Folgt jetzt die grosse Zäsur?

27 11 2008

Die Köpfe in den Chefetagen des FC Basels rauchen spätestens seit gestern. Katerstimmung zu St. Jakob. Zum zweiten Mal im Rahmen der Champions-League Spiele fängt der FCB eine 0:5 Klatsche ein. Autsch! Europa und die Schweiz machen sich lustig über den Verein vom Rheinknie, während der zypriotische Meister Famagusta für Furore sorgt. Was ist schief gelaufen?

Nun, die Antwort ist ganz einfach: die Teilnahme für die Champions-League kam zu früh. Natürlich will jeder Spieler gewinnen und die Ambitionen beim Klub und den verwöhnten Sponsoren sind hoch. Trotzdem: mit dieser neue, jungen und vor allem unerfahrenen Mannschaft wäre eine Reise durch den Uefa-Cup besser gewesen. Nun stellt sich die Frage, wie weiter? Kein Wunder will Eren Derdiyok jetzt bereits im Winter nach Leverkusen. Er hat doch keine Lust, bis im Sommer noch um den Schweizermeistertitel zu spielen, selbst wenn es für lange Zeit der letzte Titel ist, den er in den nächsten Jahren holen sollte. Kein Wunder ist das Umfeld jetzt enttäuscht und kein Wunder fragen sich jene, welche Jahr für Jahr um ein Millionenbudget besorgt sind, ob das der richtige Weg ist.

Es ist schon frustrierend, wenn man national Massstäbe setzt aber international anerkennen muss, dass selbst ein Klub wie Shaktar Donezk für einen Spieler fast soviel Geld ausgibt, wie dem FCB als Klub im Jahr zur Verfügung stehen. Die Kluft zwischen dem FCB und den Vereinen, die Jahr für Jahr am grossen Topf der Champions-League laben ist in etwa so gross, wie zwischen einem Smart und einem Aston Martin. Beides sind Autos, beide bringen einem von A nach B, aber der Aston ist und bleibt eine Klasse besser.

Ist der Gross der Mann für die Zukunft?

Im Mittelpunkt der Gedanken um die Zukunft steht eine Name: Christian Gross. Er prägt den Verein seit fast zehn Jahren wie kein anderer und kommt mit seinen Erfolgen schon fast an die Ära Benthaus heran und das notabene in einer Zeit, in welcher der Fussball athletischer und die Unterschiede zwischen den Klubs kleiner geworden sind. Seine Visitenkarte ist voll mit Titeln und Spielern, denen er den Sprung in die europäischen Ligen und in die Nationalmannschaften verschiedenster Länder ermöglichte (Streller, Huggel, Ergic, Kuzmanovic, Rakitic, Petric, Derdiyok, Atouba, Gimenez, Rossi, Delgado, etc.). Der FCB war von 2002 bis heute eigentlich eine Durchgangsstation für Fussballer auf dem Weg nach oben. Und trotzdem eilte Gross mit seiner Mannschaft von Erfolg zu Erfolg. Der Mann weiss also was er macht. Wäre da nicht eine Frau namens Gigi Oeri. Auch sie weiss was sie macht und auch sie hat sich ihre Sporen im Geschäft Männerfussball abverdient. Sie ist es aber letztendlich, welche mit dem Vorstand und Christian Gross über Weihnachten entscheiden muss, wohin die Wege von Christian Gross und dem FC Basel in Zukunft führen.

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Müsste man heute ein Nachfolger für Christian Gross suchen, dann stünde nur ein Name auf dem Zettel: Marcel Koller. Nur er kann wirklich in die Fusstapfen eines Christian Gross treten und nur er hätte das Charisma, die Erfahrung und die Kenntnisse um den Schweizer Fussball, welche es braucht, um den FC Basel weiterhin erfolgreich Fussball spielen zu lassen.





Warum beim Poker um Eren Derdiyok alle profitieren

18 11 2008

Die Geschichte wiederholt sich im Schweizer Fussball jedes Jahr. Ein junger Spieler mit zwei bis drei guten Spielen fühlt sich plötzlich im Schweizer Fussball nicht mehr wohl. Der Aufstieg und das schnelle Geld lockt und die Berater sind zur Stelle, um diese Unzufriedenheit gegenüber den Klubs zu vertreten. Ergebnis: der Spieler wechselt für viel Geld ins Ausland und sitzt dort erstmal auf der Bank. Doch im Fall Eren Derdiyok ist alles ein wenig anders.

