Sport ist und war immer politisch

16 10 2014

BlackPower

Drohne, Serbien, Albanien, Europaqualifikation, Spielabbruch. Mehr muss ich nicht sagen, jeder weiss, um was es geht. Was niemand weiss, ist die Frage, wie es weitergehen soll. Auch am Tag 2 nach dem Spiel.

Der Sport wird von den Sportverbänden oft als völkerverbindend bezeichnet. Unpolitisch sei er, haben wir auch bei den letzten olympischen Spielen in Sotschi gehört. Dem ist nicht so. Sport ist seit jeher äusserst politisch. Es kommt – zum guten Glück – einfach äusserst selten zu solch gravierenden Vorkommnissen wie am 14. Oktober in Belgrad. Ein paar Beispiele gefällig?

  • Tommy Lee und John Carlos bei dem Olympischen Spielen 1968 in Mexiko (Protest gegen Rassenhass mit gestreckter Faust bei der Siegerehrung).
  • Boykott der Olympischen Spiele in Moskau 1980 u.a. von den USA und Deutschland, da Russland Afghanistan besetzte.
  • Gegenboykott von Russland und weitere Oststaaten an den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles.
  • Das Ausrollen des „Stop it Chirac“ Transparent der Schweizer Nati beim EM-Qualifikationsspiel gegen Schweden 1995 (Protest gegen Atombombentest)
  • und und und.

Es geht hier nicht um Vollständigkeit, sondern darum zu zeigen, dass Sportverbände noch so scheinheilig tun können, der Sport ist politisch und wird von der Politik immer wieder instrumentalisiert. Machthaber sonnen sich darin, dass die ganze Welt auf ein Grossereignis in ihrem Land schaut, der Medaillenspiegel an Grossereignisse wird zur Machtdemonstration (was nebenbei in gewissen Ländern dazu führt, dass Sportler nur für solche Grossanlässe „herangezüchtet“ werden) und gerade in Mannschaftssportarten gilt der Sieg gegen einen politischen Gegner oft mehr als die daraus resultierenden Punkte.

Aber was soll man tun. Spiele zwischen solchen Nationen wie Serbien und Albanien verbieten, obwohl der Prozentsatz an solchen, welche nicht nur mit Worten, sondern auch Fäusten zuschlagen, wohl nicht sehr viel höher ist, als wenn Deutschland und Polen gegeneinander spielen. Verbote und Sanktionen sind Massnahmen, um zu zeigen, dass man handelt und das Geschehene nicht gutheisst. Das Grundproblem löst man aber nicht.

Es würde schon helfen, wenn wir uns alle ehrlich zugestehen, dass der Sport ein Abbild der Gesellschaft ist und diese nicht apolitisch ist. Es wird Sanktionen gegen Serbien und Albanien geben, man wird darüber sprechen, dass der Sport ein Opfer ist und instrumentalisiert wurde. Aber es wird nicht der letzte Vorfall sein und bleiben.





Valentin allein in Berlin

4 09 2014

Unbenannt

Valentin Stocker war beim FCB eine feste Grösse. Nun ist er in der Bundesliga und muss unten durch. Ein Millionentransfer garantiert keinen Stammplatz. Fehlentscheid? Zu schwach für die Bundesliga? Mitnichten! Valentin Stocker lernt gerade ein neues Umfeld kennen. Er muss sich beweisen, jeden Tag zeigen, dass er in die Stammelf will und dorthin gehört. Wie das ist, kann er sich bei einem kurzen Telefonanruf nach Basel kurz bestätigen lassen. Heute ist es beim FCB unter Paulo Sousa nicht anders. Seine Zeit wird kommen. Geduld ist gefragt. Situationen wie die aktuelle bringen einen Spieler weiter. Das zeigt das Beispiel Granit Xhaka bei Borussia Mönchengladbach. Im Fussball geht es schnell. Ein Spieler ist gesperrt, verletzt und dann erhält man eine Chance, die man nutzen muss. Der einzige Unterschied in der Bundesliga ist der, dass man, wird man eingesetzt, wenig Eingewöhnungszeit erhält. Man muss sich sofort beweisen. Deswegen kämpft man dort nicht nur an den Wochenende sondern jeden Tag um einen Stammplatz. Valentin Stocker weiss das und wenn er Geduld an den Tag legt, wird er auch bei Hertha Berlin zur festen Grösse. Bestimmt.





