Sternstunde für den Schweizer Fussball

8 12 2011

In den fremden Stadien und in der Nationalmannschaft werden sie bisweilen ausgepfiffen. Gestern aber leisteten sie einen Beitrag zur Wertsteigerung des Schweizer Fussballs. Die Mannschaft des FCB Basel erreichte nach einem 2:1 gegen Manchester United die Achtelfinals der Champions-League.

Der Sieg ist sehr hoch einzustufen. Insgesamt holte Basel gegen ManU 4 Punkte, gegen Benfica einen und gegen Galati 6. Wenn man beachtet, dass der deutsche Meister Borussia Dortmund nicht mal die Europa-League Qualifikation erreichte, sieht man welche hohes Niveau die Champions-League hat.

Der FCB sammelt aber auch kräfitig Punkte, damit auch andere Schweizer Klubs künftig von der guten Schweizer Platzierung in Europa profitieren können. Das grösste Geschenke machte er sich aber selbst. Dank seinen Erfolgen in Europa, war der Meister dieses Jahr direkt für die Gruppenphase der Champions-League qualifiziert. Der FCB wurde Meister und nutzte die Chance! Es ist zu hoffen, dass diese Erfolge bald Nachahmer im Schweizer Fussball finden und nicht die Neider anspornen.





Ist Robert Enke schon vergessen?

9 11 2011

Vor zwei Jahren hat sich Hanover 96 Goalie Robert Enke das Leben genommen. Damals ging ein Aufschrei durch die Sportwelt und auch die renommierten Gazetten in Deutschland lavierten, dass mehr Menschlichkeit und Schwäche im Fussball von Nöte seien. Alles vergessen? Es scheint so, die (Medien-) Zeit ist schnellebig.

Am vergangenen Spieltag verursacht Nürnberg Verteidger Timm Klose einen Penalty in letzter Minute. Nürnberg verlor und Klose weinte anschliessend vor laufenden Kameras. Und nun schreibt die renommierte Süddeutsche Zeitung ausgerechnet in der Woche, wo sich der Todestag Enkes jährt dies:

«Im Männersport Fussball ist das öffentliche Zeigen von Schwäche unüblich. Wo käme man da hin, wenn sich jeder nach einem Fehler grämte? Stärke zeigen ist erste Profipflicht»

Trauer ist ein Massengeschäft und schnell vergessen…





Der Erfolg des FCB ist kein Zufall

27 10 2011

Personalentscheide sind in jedem Unternehmen eine heikle Angelegenheit. Je professioneller aber ein solcher Entscheid über die Bühne geht, desto erfolgreicher wird das Unternehmen danach. Hü und hott ist weder in der Privatwirtschaft noch im Fussballgeschäft normalerweise von nachhaltigem Erfolg geprägt.

Der FC Basel hat in den vergangenen Wochen einmal mehr gezeigt, wieso er der mit Abstand am besten geführteste Klub der Schweiz ist. Der Erfolg gibt im Recht und er kommt nicht von irgendwoher, auch wenn sich sportliche Erfolge grundsätzlich nicht planen lassen. Die Verarbeitung des Theaters um den Abgang von Thorsten Fink und die Einstellung von Heiko Vogel als Cheftrainer zeigen aber, dass in diesem Klub keine Bauchentscheide gefällt werden.

Seit Bernhard Heusler und der nicht zu unterschätzende Georg Heitz (im Hintergrund) die sportlichen und strategischen Geschicke der 1. Mannschaft leiten, wurde eine organisatorische Grundlage geschaffen, auf der sich erfolgreich arbeiten lässt. Und es zeigt vor allem eines: die Mitarbeiter sprich Spieler sind zwar für den Erfolg auf dem Rasen verantwortlich und werden dementsprechend von den Massen verehrt, aber den Grundstein dafür legt das Management. Dieses hat in den letzten zwei Jahren beim FCB dafür gesorgt, dass die Basis dafür geschaffen wurden, damit die Spieler sich auf das Wesentliche, ihre Arbeit, konzentrieren können und erst noch Spass dabei haben.

