Die Argumentation im Bobadilla Transfer

3 01 2013

Raul Bobadilla wird wohl bald beim FCB stürmen. So vermeldet es heute die Basler Zeitung. Ich mache keine Hehl daraus, dass ich diesen Transfer nicht lautstark beklatsche. Bobadilla hat sich bei seinen letzten Stationen im Ausland und auch bei YB nicht immer als „pflegeleicht“ erwiesen, wenn es nicht gerade nach seinem Gusto lief. Unbestritten sind seine fussballerischen Qualitäten, welche ihn nicht nur in der Super League zu einem gefürchteten und abschlussstarken Stürmer machen. Explosiv ist aber auch Dynamit und genau deswegen wird es selten in der Nähe von Feuer gelagert….

Bobadilla hat nämlich das Potential nicht nur im Strafraum für Unruhe zu sorgen. Seine bisweilen vorkommenden Ausraster können auch mal einer ganzen Mannschaft schaden. Beim FCB ist man derzeit der Ansicht, dass die Mannschaft auf dem Platz „zu brav“ ist. Ausserdem – und das scheint mit zumindest in den Medien – argumentiert man damit, dass Murat Yakin wisse, wie man Raul Bobadillas ungezähmte Energie in die richtigen Bahnen leite. Er hat dies schon einmal bewiesen. Vor bald sechs Jahren bei einem Verein, welcher im Volksmund auch als „Congeli“ bezeichnet wird. Soweit so gut. Aber wir wissen nicht erst seit Rolf Dobelli, dass wir nicht auf Denkfehler hereinfallen sollten. Zumindest sollten wir Entscheidungen hinterfragen. Obwohl ich die Situation von vor sechs Jahren nur aus den Medien kenne, dürften die Vorzeichen damals anders gewesen sein. Bobadilla spielte bei einem (damaligen Nati B) Verein. Er kam aus Argentinien und brauchte als 19jähriger eine Vorbildfigur, welche ihm den Weg nach Fussballeuropa ebnete. Ein solche „Vaterrolle“ nahm Murat Yakin damals wohl ein. Wir wissen alle, dass es mit Bobadillas Weg nach Europa nicht klappte. Bei Gladbach setzte er sich nach drei Jahren nicht durch, wurde kurz nach Griechenland ausgeliehen und landetet wieder in der Schweiz.

Bobadilla ist erst 25 Jahre alt. Es ist davon auszugehen, dass er mit dem Gang nach Fussballeuropa noch nicht abgeschlossen hat. Auch Christian Gimenez wechselte erst mit 31 Jahren ins Ausland (und dies, wie FCB Fans wissen, eher im Hauruckstil). Nun ist es aus Sicht von Bobadilla durchaus verständlich, dass er zurück zu seiner „Vaterfigur“ der ersten Stunde auf europäischem Boden möchte – zu Murat Yakin. Dies um wieder zu seiner alten Stärke zurückzufinden. Es kann durchaus sein, dass Bobadilla in den ersten Monaten seine Stärken auf dem Platz zeigt und dem FCB viel Freude bereiten wird. Aber je erfolgreicher Murat Yakin mit der Integrationsarbeit ist und je erfolgreicher Bobadilla spielen wird, desto schneller kommt die Zeit, in welcherBobadilla denkt, den erneuten Sprung ins Ausland wagen zu können. Und wehe die Verantwortlichen des FCB wollen dann nicht wie Bobadilla. Er mag ein guter Fussballer sein, aber seine Art kann er nicht leugnen. Es wartet eine Herkulesaufgabe auf den Trainer, den Staff und die ganze Mannschaft. Denn die Mannschaft und ihr Zusammenhalt werden gefordert sein, sollte es mal nicht so laufen wie Bobadilla will.





Danke YB!