Sait der Babbe zu sim Sohn

6 08 2014

SAIT DR BABBE ZU SIM SOHN
HÜT KUNNSCH MIT INS STADION
D MAMME WO AN DER TÜRE STOHT
WEISS DAS JETZT EN GSCHICHT AFOHT

So lautet die erste Zeile eines der beliebtesten Fanlieder von FCB-Captain Marco Streller. Er hat es selbst gesungen, damals in der Kurve. Lang ist es her. Was wir heute online lesen, ist nun der Hammer. Zu den Gleichnamigen soll Streller nämlich wechseln. Die „Hammers“ aus West Ham vom East End Londons.  Führt er seinen Sohn künftig in de Upton Park bzw. bei seinem Vertrag (3 Jahre) ab 2016 ins Olympiastadion von London? Noch vor wenigen Tagen sagte FCB-Sportchef Georg Heitz, dass die Transfers abgeschlossen seien. Wenn noch jemand den Verein verlassen sollte, dann einer, mit dem man nicht rechnet. Wusste er da etwa schon vom Angebot der Londoner? Mit Streller hat wirklich keiner gerechnet und es wäre der letzte und für die Fans schmerzhafte Vollzug von der Basler „Identifikationstruppe“ hin zu „Internationale“ Basel. Sollte sich im Laufe des Tages respektive der Woche bewahrheiten, dass der Transfer zustande kommt, steht der Klub vor einem neuen Zeitalter. Der Umbruch wäre vollends vollzogen.

Die Nachricht wird heute den eingefleischten FCB-Fan schocken. Aus Sicht eines Marco Strellers wird es wohl einer der schwersten Entscheide seine der Karriere sein. Die Insel war immer ein Traum, London eine attraktive Stadt und die Erfahrung einmal in der Premier League zu spielen ist verlockend. Betrachten wir es realistisch, dann muss er das Angebot annehmen und das Abenteuer wagen. Der FCB als Unternehmen würde den Abgang verkraften. Der FCB als Integrationsmagnet einer ganzen Region aber hätte daran zu knabbern. Eines der letzten Puzzles der rotblauen Seele verliesse das Joggeli. Zeit, sich neue Integrationsfiguren zu suchen.

Nachtrag: Marco Streller hat in die Augen seines Sohnes geschaut und wie ein Vater entschieden. So werden Legenden geboren!





FC Basel: Man spricht englisch

23 07 2014

Wüsse, wohär me kunnt, schä

Alex Frei und Beni Huggel sind schon lange weg, David Degen hat seine Fussballschuhe an den Nagel gehängt und die 14 trägt nun ein japanischer Popstar; auf dem Rücken und um den Hals. Der Umbruch beim FC Basel ist in vollem Gange. Die „Ur-Basler“ tragen nur noch vereinzelt Namen aus der Region, sondern heissen in der kommenden Saison Streller, Degen, Delgado und Safari.

Nach der Ära der Rückkehrer und jene der Eigengewächse soll die Ära der vielversprechenden internationalen Talente folgen, welche dank Champions-League Garantie den FCB als Tor zu Europas Fussballmillionen betrachten. Sie tragen Namen wie Thomas Vaclik, Yoichiro Kakitani und Derlis Gonzalez. Auch Ihnen wird es jedes Mal kalt den Rücken ablaufen, wenn Sie durch die Muttenzerkurve den Rasen des Joggeli betreten werden. Sie werden allerdings nie verstehen, was die Kurve in ihrem Rücken singt.

Mag die regionale Identifikation des FCB und seiner Spieler auch etwas leiden, die Entwicklung ist nachvollziehbar. Der FC Basel ist ein internationales KMU. Er braucht nationale und vor allem internationale Erfolge, will er Jahr für Jahr Talente anziehen, welche später gewinnbringend verkauft werden können. Der Kreislauf des Geldes definiert den Erfolg und umgekehrt. Das mag Nostalgiker stören, ist aber zu akzeptieren, wenn man nicht im nationalen Mittelmass versinken will.

Trotzdem ist zu hoffen, dass die Verantwortlichen dieses Geld nicht nur in neue Transfers, sondern eben auch in die Entwicklung des eigenen Nachwuchses stecken. Die Trainer und die professionelle Infrastruktur einer nachhaltigen Nachwuchsarbeit kosten heute mehr, als manch ein Super League Verein als Jahresbudget für seine 1. Mannschaft zur Verfügung hat. Aber nur so kann der neue Frei, Xhaka oder Shaqiri einst in Rotblau auflaufen. Die Zeichen stehen nicht schlecht: Embolo, Aliji oder die Ajeti-Brüder sind vielversprechende regionale Talente, welche alle schon Einsätze in der 1. Mannschaft verbuchten. Es braucht diese Identifikationsfiguren, welche irgendwann auch wieder das Gerüst einer Mannschaft bilden können. Ganz abgesehen davon, gibt es draussen im internationalen Fussball auch noch den einen oder anderen Spieler, welcher auf den Plätzen der Region sein Handwerk erlernte und einst als Rückkehrer die Massen im Herbst seiner Karriere nochmals verzücken könnte. Man denke nur an den Möhlner Ivan Rakitic.