Wenn ein Unternehmen so professionell geführt ist, dann wirft es bei einem aufkommenden Sturm (Gerüchte um Spielerabwerbungen, etc) nicht gleich die ganze Strategie über den Haufen. Und das ist gut so.





Das Pyroverbot soll’s richten

7 10 2011

Jetzt haben sie also alle die Lösung der Probleme im Schweizer Fussball gefunden. Das Abbrennen von Pyros während Spielen soll zum sofortigen Abbruch führen. So wollen Sie es in Zürich und offenbar auch innerhalb des Konkordates der Polizeidirektoren. Tolle Sache so ein Verbot und Spielabbruch! Bernhard Heusler hat in der heutigen BaZ schon recht: Damit werden künftig Einzelpersonen über den Ausgang eines Spieles oder sogar der Meisterschaft entscheiden können. Die Chaoten können damit vollens die Macht über alle anderen übernehmen. Bei allem Verständnis im Kampf gegen die Gewalt in Schweizer Stadien, dieser Entscheid, sollte er umgesetzt werden, ist nichts anderes als eine Kurzschlussreaktion mit falscher Wirkung. Damit wird ein Fussballspiel vollends zur Lotterie und Gerichtsverfahren à la Constantin werden daneben harmlos aussehen. Aber vielleicht ist es ja das, was die Politiker (im Wahlkampf) wollen. Law and order und den Fussball aufgrund 1% der Fans kaputt machen. Solche Massnahmen stossen bei mir auf dasselbe Unverständnis wie die Fackelwerfer selbst. Man kann nur hoffen, dass auf beiden Seiten bald Vernunft einkehrt und die Medien, welche sich die Ausschreitungen ob der Schlagzeilen ja insgeheim wünschen, endlich sachlich diskutieren anstatt die beiden Seiten gegeneinander aufzuwiegeln.





Die Verwahrlosung der Wohlstandsgesellschaft

3 10 2011

(Bild: blickonline. Fackelwerfer am Zürcher Derby)

Der Schweizer Fussball spiegelt die gesellschaftlichen Entwicklung wider. Deshalb mögen die Ereignisse anlässlich des Zürcher Derby von gestern kaum verwundern. Trotzdem: die Grenze ist längst überschritten und auch der letzte vernünftige Bürger wird nun alle „Fans“ in denselben Topf werfen. Die Fankultur wird darunter leiden, die Radikalisierung zunehmen und der Sport ist der Verlierer. Die jahrelangen Bemühungen der Klubs werden mit einem Tag zunichte gemacht. Wer im öffentlichen Raum fast unbehelligt Krawalle machen kann, muss auch in Schweizer Stadien kaum Repressalien fürchten.

Wenn das so weitergeht, wird es das Ritual, dass der Vater den Sohn oder die Tochter in die Fankultur seines Klubs einführt nicht mehr geben. Wer geht mit seinen Kindern schon an ein Spiel, bei dem er damit rechnen muss, verletzt zu werden. Das Stadion könnte zur „No-Go Area“ verkommen. Hoffen wir, dass Einsicht vorher einkehrt. Doch die Hoffnung ist klein…





Herr Grimm und der FC Sion

30 09 2011

Thomas Grimm, scheidender Liga-Boss, äussert heute, dass Sion alle Spiele forfait verlieren wird, in denen die nicht spielberechtigten Spieler eingesetzt wurden. Pech für den FCB, beim 3:3 im Joggeli sassen diese Spieler auf der Tribüne… Aber darum geht es jetzt nicht. Sehen wir mal davon ab , dass damit eine bereits laufenden Saison verfälscht würde. Worin besteht denn das eigentlich Problem, ausser, dass beide Seiten „Recht“ haben.