7 12 2012

Die Berner Young Boys haben in jüngerer Zeit mehr für den Schweizer Fussball getan als der FC Zürich. Wieso? Der FCZ konnte zwar in den 2000er Jahren die Dominanz des FC Basel einige Male brechen und den Schweizer Meistertitel erringen. International hat die Equipe aber nie wirklich Stricke zerrissen. Die Berner Young Boys träumen zwar immer noch von einem Titelgewinn in jüngerer Zeit und werden im Frühjahr auch international nicht mehr dabei sein. Ihre Punkte, welche sie dank Siegen gegen Udinese und die Retortenmannschaft aus Machatschkala errungen haben, sind für den UEFA-Koeffizient der Schweiz goldwert. Bereits jetzt ist sicher, dass die Swiss Football League wie im kommenden Jahr auch 2014 mit fünf Teams im Europacup vertreten sein wird, darunter zwei, die um die Teilnahme an der Champions-League spielen. Nicht schlecht für eine Liga mit gerade mal 10 Teams! YB hat für diese Leistung meinen Respekt!

Sollte der FCB  in der K.o.-Runde im nächsten Frühjahr mindestens ein Remis erreichen, kommt es aber noch besser. Dann würde die Schweiz auf Platz 13 vorrücken und der Schweizer Meister wäre 2014 höchstwahrscheinlich wieder einmal direkt für die Champions-League-Gruppenphase qualifiziert.





Alex Frei hört auf

16 11 2012

Es gibt nicht viel zu sagen. Chapeau. Frei wie er leibt und lebt. Er blieb sich in seiner unbeschreiblichen Karriere immer treu. Wenn du an die Spitze willst, musst du dir Feinde (oder Neider) machen. Dangge Alex. Das letzte Spiel gegen St. Gallen wird seinen Platz in der FCB Geschichte erhalten.





Politiker und Sport – eine Liebe bröckelt

2 11 2012

Früher galt, wer gewählt werden will, muss an Sportveranstaltungen auftreten, Hände schütteln und Pokale übergeben. Heute sind die Sportfans selbst zum Politikum geworden. Die politischen Parteien des Landes stehen praktisch geschlossen hinter der Idee des Kombitickets. Diese Idee verlangt, dass nur jener Fan (Fussball- und Eishockeyspiele) einen Zutritt zum Gästesektor erhalten soll, der auch gleichzeitig ein Ticket für den Extrazug gelöst hat. Diese Extrazüge sollen dann auch gleich noch von den Vereinen selbst gechartert werden. Im Sport soll es also nicht anders sein, als im richtigen Leben. Wegen des zu verurteilenden Verhaltens weniger, wird eine grosse Masse abgestraft und die Fankultur in Frage gestellt.

Was aus der Sicht der Parlamentsstuben toll aussieht, wird in der Realität nicht funktionieren respektive die Fankultur in den Stadien verändern. Wieso?

Dazu muss man erstmal die Bedeutung des Gästesektors verstehen. Dies ist der Platz jener Gästefans, welche ihren Klub – egal wie dieser resultatmässig gerade dasteht – unterstützen. Diese Fans bilden den Grundstock jedes Vereins. Sie sorgen für die Stimmung, welche das Spiel auf dem Rasen nicht zu einer bloss technischen Angelegenheit um Punkte, sondern zum Erlebnis machen. Sie bringen die Ambiance in ein Stadion, welche die anderen Fans mitziehen lässt und dafür sorgt, dass ein Spiel auch zuhause am TV zum Erlebnis wird und dem Mythos jedes Vereins ausmachen. Wer schon mal in der Curva Nord der Resega, der Südkurve im Letzi oder in der Muttenzerkurve im Joggeli gestanden hat, weiss wovon ich spreche. Hier werden Fans geboren, hierhin möchte jedes Kind, dass nach dem ersten Matchbesuch seines Vereins an der Hand des Vaters vom Virus gepackt wurde, einmal stehen. Nirgends ist die Liebe und die Verbundenheit zu seinem Klub grösser. Das innere Feuer, welches in diesen Kurven entfacht wird, nimmtman  später auch mit, wenn man angesichts seines gesetzten Alters an anderen Orten im Stadion Platz nimmt. Die Kurven sind auch der Grund, wieso diese Fans ihre Mannschaft an den Auswärtsspielen im Gästesektor unterstützen möchten. Wenn dieser leer bleibt, wie bereits einige Male bei Duellen zwischen dem FCZ und dem FCB, dann verkommt ein Fussballspiel zu einer trostlosen Angelegenheit. Das schadet dem Sport, mindert die Einsatzbereitschaft der Spieler (bewusst oder unbewusst) und macht das Spiel schlussendlich langfristig auch für den normalen Fan weniger attraktiv.