SOCCER-EUROPE/SWITZERLAND

Neben dem Platz ist Eren ein ruhiger, fast scheuer Mensch. Noch immer wohnt er zuhause bei den Eltern an der Hammerstrasse. Sein gegenüber anderen Jungs in seinem Alter guter Lohn ist dem 20jährigen noch nicht in den Kopf gestiegen. Dem ganz grossen Geld widerstand er bisher und machte seinen Weg in der Schweiz. Im Gegensatz zu den anderen FCB-Youngstern Ivan Rakitic und Zdravko Kuzmanovic steht bei Eren Derdiyok (zumindest in der Öffentlichkeit) auch kein Vater hinter ihm, welcher die Zukunft seines Sohnes bis ins letzte Detail plant. Man hat das Gefühl, dass es bei der Familie Derdiyok um den Sport und nicht um Gewinnmaximierung geht.

Dafür spricht der nun angekündigte Wechsel nach Leverkusen. Ein Klub, der seriös geführt wird, der auf junge Spieler setzt und mit Pirmin Schwegler und Tranquillo Barnetta bereits Erfahrung mit Schweizern hat. Ein weiteres Plus: hier spricht man deutsch und trotz der aktuellen Erfolge der Werkself ist Leverkusen ein überschaubares Pflaster. Ideal für die Weiterentwicklung einer Perle wie Eren Derdiyok. In diesem Sinne eine perfekte Wahl für den Youngster. Es scheint tatsächlich, dass die sportliche Perspektive über dem Geld steht.

Trotzdem: ohne Geld geht es natürlich nicht. Der FC Basel wird sein Stürmertalent nicht für ein Butterbrot in die Bundesliga ziehen lassen. Die ganz grossen Beträge kann und will Leverkusen nicht zahlen. Doch aus Sicht des FCBs sollten mehr als die knapp 4,5 Mio. CHF, welche man für Kuzmanovic kassierte, drin sein. Leverkusen hat Zeit. Denn in einenhalb Jahren läuft der Vertrag aus und dann wäre der Stürmer gratis. Doch auch der FCB steht nicht unter Druck. Das Geld braucht er eigentlich nicht und wenn Eren weiterhin so gut spielt, dann werden entweder andere Klubs auf ihn aufmerksam, die mehr zahlen oder aber der FCB holt sich das Geld mit den Erfolgen, welche er dank Eren’s Toren hat, wieder rein.

In diesem Sinne ist die Konstellation ideal, ein Geschäft abzuschliessen, mit welchem am Schluss alle Leben können. Wer ausserdem Gigi Oeri und Christian Gross kennt, der weiss, dass beide im Falle Derdiyok nachsichtiger sein werden, als bei andern. Denn wie gesagt: der Fall Eren Derdiyok ist anders als andere, weil die sportliche Perspektive scheinbar über dem Geld steht.

Als Basler Fan bleibt uns meines Erachtens noch Zeit bis zum Sommer. Dann können wir Eren auf dem Balkon des Stadtcasino gebührend verabschieden und Stolz darüber sein, dass ein weiterer Basler in der Welt des grossen Fussballs für Furore sorgen wird. Und bei einem bin ich mir bei Eren Derdiyok auch sicher. Er wird nie vergessen, woher er kommt und sein rotblaues Herz wird ihn auf seinem Weg begleiten.





Mutloser SFV mit unverständlichem Urteil

5 11 2008

Der YB-Fackelwurf im Joggeli bleibt für die Verantwortlichen ungestraft (siehe bazonline).

„Hesch ghört“ hat schon darüber berichtet (siehe Blogeintrag). 50’000 CHF Busse für YB, 12’000 CHF Busse für den FC Basel lautet das lahme Urteil der Berner Fussballhüter. Bestraft werden die Klubs und die Verantwortlichen Kriminellen bleiben ungestraft. „Es war kein gezielter Wurf in den „Familien-Sektor“, so die Begründung aus Bern“. Der Junge, dessen Jacke fast zu brennen anfing, wird es wohl egal gewesen sein, ob gezielt oder nicht. Mit solchen Urteilen wird das Problem nicht bekämpft.

Ich sage es noch einmal. Pyro ist im Stadion verboten – Punkt. Ausserdem schmeisst man mit dem Zeugs nicht um sich. Ob gezielt oder nicht spielt keine Rolle. Man nimmt damit die Gefährdung Dritter in Kauf! Deshalb hätte der SFV Stadionsperren aussprechen sollen. Die Fans hätten draussen bleiben müssen und die vielgelobte Selbstregulierung der Kurve hätte dann vielleicht dafür gesorgt, dass die besagten Fackelwerfer das nächste mal den Kopf einschalten, bevor sie eine solche Lebengefährdende Tat begehen.

