Streller hat die Seuche

10 04 2009

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(Der FCB Strum auf der Bank: Der eine sollte, der andere muss dort sitzen.)

Christian Gross hält unvermindert an seinem einzigen Stürmer Marco Streller fest. Eren Derdiyok, der im Sommer nach Leverkusen soll, schmorrt weiterhin auf der Bank. So auch gestern gegen Xamax Neuenburg. Aber auch gestern hat Marco Streller kein Tor gemacht: und genau das wäre die Aufgabe eines Stürmers. Ein Kopfball an den Pfosten und eine 100-%-ige Chance vergeigt, das die magere Ausbeute. Was der Arlesheimer auch anpackt, es gelingt ihm nichts.

Nun, mangelender Einsatz ist ihm nicht vorzuwerfen. Bei jedem Auskick von Costanzo, bei jeden langen Pass in die Spitze, versucht er seinen Mitspieler via Kopf zu lancieren. Hinzu kommt, dass die Schiedsrichter dieses Landes jedesmal, wenn ein Gegenspieler neben Streller umfällt, auf Stürmerfoul entscheiden. Trotzdem: es sei nochmals gesagt, Stürmer müssen Tore machen. Erst recht, wenn man nur einen aufbietet.

Wie soll es also weitergehen? Riskiert Christian Gross mit dem Festhalten an der Personalie Streller noch die Meisterschaft und damit seinen Kopf. Wird Streller je wieder seine Form finden? Die Kurve steht hinter ihm, das zeigen auch die Sprechchöre im gestrigen Spiel. Der Rest des Zuschauer und vor allem der Bahndamm aber pfeiffen ihn aus, wenn er wie gestern jeden Ball Richtung Tor verstolpert.

Die Fragen bleiben unbeantwortet. Schon am Donnerstag geht es im Cup weiter gegen YB. Schiesst Streller den FCB in den Final, dann ist er der Held. Trifft er bis Saisonende nicht mehr und der FCB verspielt seine Titel, dann muss sich nicht nur Streller seinen Gedanken machen. Der Klub ist dann gefordert, muss dringend Stürmer verpflichten und sich vorwerfen lassen, dass man Eren Derdiyok wegen Gross Starrsinn ein halbe Jahr auf der Bank versauern liess.





Wieso?

5 04 2009

Wieso lässt der FCB immer gegen die „Kleinen“ Punkte liegen? Wieso bringen die FCB-Spieler gegen die „Kleinen“ immer nur halbe Leistungen und kassieren den vollen Lohn? Wieso gelingt dem FCZ immer in der 90. Minute der Siegestreffer? Wieso reden die FCB-Spieler eine schlechte Leistung immer schön? Wieso kehrt YB selbst verloren geglaubte Spiele noch um? Wieso machen Vaduz, Luzern, Bellinzona & Co gegen den FCB das Spiel des Jahres und gegen den FCZ bringen sie kein Bein vors andere? Wieso ist der FCB trotz schlechten Leistungen im Meisterrennen immer noch dabei? Wieso muss der FCB jede Saison gegen YB beginnen? Wieso hat Laperriere im Spiel gegen Bellinzona keinen Penalty nach dem Foul an Ergic gepfiffen? Wieso hat Laperriere das 1:0 des FCB wegen eines nicht-existierenden Fouls an Bellinzona Goalie Zotta aberkannt? Wieso wird immer nur beim FCZ über schlechte Schiedsrichter diskutiert? Wieso freut sich der „Blick“ immer über Niederlagen des FCB? Wieso gibt der FCZ nicht zu, dass er mindestens soviel Geld wie der FCB zur Verfügung hat, er versteckt es einfach besser? Wieso soll der FCB nach diesen schlechten Leistungen diese Saison überhaupt Meister werden?

Wieso eigentlich nicht?





Was ist aus den FCB-Transfers geworden?