Das Kombiticket mag die Sachbeschädigungen und Gewalt am Rande der Fussballspiele sowie die Zerstörung der Extrazüge vielleicht ein wenig reduzieren. Aber was erhalten wir dafür im Gegenzug?

In der kleinräumigen Schweiz stammt längst nicht jeder Fan eines Klubs aus der Stadt seines Klubs. Bei Auswärtsspielen muss er entweder den Umweg über den Hauptbahnhof seines Klubs machen (was Mehraufwand bedeutet und grotestk anmutet) oder er verzichtet auf den Besuch des Spiels oder den Eintrit in den Gästesektor. Zudem besteht die Gefahr, dass Fussball- und Eishockeyspiele künftig unter Ausschluss der Gästefans stattfinden, weil diese das Kombiticket einfach ablehnen. Das dies nicht nur der Stimmung in den Stadien schadet, sondern zu finanzielle Einbussen für viele Heimklubs führt, liegt auf der Hand. Gerade in der Schweiz sind aber die Zuschauereinnahmen ein wesentlicher Teil eines Vereinsbudgets. Zudem könnte diese Idee kurzfristig zu einer Zerstreuung der Gästefans auf andere Sektoren führen, was der Sicherheit in den Stadien genausowenig dienlich ist wie der Stimmung. Soll dies dann durch Polizeigewalt verhindert werden, wären wir in der Frage der Gewalt im Sport keinen Schritt weiter!

Es ist zu hoffen, dass die Politik diese Thema entpolemisiert und vernünftige, in der Realität umsetzbare, Lösungen findet, welche die Interessen der Fankultur und der Sicherheit unter einen Hut bringen. Dabei soll auch an die Vernunft aller Parteien (und hier sind nicht die politischen gemeint) appelliert werden. Der Sport hat keine Lobby, Fankurven schon gar nicht, weshalb sich auch jene Fans wehren sollten, welche nie einen Gästesektor besuchen. Wehret den Anfgängen, bevor die Emotionen – wie in vielen amerikanischen Sportstadien – nur noch aus den Lautsprechern kommen und die Stadionorgel die verbliebenen Matchbesucher zu einem rhythmischen Klatschen animiert.





iPhone 5

21 09 2012

Den Titel muss man fast wählen, will man aktuell im Web gefunden werden. Ich hab mir angesichts des Hype um das „dünner, leichter, besser“ Smartphone heute morgen aber gefragt. Wer kauft das iPhone 5 und was passiert mit iPhone 1 bis 4? Ich bin bei weitem kein Konsumkritiker, aber die Frag dürfte angesichts des immer kürzere Produkte- und Lebenszyklus eines solchen Samrtphones angebracht sein. Das Zweit- und Dritthandy ist bald Standard. Wird sich der „Gebrauchthandymarkt“ zu einer eigenständigen Industrie entwicklen? Wann ist der Sättigungsgrad erreicht (siehe auch diesen Artikel)? Oder wird das Handy in ein paar Jahren zum Wegwerfartikel?

Genug der Fragen. Design sells undolange wie Leute wie ich potentielle Käufer bleiben (Besitzer eines 4jähriges BlackBerry) wid die Welt auch vor dem iPhone 6 nicht sicher bleiben.





Rücktritt: Franco Costanzo hängt die Goaliehandschuhe an den Nagel

8 06 2012

Twitterer Patrick Künzle hat es heute als erster gemeldet. Laut ESPN Lateinamerika ist ex-FCB Goalie Franco Costanzo zurückgetreten. Seinen Vertrag in Griechenland hat er schon länger aufgelöst und um die Weihnachtszeit traf man ihn mit Kinderwagen auch in Basel an. Seine Frau ist gar nicht erst mit nach Griechenland gekommen, sondern in Basel geblieben. Nun ist das Karriereende definitiv. Mit 31 Jahren; eigentlich kein Goaliealter.

