleben zu können. Die Zeit mit Thorsten Fink war toll, aber eine Wiederholung diese Zeit und dieses Gefühls ist nicht garantiert. Benthaus war auch nur beim ersten Mal wirklich erfolgreich.





Mitglieder sind die Seele jedes Vereins

15 12 2015

Anlässlich der ausserordentlichen Generalversammlung vom 15. Dezember 2016 beschliesst der Verein FC Basel für seine Mitglieder bedeutenden Statutenänderungen. Da ich leider krankheitsbedingt nicht an der ausserordentliche Generalversammlung teilnehmen kann, veröffentliche ich hier meine nie gehaltene Rede vor den Mitgliedern. Ich denke, dass es Gedanken sind, welche nicht unausgesprochen bleiben sollten, selbst wenn es auf diesem Wege ist.

„Werte Mitglieder, sehr geehrter Vorstand. Wir beschliessen heute Statutenänderungen, welche meines Erachtens von einer Tragweite sind, dass diese nicht einfach vor Weihnachten durchgewunken werden sollten, ohne ein paar Gedanken mit Ihnen zu teilen.

Die Mitglieder, welche in unserem Falle im Verein FC Basel miteinander verbunden sind, sind die Seele eines jeden Vereins. Es steht ausser Frage, dass der Fussballbetrieb erfolgreich und durchaus mit Emotionen behaftet betrieben werden kann, aber ohne Verein, ohne Mitglieder fehlt ihm die Seele. Wir kennen den „seelenlosen“ – nicht zu verwechseln mit emotionslosen – Fussball vom Mutterland England, wo Woche für Woche unter den Augen mehr oder weniger begeisterter Konsumenten, Fussball gespielt wird. Im Grunde sind die Premier League und damit auch die dort vorherrschenden Vereine aber nicht mehr als perfekt organisierte Unternehmen der Unterhaltungsindustrie. Unser FC Basel ist dank und wegen seines Erfolges in den letzten Jahren ebenfalls zu einem solchen Unternehmen herangereift. Ich blende damit nicht die Tatsache aus, dass uns diese Tatsache grosse Erfolge beschert hat. Aber was wir heute beschliessen, bringt uns einen Schritt näher, die Seele des Klubs zu verlieren, sollten nicht entsprechende Gegenmassnahmen eingeleitet werden.

In der Basler Zeitung stand im Vorfeld zu dieser ausserordentlichen Generalversammlung, dass der Verein nicht selbsttragend ist. Das stimmt, allerdings hat der Verein kaum Möglichkeiten Einnahme ausserhalb der Mitgliederbeiträge zu generieren. Seit die Klubs in Aktiengesellschaft organisiert sind, schlagen zum Beispiel die Matcheinnahme auf der Aktivseite dieser Gesellschaften zu Buche. Es stellt sich mir auch grundsätzlich die Frage, ob der Verein selbsttragend sein muss. Die Schweizer Bauern sind es auch nicht und die Entlassung dieser in die freie Marktwirtschaft würde viele Betriebe sterben lassen. Die Eidgenossenschaft hat sich deshalb bewusst entschieden, die Bauern zu subventionieren, da die Landwirtschaft viel dazu beiträgt, was das Landschaftsbild der Schweiz so sehens- und lebenswert macht. Vielfältige Landbewirtschaftung und die Pflege der Felder – auch in abgelegensten Regionen – wäre in einer freien Marktwirtschaft nicht wirtschaftlich und damit auch nicht erstrebenswert. Ähnlich verhält es sich in unserem Falle mit dem Verein. Die Mitglieder bilden die Grundlage des Fussballbetriebes und sind neben Fans und Fussballkonsumenten ein nicht zu unterschätzender Idenfikationsfaktor für alles, was Rotblau ausmacht.

Der Vorstand hat sich nun zum Ziel gesetzt, die Vision „10’000 Mitglieder“ wahr werden zu lassen. Wirtschaftlich sind deshalb die heute zu beschliessenden Statutenänderungen verständlich. Allerdings hat es der Klub nach den Erfolgen im neuen Stadion schon verpasst, Saisonkartenbesitzer zu Mitgliedern zu machen. Indem die Saisonkartenbesitzer, allen voran für die internationale Spiele, dieselbe Vorzugsrechte wie Mitglieder erhalten haben, schwächte man die Position der Mitglieder schon damals. Dabei geht zu weilen vergessen, dass Mitglieder einen Entscheid fürs Leben fällen, während Saisonkartenbesitzer Jahr für Jahr die Rechnung machen, ob sich der Erwerb einer Karte aufgrund der Erfolge und Chancen auf internationaler Ebene auch tatsächlich lohnt. Geblieben sind den Mitgliedern unter anderem die Vergünstigungen sowie das Magazin Rotblau, welches nebenbei gesagt in der heutigen Zeit des digitalen Publishing schon längst attraktiver – zum Beispiel eingebunden mit bewegtem Bild – produziert werden könnte. Dafür würden meines Erachtens auch Nicht-Mitglieder gerne einen zusätzlichen „Batzen“ zahlen. Aber Sie haben in dieser Sache genug Expertise, weshalb ich dies nicht vertiefen möchte.