Meines Erachtens wird bei den Wirren um den FC Sion eines, zumindest vordergründig, immer ausser Acht gelassen. Der FC Sion nimmt am Meisterschaftsbetrieb der Super League teil. Das ist eine private Organisation, es besteht weder eine Pflicht noch ein Grundrecht dazu. Also muss und soll er sich an die Entscheide der sportlichen Gerichte halten. Durch seine Teilnahme an der Meisterschaft hat er sich bereit erklärt, dessen Statuten und Reglemente zu achten. Wenn davon geredet wird, dass CC ein Winkelried ist und manche ihn sogar bewundern (was man ja angesichts seiner Hartnäckigkeit verstehen kann) geht ein Gedanke verloren. Der FC Sion spielt FREIWILLIG in der Super League!

Man sollte staatliche Gerichte anrufen können, wenn in der privatwirtschaftlichen Beziehung zwischen Liga und Verein Misstände bestehen. Diese aber dürfen und sollen den Spielbetrieb nicht zur Farce werden lassen, sie können aber dazu führen, dass die Liga z.B. Schadenersatzpflichtig würde, falls die Spieler zu Unrecht nicht eingesetzt werden konnten. Dass Sie aber nicht eingesetzt werden dürfen, ist Sache eines Sportgerichtes und dessen Urteil ist zu akzeptieren. Es steht jedem frei, eine eigene Liga aufzubauen….

So, jetzt wäre das auch mal gesagt!





Flasche leer

27 09 2011

Manchmal bleibt einem ob all der Arbeit und Verpflichtungen einfach kaum mehr Zeit respektive, man will diese sinnvoll nutzen. Deshalb ist dieser Blog zurzeit auch nicht so aktiv:-) Macht ja nichts, es gibt für alle genug Ablenkung anderswo und irgendwann, gibt es auch wieder Sinnvolles mitzuteilen. Bis alsbald also…





Christian Heeb will bei Radio Basel aussteigen

7 09 2011

Es war ein ambitiöses Projekt, welches der ehemalige Radiopionier Christian Heeb vor zwei Jahren mit Radio Basel über den Äther liess. Er wollte nicht weniger als die Radiolandschaft revolutionieren und seinem ehemaligen Mitstreiter Roger Schawinski nacheifern. Ein Radio mit Inhalt, journalistisch herausragend, die Nummer 1 in der Nordwestschweiz und Konkurrenten wie SWR oder Radio DRS hinter sich lassen.  Radio- und Zeitungsjournalisten wurden zum neuen Sender geködert, um dem inhaltlichen Anspruch gerecht zu werden. Allein die Zahlen, sowohl wirtschaftlich als auch punkto Hörerschaft, wollten sich nicht in die angepeilten Sphären entwickeln. Radio mit Inhalt ist anspruchsvoll. Es braucht gute und „teure“ Redaktoren und man muss sich gerade als Privatradiostation auch einen journalistischen Respekt respektive eine Reputation bei der Hörerschaft erarbeiten. Ausserdem braucht es Geld – viel Geld (Roger Schawinski kann davon ein Lied singen). Soweit man sich bei Radio Basel auch anstrengte, an die journalistische Reputation eines gebührenfinanzierten Regionaljournals kam man nicht heran.

Nun will (oder muss?) Christian Heeb seine Anteile an seinen Mitgründer abgeben. Wohin der Weg führt scheint klar. Radio Basel wird wohl zu dem, was Privatradios am besten können. Unterhaltung, schnelle und kurze
Informationen und immer nah am Puls der Hörerschaft sein. So sind den Abstriche in der Redaktion zwecks Kostenoptimierung vorprogrammiert, damit das Radio wieder zu einem für die lokale und regionale Werbekundschaft attraktivem Begleitmedium wird. Einmal mehr steht der gebeutelten aber nicht totzukriegenden Frequenz 101,7 nach Raurach, Edelweiss, Basel 1 und Radio Basel eine Neuorientierung ins Haus. Das Medium Lokalradio ist und war dann erfolgreich, wenn man sich bewusst ist, was es ist: Kein zweites Radio DRS, aber eine regional verankerte Alternative mit guter Musik, eloquenten Moderatoren und einem Newsteppich à la 20 Minuten.