Aber eben: der SFV ist mutlos und die alten Herren werden weiterhin sicher hinter dem Glas ihrer VIP-Plätze die Spiele geniessen. Sorry, aber da geht mir ganz kurz mein sonst ruhiges Temperament durch!!





Der Präsident als Popstar

5 11 2008

Votes Reax

Der Bradley-Effekt spielte nicht – der „Fluch“ ist gebannt, scheint man geneigt zu sagen. Der nächste US-Präsident heisst Barack Obama. Was zurzeit in den USA und an vielen Orten der Welt abgeht, erinnert einer Euphorie wie bei Popstars: „Obama-Mania“ in Anlehnung an die „Beatles-Mania“. Über die gesamte Bevölkerung gesehen, war es dann aber doch ein knapper Entscheid. 51% sind für Obama gewesen, bei den Wahlmännern war der Entscheid klarer.

Euphorie ist aktuell durchaus angebracht. Aber bald wird die Realität wieder aus ihrem Loch hervorkriechen und dann wird es für den neuen Präsident schwer, egal ob er nun Obama oder McCain geheissen hätte. Genau wie bei Bush muss man anerkennen, dass die Hälfte des Landes für einen anderen gestimmt hat.

Es besteht aber die Hoffnung, dass Barack Obama aufgrund seines Charisma seine Amtszeit nutzen kann, dieses Verhältnis zu seinen Gunsten zu drehen. Es liegt an ihm, seinen noch zu bestimmenden Ministern und dem Verlauf der weiteren Etnwicklung der globalen Wirtschaft zu beweisen, dass er mehr ist, als ein Popstar. Wir wünschen es ihm und Amerika.





Gratulation John Mc Cain!

1 11 2008

John Mc Cain ist der neue Präsident der Vereinigten Staaten. Was, das glauben Sie nicht? Barack Obama hat die Welt begeistert und die Umfragen dominiert. Trotzdem, der Bradley Effekt hängt wie ein Damokles Schwert über diesen Wahlen. Umfragen sagen nichts und kein Amerikaner würde zugeben, dass er Barack Obama nicht wählen wird, weil er schwarz ist. Das wäre nicht anders gewesen, wenn Hillary Clinton anstelle von Obama gegen John Mc Cain angetreten wäre.

Die Demokraten haben schon von Anfang an einen Fehler gemacht. Denn Amerika ist noch nicht bereit, eine Frau oder einen Schwarzen zum Präsidenten zu wählen. Ich weiss, das ist diskriminierend, aber es ist so. Wir werden ab dem 4. November wohl oder übel mit einem alten Kriegsveteranen vorlieb nehmen müssen. Die Börse wird jubeln und die Kurse für ein paar Tage nach oben klettern. Es ist nur zu hoffen, dass Mc Cain vier Jahre durchhält, denn wenn Sarah Palin nachrücken würde, dann hätten wir einen weiblichen George W. Bush im Weissen Haus: das ist zwar lustig, wenn Sie Komiker sind, aber ein weiterer Dämpfer für die internationale Politik.

Noch gibt es einen Schimmer Hoffnung, dass der Bradley-Effekt nicht spielt. Obama muss die siegesgewissen Wählerinnen und Wähler mobilisieren. Er braucht jede Stimme. Es wird spannend, das steht ausser Diskussion. Falls der Bradley Effekt doch spielt, informieren Sie sich hier mal, dann können Sie ab dem 5. November mitreden.





Bush wird uns fehlen

30 10 2008

Am 4. November wählt Amerika einen neuen Präsidenten. Eines steht jetzt schon fest, ob Mc Cain oder Obama. Keiner der beiden wird uns so zum Lachen bringen wie Goerge W.

Late Night Talker und Komiker werden ihn genauso vermissen wie all jene, die der Politik trotz allem eine witzige Note abringen können. Es gibt unzählige Fehltritte in seiner achtjährigen Laufbahn. Hier die besten 10 (völlig unrepräsentativ).





Hesch ghört goes international!

22 10 2008

(Beni Huggel an der Fassade des künftigen Nike-Store in Basel.)

Heute abend steigt (zumindest aus Basler Sicht) der Champions-League Knüller gegen den FC Barcelona. Nun ist „hesch ghört“ kein FCB-spezifischer Blog noch ist er in Englisch. Trotzdem hat ein Barcelona Fan (Ramzi) meine FCB-Geschichte im Netz gefunden und mich bezüglich des heutigen Matches befragt.