Nun aber setzen Sie mit den Statutenänderungen ein wichtiges symbolisches Signal. Zum einen schaffen Sie die Vergünstigungen der Mitglieder ab, womit ein weiterer Schritt zur Gleichschaltung zum Saisonkartenbesitzer zementiert wird. Da spielt es auch keine Rolle, dass der Mitgliederbeitrag halbiert wird. Das symbolische Zeichen, welches man damit setzt, ist entscheidend. Fast noch wesentlicher ist für mich zum anderen aber die Abschaffung des Status Freimitglied. Ich selbst werde diesen Status noch erreichen, wenn ich in rund drei Jahren dazu erklärt werde. Dabei geht es für mich persönlich weniger um die Tatsache, dass man als Freimitglied vom Mitgliederbeitrag befreit ist. Es ist die Symbolik einer 25jährigen Vereinstreue  – in guten wie in schlechten Zeiten – welche damit dokumentiert wird. Meine von Peter Epting unterschriebene Aufnahmebestätigung vom 11. Januar 1994 ist für mich ein symbolisches Dokument, welches gerahmt an der Wand hängt. Die Freimitgliedschaft ist eine Auszeichnung und ein Zeichen meiner Verbundenheit zum FCB. Der Tag meiner Aufnahme bleibt in meiner Erinnerung genauso hängen, wie der Tag, an welchem ich zum ersten Mal ein Spiel im Stadion verfolgte – auch wenn es bei mir der Onkel und nicht der Vater war, welcher mich zum verlorenen Cuphalbfinal gegen Servette mitnahm. Nie werde ich den 3:3 Ausgleich von Gerd Strack nach einem 0:3 zu Pause vergessen, selbst wenn das Spiel durch einen Penaltytreffer noch 3:4 verloren ging. Ich bin zur Halbzeit geblieben, genauso wie ich auf immer und ewig Mitglied sein werde.

Die heute vorliegenden Statutenänderungen nehmen uns diese für die Seele, die Vergangenheit und Tradition dieses Vereins wichtige Symbolik. Verstehen Sie mich nicht falsch, auch wenn ich ein Nostalgiker sein mag. Ich verstehe die wirtschaftlichen Zusammenhänge gut und wünsche dem Klub, dass er das Ziel „10’000 Mitglieder“ erreicht. Ich möchte aber nicht als Nummer auf einer für Marketingzwecke attraktiven Mitgliederliste enden. Ich bin kein Fussballkonsument, ich bin Mitglied dieses Vereins und Fan mit Leib und Seele. Ich fordere Sie, liebe Mitglieder des Vorstandes, deshalb auf, auch in Zukunft dafür zu sorgen, dass der Verein und damit die Mitglieder mehr sind als ein Asset im Korb eines perfekt organisierten Unternehmens der Unterhaltungsindustrie. Füllen Sie diesen Verein mit Seele, schaffen Sie neue Angebote mit Symbolcharakter und sorgen Sie dafür, dass Mitglieder des FC Basels sich auch künftig von Saisonkartenbesitzern unterscheiden. Ich bin überzeugt, dass ich nicht der Einzige hier im Saal bin, welcher es Ihnen danken wird, wenn wir auch künftig unsere Mitgliedschaft mit einem gewissen Stolz tragen, weil wir wissen, dass unser Beitrag und unsere Liebe zu diesem Verein respektiert und ernst genommen wird, selbst wenn wir wirtschaftlich nicht selbsttragend sind.

Danke, dass Sie mir zugehört haben.“

P.S. Dieser etwas älterer Eintrag sagt alles, was der FCB für mich ausmacht.