16 03 2009

Der FC Basel hat in den letzten Jahren viele junge Spieler ausgebildet, sie zum Teil viel zu früh verloren und dabei rund 37.6 Millionen CHF an Transfererlösen eingestrichen. Für den FCB zumindest finanziell unter dem Strich ein gutes Geschäft. Wie aber sieht es mit den fussballerischen Karrieren der Spieler aus. Wo stehen sie heute?

 

Daniel Majstorovic, AEK Athen (Transfersumme ca. 3.8 Mio. CHF)

AEK Athen spielt dieses Jahr kaum um den Titel mit. Majstorovic ist aber Stammspieler und hat immerhin schon ein Tor geschossen. Damit ist er nicht ganz so torhungrig wie er das in der Schweiz war, aber sportlich scheint sich der Wechsel gelohnt zu haben.

Zukunft: AEK wird sportlich ein schöner Abschluss werden, bevor er sich wahrscheinlich dann in Schweden zurückzieht

 

Matthias Delgado, Besiktas Istanbul (Transfersumme ca. 7.5 Mio. CHF)

Der Argentinier hat sich im anspruchsvollen Umfeld der türkischen Liga durchgesetzt. Er ist meist Stammspieler und hat in der aktuellen Saison schon 7 Tore geschossen. Sein Team Besiktas spielt dieses Jahr um den Titel in der „Super League“.

Zukunft: vielversprechend

 

Zdravko Kuzmanovic, AC Fiorentina (Transfersumme ca. 4.5 Mio. CHF)

Nach durchzogener erster Saison hat sich Kuzmanovic zum Stammspieler gemausert. Die italienische Presse lobt den jungen Mittelfeldspieler. Fiorentina spielt oben mit und ermöglicht ihm trotzdem weiter an sich zu arbeiten.

Zukunft: vielsprechend

 

Ivan Rakitic, Schalke 04 (Transfersumme ca. 6 Mio. CHF)

Der „Möhlner“ spülte Millionen in die Vereinskasse und hinterliess beim FCB im Mittelfeld ein Riesenloch. Er hatte es von Anfang an schwer. Sah man im jungen Rakitic doch bereits den Nachfolger für den Brasilianer Lincoln: ein schweres Erbe. Zu Beginn lief es nicht schlecht. Doch Schalke ist eine „Fussballwundertüte“ und heute stehen die Knappen wieder einmal vor einem Neuanfang. Die BILD-Zeitung (vom 16.3.2009) geht nicht unzimperlich mit ihm um: „4-Mio-Missverständnis Ivan Rakitic (21/Vertrag bis 2011) trägt die Rücken-Nummer 10 nur spazieren.“.

Zukunft: ungewiss.

 

Mladen Petric, Borussia Dortmund/Hamburger SV (Transfersumme ca. 5 Mio. CHF)

Petric hat alles richtig gemacht. Er wechselte erst spät ins Ausland. Dortmund war für in Angewöhnungszeit. Beim Hamburger SV ist er nicht mehr wegzudenken und spielt um einen Titel in einer der grössten europäischen Ligen.

Zukunft: vielversprechend.

 

Felipe Caicedo, Manchester City (Transfersummer ca. 10.8 Mio. CHF)

Finanziell der Hammer, da sich englische Klubs wirklich alles leisten können- Sein Leistungsausweis bei City ist durchzogen, was aber auch an der immensen Konkurrenz liegt. In der Meisterschaft kam er bisher auf 11 Einsätze, wovon er viermal in der Stammformation stand. Immerhin hat er bisher zweimal ins Schwarze getroffen.

Zukunft: aufgrund der grossen Konkurrenz im Sturm ungewiss.





Wann kommt Alex Frei?

6 03 2009

Es wird Zeit, dass die Verantwortlichen des FCB mal Alex Frei anrufen. Der Stürmer versauert in Dortmund (siehe BILD-Zeitung). Wenn der FCB wieder zu einem torgefährlichen Zweimannsturm zurückkehren will, dann wäre die Kombination Streller/Frei sicherlich nicht das Schlechteste.

Der grosse Streller und der quirrlige und mit Goalinstinkt versehene Frei würden endlich wieder für Gefahr sorgen.