Franco Costanzo war aber schon immer nicht nur ein ausserewöhnlicher Goalie, sondern auch ein sensibler Mensch. Fussball ist nicht alles und in dem Sinne gilt auch unser Abschiedsgruss von letztem Sommer noch immer. Jetzt ist er einfach definitiver.





Hesch ghört feiert

7 05 2012

Vier Jahre sind im Internetzeitalter eine Ewigkeit. Solange gibt es diesen Blog schon. Auch wenn ich vor allem aus der Welt des Sports berichte, ist der Topartikel aus einer anderen Welt. The (not so perfect) 10 car garage Teil 2 ist mit über 19’200 Aufrufen die Nummer 1 der vergangenen vier Jahren.

Trotz allem thematisiere ich auch mal eine Sport-Trouvaille, bevor ganz Europa hinter ihr her ist. Die Rede ist von Granit Xhaka. Es bleibt der Ansporn, auch künftig interessantes herauszupicken. Ganz nach dem Motto: Hesch ghört?





Es ist nur Fussball

14 03 2012

Da war es wieder. Das Gefühl, dass es am Schluss halt doch in die Hosen geht. Und wie. Trotzdem. Die jungen Wilden beim FC Basel haben uns in dieser Champions-League Saison träumen lassen. Ihr Mut, ihr Selbstvertrauen und ihre Abgeklärtheit während der gesamten Kampagne waren beeindruckend. Sie haben immer daran geglaubt, jeden Gegner schlagen zu können und mit ihnen haben auch wir von Spiel zu Spiel mehr daran geglaubt.  Doch wir müssen uns nicht grämen. „Wir sind kein Verein, der an Realitätsverlust leidet“, sagte Alex Frei vor dem Spiel in München. Genau so sollte man die Leistung auch einordnen. Die Champions-League ist für Schweizer Spieler wie Ferien. Geniessen und Freude haben! „Arbeit“ ist die Schweizer Liga. Titel und Erfolge, welche eine Teilnahme an diesen wunderbaren „Ferien“ erst ermöglichen, werden in der Super League erarbeitet. Deshalb: Abhacken, weitermachen!

Es gibt wichtigeres als Fusssball. Sogar die Parteiversammlung der Grünen Basel-Stadt hatte gestern Abend einen vollen Saal, ein Irrer hat mit dem Auto in Basel eine Person getötet und viele verletzt. Eine Stadt steht unter Schock, titeln die Zeitungen heute. Grund ist nicht das Ausscheiden des FCB. Fussball ist „nur“ die schönste Nebensache der Welt.





Wenn Millionengehälter nicht dasselbe sind

3 02 2012

Rafael Nadal soll ein Steueroptimierer sein. So what? Anscheinend gelten für die Millionengehälter von Sportlern andere Kriterien in der Öffentlichkeit wie für Manager. Wieso eigentlich? Sind der Öffentlichkeit die „Freude“, welche diese Sportler uns bescheren wichtiger, als die Arbeitsplätze, welche (auch) Manager mit ihren Unternehmen schaffen? Wie auch immer. Ein Gedanke bezüglich der Relationen sollte man trotzdem darüber verschwenden, bevor man jemanden, ob Sportler oder Manager, unüberlegt an den Pranger stellt. Wir sind alle menschlich.

Gerade auch bei der Aussage von Nadal zum Thema „Geld sparen“.

Im letzten Herbst kündigte Nadal an, in Zukunft nicht mehr das Wimbledon-Vorbereitungsturnier im Queens-Club zu bestreiten. «Wenn ich in Grossbritannien spiele, verliere ich wegen der Steuergesetze viel Geld», begründete der 2-fache Wimbledon-Champion seinen Verzicht. Stattdessen wird Nadal künftig in Halle aufschlagen.





Keine Weihnacht im Martigny

23 12 2011

Alle feiern Weihnachten im Kreise der Familie und freuen sich auf ein paar geruhsame Tage. Alle? Nein, nicht alle: Da ist ein Mann im Unterwallis, welcher die Tage im Kreise seiner Anwälte verbringt. Was holt er als nächstes aus seinem Sack? Wir sind gespannt und hoffen auf ein Sportjahr, in welchem die Resultate auf dem Platz und nicht in der Gerichten erzielt werden…