(W)Alter ist nicht das Problem

26 08 2015

Aus der Traum von der Champions-League. Nicht verloren und doch nichts erreicht. Der FCB scheiterte an den aufopfernd kämpfenden aber spielerisch bescheidenen Israelis von Maccabi Tel Aviv. Die Schuldigen für die beiden Unentschieden sind schnell gefunden. Es sind die Innenverteidiger mit den Namen Daniel Hoegh (jung und international unerfahren) sowie Walter Samuel (alt und international sehr erfahren). Die Kritik ist ok, wenn man es nach dem Massstab misst, dass Verteidiger Tore verhindern müssen. Dann müsste man aber auch Stürmer und Mittelfeldspieler nach dem Massstab bemessen, dass sie Tore schiessen und für die Offensive Impulse setzen sollten. Auch das war in beiden Spielen kaum der Fall.

Es liegt nicht an Daniel Hoegh, dass der FCB im Hinspiel nach 15 Minuten nicht schon 2:0 führt und auch nicht an Walter Samuel, dass es dem FCB nicht gelingt, nach Zahavis Ausgleich zu reagieren. Im Gegenteil: Walter Samuel machte als Verteidiger mit seinen genauen und weiten Pässen mehr für die Offensive, als Daniel Hoegh, welcher hier noch in einem Lernprozess steckt.

Ich teile deshalb die Meinung nicht, dass es ein Fehler war, Samuel für Hoegh zu bringen. Wenn ich überhaupt Urs Fischer etwas vorwerfend möchte, dann die Tatsache, dass er in beiden Spielen resp. nach dem Ausscheiden von Janko nicht auf Ajeti setzte. Er ist jung und unerfahren, ok. Aber er ist ein Strafraumspieler und wir haben gesehen, dass Embolo gerade gegen die Israelis eigentlich dann am stärksten war, wenn er über die Flügel kam und dort hätte auch ein unerfahrener Stürmer wie Ajeti in solchen Spielen mal seinen Fuss reingehalten und wir müssten nicht darüber lamentieren, dass wir nun Europa League spielen.

Aber was heisst lamentieren! Es ist lamentieren auf hohem Niveau. Die Europa League hat in den letzten Jahren bewiesen, dass sie fussballerisch manchmal fast spannender ist. Grosse Namen versprechen noch lange keine grossen Spiele. Deshalb mag die Enttäuschung gestern gross gewesen sein, aber schon heute gilt es, in der Europa League für Furore zu sorgen. Ein Final in Basel wäre nicht schlecht und sportlich wertvoller, als ein ehrenvolles Ausscheiden in der Champions League Gruppenphase.

 





FCB Fan chasch nid wärde

19 06 2015

Urs Fischer heisst der neue Trainer des FC Basel. „Guter Entscheid!“ „Fischer, nie eine vo uns“: diese beiden Reaktionen spiegeln in etwa des Spektrums der zig-tausend Basler Fussballvolkexperten wieder. Um es mit den Worten der Fussballromantiker zu sagen: „FCB chasch nid wärde, FCB Fän das muesch sy“. Punkt! Niemand hat davon geredet, dass man als FCB Spieler oder sogar FCB-Trainer geboren wird. Die Ära der Streller, Frei, Huggel und Degens ist vorbei. Sie war einzigartig und wird es auf Jahre auch bleiben. Sind Gonzalez, Gashi, Frei, Vaclik, Elneny, Delgado, Samuel und wie sie alle heissen, „eine vo uns“? Nein. Identifizieren Sie sich mit dem Klub, seiner Geschichte und seiner Philosophie? Ja und das zählt.

Urs Fischer verdient Kredit. Er muss „keiner von uns“ werden, aber er wird mit Leib und Seele die FCB-Philosophie nach Innen und Aussen tragen. Das traue ich ihm zu. Die Chance, dass er nach sechs Jahren der erste FCB-Trainer wird, der keinen Meistertitel holt, ist schon rein statistisch mit einer grossen Wahrscheinlichkeit versehen. Doch das ist zweitrangig. Viel wichtiger ist, dass in der mit den Erfolgen immer grösser gewordenen FCB-Fanschar wieder die Erkenntnis wächst, dass der FCB schlussendlich auch nur ein Klub ist, der 90% seiner täglichen Arbeit in der Schweizer Super League spielt.

Das Wichtigste überhaupt aber ist, dass für Urs Fischer all das, was ich vor einem Jahr über Paulo Sousa geschrieben habe, NICHT gilt.

„Wüsse, wohär me kunnt; schätze was me hett“ hiess es mal auf einer Choreo der Muttenzerkurve. Es wird Zeit, dass man sich dieser Worte wieder erinnert.