Ich bin sicher, dass Frei nach Rennes und Dortmund die Welt gesehen hat und sich nicht mehr bei einem anderen internationalen Klub abmühen will. Die Zeit für den FCB wäre reif und auch Ottmar Hitzfeld hätte sicher seine Freude!





Nachgetreten: Die Durchhalteparolen

16 02 2009

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(Bild: flickr.com)

Glauben Sie mir, nichts liegt mir ferner, als dem FCB Miss-Erfolg zu wünschen. Ich gehöre nämlich in die Kategorie „Ja, eine FCB-Niederlage kann mir die Stimmung versauen“ und manchmal sogar ein Unentschieden wie gestern gegen die Grasshoppers. Was mich allerdings noch wütender macht, sind die ständigen Durchhalteparolen. Ja, ich weiss, dass Leben als Fussballprofi ist nicht einfach und nach dem Spiel eine gescheite Analyse zu machen, ist noch weit schwerer.

Aber langsam glaube ich, dass die Aussagen auch von der eigenen Leistung ablenken sollen. Beispiele gefällig.

„Diese Niederlage ist nicht so schlimm, wir haben ja noch 17 Spiele vor uns“. – Reto Zanni nach der 2:3 Niederlage gegen die Berner Young Boys am 7. Februar 2008.

„Jetzt müssen wir gegen GC und den FCZ gewinnen“. – Marco Streller nach der 2:3 Niederlage gegen die Berner Young Boys am 7. Februar 2008.

Wir können es immer noch aus eigener Kraft schaffen, Meister zu werden.“ – Marco Streller, nachdem der FCZ gegen GC am 8. Februar 2009 nur ein 2:2 erreichte.

„Jetzt müssen wir gegen den FCZ gewinnen. Ohne Wenn und Aber. – Marco Streller nach dem 0:0 gegen die Grasshoppers.

„Wir müssen auch das positive sehen, wir haben kein Tor erhalten.“ – Benjamin Huggel nach dem 0:0 gegen die Grasshoppers.

Nun, Durchalteparolen können was Gutes sein. Sie können dem Fan das Vertrauen in die Mannschaft vermitteln. Zum Bummerang werden diese nur, wenn die Spieler beginnen zu glauben, was sie erzählen. Dann nämlich liegt der Verdacht nahe, dass sie den Ernst der Lage nicht wirklich erkannt haben. Noch ist es aber nicht soweit und wir können immer noch auf das nächste Spiel gegen den FCZ hoffen.

Wenn die Spieler dann anschliessend nur nicht zu Protokoll geben: “ Meister wird, wer am Ende oben steht und noch ist rechnerisch alles möglich.“ Eine weitere sehr beliebte Durchhalteparole, um eigentlich nichts anders zu sagen wie: Es ist alles verloren, wir haben es vergeigt!





Fällt denen nichts Neues ein

7 02 2009

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(Bild: fraub.ch)

Heute fängt die Schweizer Fussballmeisterschaft wieder an. Noch nie empfand ich den Start in eine neue Saison so uninspiriert. Gähn! Zum gefühlten 250-igsten Male beginnt eine Meisterschaftshälfte mit dem Spiel YB-FCB. Ehrlich: das ist Langeweile pur und wohl nur die Herren beim Schweizerischen Fussballverband finden das toll. Ich als Fan finde das einfach nur langweilig.

Es ist nur zu hoffen, dass die Langeweile heute abend irgendwann beim Spiel vergeht, damit man sich wieder auf Fussball konzentrieren kann. Bis zu jenem Zeitpunkt, an welchem der Fussballverband wieder mal mit einer Super-Idee den natürlichen Laufe der Meisterschaft beeinflusst. Zum Beispiel mit einem Cup-Final am Tag der UEFA-Cup Finals….





Der FCZ gefällt sich in der Rolle des Underdog

1 02 2009

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(So sieht sich der FCZ am liebsten: als Underdog.)