Der FCB hat die Sättigungsgrenze erreicht

21 08 2011

Es ist ein bisschen wie bei Roger Federer. Der Nimbus des Unbesiegbaren ist beim FCB verschwunden. Die Gegner erfreuen sich am Sieg gegen die Mannschaft mit grossem Namen, Angst oder Respekt haben sie aber nicht mehr. Zurückblickend wird man sagen, dass der Niedergang mit einem der grössten Erfolge in der Klubgeschichte begonnen hat: der direkten Qualifikation für die Champions-League Gruppenphase.

Noch ist es nicht zu spät, allerdings sollte man jetzt den Tatsachen ins Auge schauen und sich nicht mit dem Fink-Floskeln „Wir haben schon grössere Rückstände aufgeholt“ über Wasser halten. Der FCB muss jetzt und heute mit der Planung der Zukunft beginnen. Dies heisst auch, ein bis drei Jahre auf Titel zu verzichten, dafür aber wieder eine hungrige und kämpferische Mannschaft auf die Beine zu stellen. Die Leute dazu hat der FCB: Xhaka, Fabian Frei, Cabral, Sommer, Dragovic, Voser, Shaquiri (denn mit der Leistung wird er mit einem Wechsel ins Ausland zum zweiten Philipp Degen) können die Basis für den FCB 2013 sein. So weitermachen wie bisher und auf das Prinzip Hoffnung setzen klappt nicht, denn rückblickend betrachtet hat man die Meisterschaft 2011 mit einer Mannschaft geholt, die bereits über ihren Verhältnissen lebte. Diese Tatsache hat dem einen oder anderen wohl den Blick für die Realität vernebelt.

Bernhard Heusler und seine Truppe werden hoffentlich die Kraft haben, durch’s Tal der Tränen zu marschieren. Es wird Zuschauer kosten, aber eine Massae von gegen 12’000 kann ein FCB immer mobilisieren („Erfolg isch nit alles im Läbe, au wenn’s schlächt goot sinn mir mit drby…..“).





Ein Hoch auf den Schweizer Fussball

5 08 2011

Nicht erst seit dem Gewinn der U-17 Weltmeisterschaft und dem engagierten Auftritt der U-21 an den Europameisterschaften weiss man in Europa, dass im Schweizer Nachwuchs gut gearbeitet wurde. Leider verliessen die Talente die Schweiz aber oft, bevor Sie auch nur eine Minute in der hiesigen Super League spielten. Diesen Sommer aber – so scheint es – trägt die gute Arbeit im Schweizer Fussball erst Früchte. Mit dem FCB, Sion, YB und Thun sind vier Schweizer Mannschaften im europäischen Fussball dabei, wenn auch die grossen Nationen in den Wettbewerb eingreifen. Früher hätte ein Schweizer Fussballklub gegen einen Serie A Verein, auch wenn es Palermo war, das Nachsehen gehabt. Heute aber treten Schweizer Mannschaften wie Thun mit einem anderen Verständnis an und werden auch von den Gegner respektiert. Deshalb ist auch die Leistung des FCZ gegen Standard Lüttich – trotz Baisse in der Meisterschaft – hoch anzurechnen.

Bayern, Braga, Celtic Glasgow und Stoke City sind keine Leichtgewichtet. Überraschungen sind unter den heutigen Voraussetzungen aber immer möglich.

Freuen wir uns auf weitere Erfolge und Punktegewinne der Schweizer Klubs. Dies wird uns in den nächsten Jahren weitere Europacupplätze bringen oder aber die mühsame Qualifikation durch östliche Fussballprovinzen ersparen. Davon wird auch die hiesige Liga profitieren, da das Erreichen von Platzierungen für die europäische Wettbewerbe umso attraktiver wird. Der Kampf um diese Plätze wird unseren Fussball wettbewerbsfähiger und kompetitiver machen und vielleicht auch dazu führen, dass das eine oder andere Talent etwas länger in der Schweiz bleibt, bis es dem Lockruf des Auslands folgt.