 





Rücktritt ist Fortschritt

29 05 2015

Heute ist es soweit. „Dr Keenig vo Basel“ verabschiedet sich von seinem Fussballvolk. Das letzte Spiel, der letzte Gang durch die Senftube. Schluss, Aus. Zwar gibt es noch einen Cupfinal, aber dieses Spiel und diesen Moment müssen wir mit rund 20’000 Wallisern teilen. Heute aber gehört der Abend ganz der FCB-Familie.

Marco Streller tritt von der grossen Fussballbühne ab. Wieso macht einer sowas? Viel zu früh, noch im Saft? Er hat zwar alles mit dem FCB erreicht, was man als Fussballer erträumen kann, aber nie den seinem Können entsprechenden Durchbruch in einer grossen Liga geschafft. Was also bleibt hängen? Fragen über Fragen, welche man sich nur stellt, wenn man im Fussball wie im Berufsleben (Anmerkung der Redaktion: Fussballer ist ein Beruf) nur den einen vertikalen Karriereweg nach oben kennt. Marco Strellers Karriere sollte Vorbild für andere Berufskarrieren sein.

Strebe nicht nach einer von der Gesellschaft (und deinem Umfeld?) erwarteten geradlinigen Karriere. Entwickle dich auch mal horizontal, mach einen Schritt zurück, hör auf deinen Bauch und schlussendlich Spiel dort, wo du dich wohl fühlst. Marco Streller fühlt sich in Basel wohl. Was wichtig ist, spielte sich auf knapp 30 Quadratkilometer ab. Er sah die Welt der grossen Ligen nur bei den Besuchen des FCB und doch hat er mehr erreicht als all die Weltenbummler: Arbeite dort, wo du dich wohl fühlst, hab Spass daran und der Erfolg stellt sich ein.

Marco Streller ist auch als Mensch ein Vorbild. Genau deswegen endet heute zwar eine Karriere als aktiver Fussballer, aber die Ära Streller nimmt heute Abend beim FCB erst gerade ihren Anfang.





Der FCB und die Championsleague

8 05 2015

Gestern war mal wieder Europa-League und die Augen des FCB schielen auf Dnipro Dnipropetrovsk. Sollten die Ukrainer sich gegen Napoli durchsetzen und den Finale gewinnen, dann steigen die Chancen des FCB, sich direkt für die Gruppenphase der Champions-League zu qualifizieren.

Der Sieger der Europa-League kriegt dieses Jahr einen direkten Platz in der Champions-League. Es sei denn, er qualifiziert sich über die heimische Meisterschaft. Die Ukrainer stehen zurzeit auf so einem CL-Platz in der Meisterschaft.

Hoffen wir, dass es so bleibt und kommt. Vieles beim FCB (Kader, Trainer, etc.) wird davon abhängen, ob man wieder direkt Champions-League spielt oder im Sommer durch die Qualifikation muss.





Paulo Sousa, ein Charakterlump?

30 04 2015

Sousa

Der FC Basel steuert ungefährdet auf den sechsten Meistertitel in Serie hin. Trotzdem gibt es auch neben dem Platz viel zu reden. Paulo Sousa, Portugiese und trainertechnisch gesehen ein Nomade, beschäftigt sich bereits nach einem Jahr mit dem Weiterzug seiner Karawane. Es soll nach Italien gehen, so liest man. Im Allgemeinen steht Loyalität heute im normalen Berufsleben nicht mehr zuoberst. Karrieresprünge sind oft nur über Wechsel möglich, wieso soll es also im Fussball anders sein.

Paulo Sousa hat sich nie richtig in Basel eingelebt. Das versprochene Deutsch hat er nie gelernt, wohlwissend, dass sein Ziel ein grosser Klub in Italien oder England ist. Wieso soll er auch bleiben? Nach 6 Titeln in Serie kann er als Trainer nur verlieren. Ausserdem steht in der Championsleague wohl der Gang durch die Qualifikation an. Wenn er kühl rechnet, dann weiss er, dass sein Marktwert nie besser als heute ist.

Beim FCB setzen Sie seit der Ära Gross eh nicht mehr auf langfristig engagierte Trainer. Das System steht über dem Einzelnen und soll deshalb dem heutigen Zeitgeist vorbeugen, damit der Wechsel des Übungsleiters nicht den ganzen Klub durcheinander bringt. Der FCB kann diesen Sommer beweisen, dass er dieses System zur Perfektion beherrscht und Martin Andermatt als Nachfolger von Paulo Sousa präsentieren.