Der FCZ hat in den letzten drei Jahren dem FCB zweimal die Butter vom Brot genommen. Er führt die Meisterschaft auch jetzt, knapp eine Woche vor Rückrundenstart, mit vier Punkte Vorsprung an. Doch was macht den „Z“ so stark und wieso scheiterte der FCB in den letzten Jahren am Rivalen aus der Limmatstadt?

Keine Frage: der FCZ spielt konsequent die Rolle des Underdog. Fredy Bickel lässt keine Gelegenheit aus, den Medien vorzubeten, dass sein Klub mindestens 20 Mio. CHF weniger zur Verfügung hat, als der FCB. Wer’s glaubt wir seelig! Der FCZ hat sicher mehr als 20 Mio. CHF zur Verfügung, während die Zahlen des FCB konstant überbetont werden. Ganz nebenbei ist der FCB in Sachen Finanzen der transparenteste Klub schweizweit.

Aber zurück zum Underdog-Komplex. Auf was die FCZ-Oberen anspielen ist ganz einfach. Je länger sie sich kleinreden, desto mehr steht der FCB und sein mittlerweile klarer Anspruch nach der Krone unter Druck. Die Zürcher Medien tragen das ihrige dazu bei und schon kann der „Z“ aus der Rolle des „Kleinen“ heraus befreit aufspielen. Dies zeigt sich insbesondere in den Spielen gegen vermeintlich kleine Klubs. Die sehen im Spiel gegen den FCB das „Spiel des Jahres“, in welchem man nochmals 150 Prozent auspackt, während Partien gegen den FCZ nicht denselben Reiz haben.

Aber man kann es drehen und wenden wie man will. Der FCZ mag schlussendlich nicht ganz die finanziellen Möglichkeiten eines FCB haben, aber er gehört zu den Reichen und Grossen. Solange diese Rolle aber dem FCB zukommt, solange steht er doppelt unter Druck. Dies zeigt sich auch auf dem Transfermarkt, wo ein Spieler gleich mal ein wenig teurer wird, wenn er mit dem FCB in Verhandlungen steht, als wie wenn der FCZ an ihm interessiert ist.

Vielleicht sollte Christian Gross und der FCB den Spiess einfach mal umdrehen und ebenfalls in die psychologische Trickkiste greifen: Schickt den Zürcher zum Saisonstart doch eine Glückwunschkarte: Herzlichen Glückwunsch zur Meisterschaft 2009! Das wäre mal was, das würde die Jungs vom Kreis 4 unter Druck setzen. Aber eben, dazu ist der FCB und sein ganzes Umfeld viel zu ehrgeizig. Nun, dann muss er es halt wiedermal auf dem Feld probieren und einfach auf Durchzug schalten, wenn die Chefs des FCZ sich wieder mal als Underdog sehen.





Folgt jetzt die grosse Zäsur?

27 11 2008

Die Köpfe in den Chefetagen des FC Basels rauchen spätestens seit gestern. Katerstimmung zu St. Jakob. Zum zweiten Mal im Rahmen der Champions-League Spiele fängt der FCB eine 0:5 Klatsche ein. Autsch! Europa und die Schweiz machen sich lustig über den Verein vom Rheinknie, während der zypriotische Meister Famagusta für Furore sorgt. Was ist schief gelaufen?

Nun, die Antwort ist ganz einfach: die Teilnahme für die Champions-League kam zu früh. Natürlich will jeder Spieler gewinnen und die Ambitionen beim Klub und den verwöhnten Sponsoren sind hoch. Trotzdem: mit dieser neue, jungen und vor allem unerfahrenen Mannschaft wäre eine Reise durch den Uefa-Cup besser gewesen. Nun stellt sich die Frage, wie weiter? Kein Wunder will Eren Derdiyok jetzt bereits im Winter nach Leverkusen. Er hat doch keine Lust, bis im Sommer noch um den Schweizermeistertitel zu spielen, selbst wenn es für lange Zeit der letzte Titel ist, den er in den nächsten Jahren holen sollte. Kein Wunder ist das Umfeld jetzt enttäuscht und kein Wunder fragen sich jene, welche Jahr für Jahr um ein Millionenbudget besorgt sind, ob das der richtige Weg ist.