Die Vorschau könnt ihr im „Barcelona-Blog“ nachlesen. Viel Spass!





Der besoffene Hochspringer

16 10 2008

Auf vielseitigem Wunsch weniger veröffentliche ich hier das Video von Ivan Ukhov. Es handelt sich dabei um den Olympioniken der an der Athletissima in Lausanne zuviel Wodka Red Bull intus hatte und deshalb kaum mehr in der Lage war, seinen Sport auch nur anhähernd professionell zu betreiben.





Web 2.0 Werbung ad absurdum

16 10 2008

Alex Frei wurde beim Penalty im WM-Qualifikationsspiel gegen Griechenland mit einem Laserpointer gestört. Was für eine Frechheit, denkt sich da der geneigte Schweizer Fussballfan. Zum Glück hat Frei den Penalty trotz den Ablenkungsversuchen sicher verwertet. Nun, eigentlich wollen wir diese Unart auf Schweizer Fussballplätzen nicht weiter fördern. Kommt hinzu, dass die Sache auch gefährlich sein kann, wenn so ein Laserpointer tatsächlich auf die Augen gerichtet werden sollte. Die neuen Art der Web 2.0 Werbung wie Google-Anzeigen führen eine solche Meldung aber ad absurdum. So gesehen auf der Website von BaZ-Online.

http://www.bazonline.ch/sport/fussball/Frei-beim-Penalty-laserscharf/story/13189031

Wie funktionieren Google-Anzeigen? Ähnlich einer Suchmaschine werden die wichtigsten Worte herausgefiltert und mit Werbeangeboten im Internet verglichen und dann sogleich als Suchergebnis aufgeschaltet. So kommt es also, dass jeder der die Meldung liest, sofort auf Website verwiesen wird, auf denen man Laserpointer kaufen kann. Seid also gewarnt ihr Penaltyschützen der Super-League. Dank Google-Anzeigen müsst ihr euch bald schon Sonnenbrillen zulegen. (Anmerkung 7.11.08: Mittlerweilen haben die Anzeigen geändert und es wird keine Webrung für Laserpointer mehr gemacht!)





Der Wahnsinn an den Aktienmärkten

11 10 2008

(Alles schon mal da gewesen. Der „schwarze Freitag“ am 25.10.1929)

Eines gleich vorne weg. Ich bin kein Finanzspezialist. Ich kenn mich weder mit den theoretischen noch den psychologischen Mechanismen des Kaptialmarktes wirklich aus. Ja, eigentlich habe ich nie verstanden, dass Analysten von den Unternehmen immer höhere Gewinne und schnelleren Wachstum verlangen, da wir doch alle wissen, dass dies einmal endlich ist. Mit anderen Worten, man kann nur wieder etwas Neues aufbauen, wenn man Altes abgebrochen hat. Und so ist es doch irgendwie auch mit dem Aktienmärkten, der Weg nach oben ist endlich. Ohne den Absturz, gäbe es die Börse gar nicht.

Da ich kaum Aktien habe, nehme ich die Sache locker. Und ich glaube, das ist auch gut so. Panik ist fehl am Platz. Wer jetzt auf die Bank rennt und sein Geld unters Kopfkissen steckt, der handelt vorschnell. Natürlich sehen einige Pensionäre ihr Felle davon schwimmen. Hat man sein Vermögen in Schweizer Blue-Chips investiert, dann hat sich dieses in drei Wochen nahezug halbiert. Trotzdem: ich denke nichtstun ist für „Otto-Normalverbraucher“ zurzeit das Beste.

Sehen wir die Sache doch mal realistisch. Noch ist der SMI nicht auf dem Stand von 2003. Noch ist keine Bank oder Versicherung in der Schweiz pleite gegangen (unnötige Hysterie kann das ändern) und noch werden keine Leute in Massen entlassen. Es sollte aber auch jedem klar sein, dass die Zeiten härter werden. Anfang Jahr war es der hohe Ölpreis, welcher alles verteuerte, jetzt ist es die drohende Rezession, welche unsere Geldreserven schrumpfen lässt.

Vielleicht ist das aber alles auch gut so. Wir lernen endlich wieder mal das Einfache zu schätzen und nicht jeden Luxus für selbstverständlich zu nehmen. Eine Gesellschaft in der jeder meint, sich alles leisten zu müssen (meist auf Kredit) hat langfristig keine Zukunft. Früher hatten die Leute weniger und waren auch nicht unglücklicher.