Es ist schon frustrierend, wenn man national Massstäbe setzt aber international anerkennen muss, dass selbst ein Klub wie Shaktar Donezk für einen Spieler fast soviel Geld ausgibt, wie dem FCB als Klub im Jahr zur Verfügung stehen. Die Kluft zwischen dem FCB und den Vereinen, die Jahr für Jahr am grossen Topf der Champions-League laben ist in etwa so gross, wie zwischen einem Smart und einem Aston Martin. Beides sind Autos, beide bringen einem von A nach B, aber der Aston ist und bleibt eine Klasse besser.

Ist der Gross der Mann für die Zukunft?

Im Mittelpunkt der Gedanken um die Zukunft steht eine Name: Christian Gross. Er prägt den Verein seit fast zehn Jahren wie kein anderer und kommt mit seinen Erfolgen schon fast an die Ära Benthaus heran und das notabene in einer Zeit, in welcher der Fussball athletischer und die Unterschiede zwischen den Klubs kleiner geworden sind. Seine Visitenkarte ist voll mit Titeln und Spielern, denen er den Sprung in die europäischen Ligen und in die Nationalmannschaften verschiedenster Länder ermöglichte (Streller, Huggel, Ergic, Kuzmanovic, Rakitic, Petric, Derdiyok, Atouba, Gimenez, Rossi, Delgado, etc.). Der FCB war von 2002 bis heute eigentlich eine Durchgangsstation für Fussballer auf dem Weg nach oben. Und trotzdem eilte Gross mit seiner Mannschaft von Erfolg zu Erfolg. Der Mann weiss also was er macht. Wäre da nicht eine Frau namens Gigi Oeri. Auch sie weiss was sie macht und auch sie hat sich ihre Sporen im Geschäft Männerfussball abverdient. Sie ist es aber letztendlich, welche mit dem Vorstand und Christian Gross über Weihnachten entscheiden muss, wohin die Wege von Christian Gross und dem FC Basel in Zukunft führen.

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Müsste man heute ein Nachfolger für Christian Gross suchen, dann stünde nur ein Name auf dem Zettel: Marcel Koller. Nur er kann wirklich in die Fusstapfen eines Christian Gross treten und nur er hätte das Charisma, die Erfahrung und die Kenntnisse um den Schweizer Fussball, welche es braucht, um den FC Basel weiterhin erfolgreich Fussball spielen zu lassen.





Warum beim Poker um Eren Derdiyok alle profitieren

18 11 2008

Die Geschichte wiederholt sich im Schweizer Fussball jedes Jahr. Ein junger Spieler mit zwei bis drei guten Spielen fühlt sich plötzlich im Schweizer Fussball nicht mehr wohl. Der Aufstieg und das schnelle Geld lockt und die Berater sind zur Stelle, um diese Unzufriedenheit gegenüber den Klubs zu vertreten. Ergebnis: der Spieler wechselt für viel Geld ins Ausland und sitzt dort erstmal auf der Bank. Doch im Fall Eren Derdiyok ist alles ein wenig anders.

SOCCER-EUROPE/SWITZERLAND

Neben dem Platz ist Eren ein ruhiger, fast scheuer Mensch. Noch immer wohnt er zuhause bei den Eltern an der Hammerstrasse. Sein gegenüber anderen Jungs in seinem Alter guter Lohn ist dem 20jährigen noch nicht in den Kopf gestiegen. Dem ganz grossen Geld widerstand er bisher und machte seinen Weg in der Schweiz. Im Gegensatz zu den anderen FCB-Youngstern Ivan Rakitic und Zdravko Kuzmanovic steht bei Eren Derdiyok (zumindest in der Öffentlichkeit) auch kein Vater hinter ihm, welcher die Zukunft seines Sohnes bis ins letzte Detail plant. Man hat das Gefühl, dass es bei der Familie Derdiyok um den Sport und nicht um Gewinnmaximierung geht.

Dafür spricht der nun angekündigte Wechsel nach Leverkusen. Ein Klub, der seriös geführt wird, der auf junge Spieler setzt und mit Pirmin Schwegler und Tranquillo Barnetta bereits Erfahrung mit Schweizern hat. Ein weiteres Plus: hier spricht man deutsch und trotz der aktuellen Erfolge der Werkself ist Leverkusen ein überschaubares Pflaster. Ideal für die Weiterentwicklung einer Perle wie Eren Derdiyok. In diesem Sinne eine perfekte Wahl für den Youngster. Es scheint tatsächlich, dass die sportliche Perspektive über dem Geld steht.

Trotzdem: ohne Geld geht es natürlich nicht. Der FC Basel wird sein Stürmertalent nicht für ein Butterbrot in die Bundesliga ziehen lassen. Die ganz grossen Beträge kann und will Leverkusen nicht zahlen. Doch aus Sicht des FCBs sollten mehr als die knapp 4,5 Mio. CHF, welche man für Kuzmanovic kassierte, drin sein. Leverkusen hat Zeit. Denn in einenhalb Jahren läuft der Vertrag aus und dann wäre der Stürmer gratis. Doch auch der FCB steht nicht unter Druck. Das Geld braucht er eigentlich nicht und wenn Eren weiterhin so gut spielt, dann werden entweder andere Klubs auf ihn aufmerksam, die mehr zahlen oder aber der FCB holt sich das Geld mit den Erfolgen, welche er dank Eren’s Toren hat, wieder rein.

In diesem Sinne ist die Konstellation ideal, ein Geschäft abzuschliessen, mit welchem am Schluss alle Leben können. Wer ausserdem Gigi Oeri und Christian Gross kennt, der weiss, dass beide im Falle Derdiyok nachsichtiger sein werden, als bei andern. Denn wie gesagt: der Fall Eren Derdiyok ist anders als andere, weil die sportliche Perspektive scheinbar über dem Geld steht.

Als Basler Fan bleibt uns meines Erachtens noch Zeit bis zum Sommer. Dann können wir Eren auf dem Balkon des Stadtcasino gebührend verabschieden und Stolz darüber sein, dass ein weiterer Basler in der Welt des grossen Fussballs für Furore sorgen wird. Und bei einem bin ich mir bei Eren Derdiyok auch sicher. Er wird nie vergessen, woher er kommt und sein rotblaues Herz wird ihn auf seinem Weg begleiten.





Mutloser SFV mit unverständlichem Urteil

5 11 2008

Der YB-Fackelwurf im Joggeli bleibt für die Verantwortlichen ungestraft (siehe bazonline).

„Hesch ghört“ hat schon darüber berichtet (siehe Blogeintrag). 50’000 CHF Busse für YB, 12’000 CHF Busse für den FC Basel lautet das lahme Urteil der Berner Fussballhüter. Bestraft werden die Klubs und die Verantwortlichen Kriminellen bleiben ungestraft. „Es war kein gezielter Wurf in den „Familien-Sektor“, so die Begründung aus Bern“. Der Junge, dessen Jacke fast zu brennen anfing, wird es wohl egal gewesen sein, ob gezielt oder nicht. Mit solchen Urteilen wird das Problem nicht bekämpft.

Ich sage es noch einmal. Pyro ist im Stadion verboten – Punkt. Ausserdem schmeisst man mit dem Zeugs nicht um sich. Ob gezielt oder nicht spielt keine Rolle. Man nimmt damit die Gefährdung Dritter in Kauf! Deshalb hätte der SFV Stadionsperren aussprechen sollen. Die Fans hätten draussen bleiben müssen und die vielgelobte Selbstregulierung der Kurve hätte dann vielleicht dafür gesorgt, dass die besagten Fackelwerfer das nächste mal den Kopf einschalten, bevor sie eine solche Lebengefährdende Tat begehen.

Aber eben: der SFV ist mutlos und die alten Herren werden weiterhin sicher hinter dem Glas ihrer VIP-Plätze die Spiele geniessen. Sorry, aber da geht mir ganz kurz mein sonst ruhiges Temperament durch!!