Der FC Bayern München macht es vor. Dort wird Bayrisch gesprochen, was viel zur Identifikation beiträgt. Langfristig muss das beim FCB auch das Ziel sein und Baseldeutsch muss eine prägende Rolle spielen. Erst wenn es keine Spieler mehr gibt, welche von sich sagen können, dass ihr Weg von der Kurve auf den Rasen führte, hat der FCB seine Seele verkauft. Soweit ist es noch lange nicht, aber die Nachwuchsarbeit ist gefordert.

Zur Erreichung dieses Zieles nimmt man auch gerne mal einen Umbruch wie den aktuellen in Kauf.

Nachtrag vom 29. Juli 2014: Die BaZ zeigt es heute schon, was ich meine. Vor zwei Jahren standen noch acht Spieler, welche aus dem eigenen Nachwuchs stammen, in der Startformation!

BaZ

Nachtrag 2 vom 13. August 2014: Es ist übrigens noch nicht so lange her, das hiess es „Man spricht deutsch“.





Paulo Sousa – eine mutige Wahl

29 05 2014

Bild

Ich schicke es gleich voraus: die Wahl von Paulo Sousa zum neuen FCB-Trainer macht mich nicht euphorisch. Ja, der Mann hat aus der Ferne etwas Unsympathisches (Nachtrag vom 2.6.2014: In Natura hat er was SEHR Sympathisches, allerdings werden die Spieler sicher auch eine andere Seite kennenlernen). Ich kann zudem heute schon mit Bestimmtheit sagen, dass er seinen Dreijahresvertrag nicht erfüllen wird. Spielt er erfolgreiche, aber unattraktiven Fussball, dann wird er entlassen. Spielt er einen attraktiven, aber erfolglosen Fussball, wird er auch entlassen und spielt er erfolgreich und attraktiv, dann wechselt er als Trainer in eine andere Liga. Sei es wie es ist, die Wahl ist getroffen und nun gilt es nach vorne zu schauen.

Es ist allerdings kommunikativ nicht sehr geschickt, den Trainer jetzt zu kommunizieren und dann drei Zeitungstage zu warten, bis man dazu Stellung nimmt. Falls man kommunizieren musste, dann hätte man ohne Anwesenheit des Trainer bereits Stellung nehmen können, so lässt man das Feld für Spekulationen und Einschätzungen sehr lange offen, ohne es kommunikativ zu beeinflussen respektive das Agenda Setting in der Hand zu haben. Es wäre nicht verwunderlich, müsste Bernhard Heusler am Montag zuerst einnmal diverse Medienberichte kommentieren.

Was aber können wir vom Trainer erwarten? Wir können nur spekulieren, weil sich ja wie gesagt, niemand dazu äussert.

Auf jeden Fall einen Trainer, der als Spieler grosse Erfolge bei grossen Klubs gefeiert hat. Allerdings im Gegenzug kein Trainer, der schon in einer halbwegs europäische mithaltenden Liga als Trainer gearbeitet hat, auss der kurzen Abstecher zu den Queens Park Rangers gleich zu Beginn seiner Karriere. Er ist zwar Lateiner, man sollte aber keine Wunder im Umgang mit den Südamerikanern erwarten. Erstens ins Sousa Europäer und zweitens ist seine Muttersprache Portugisiesch und nicht Spanisch. Und da fängt schon das nächste Problem an: die Sprache. Sousa muss (und der Klub sollte diese auch einfordern) entweder einen Assistenztrainer engagieren, welcher perfekt Deutsch und perfekt Portugisiesch spricht oder dann Sousa in einen Deutsch Intensivkurs schicken. Pep Guardiola macht es vor, aber selbst ihn verstehen nicht alle bei den Bayern, Zweitsprache bleibt Zweitsprache.

Ich denke, am besten ist es, wenn wir vom Trainer n icht allzuviel erwarten. Er ist kein Schwergewicht, hat bisher keine prägenden Spuren hinterlassen, was auch an der mangelnde internationalen Bekanntheit der Lige (Ungarn, Israel) hängen mag, in welchen er trainierte und wird auf jeden Fall einen schweren Job antreten. Kurzum: Paulo Sousa ist eine mutige, sehr mutige Wahl.

 

 

 





Mein FCB

16 05 2014

Eigentlich ist es „unsre FCB“. Er gehört der ganzen Region. Aber das hier ist meine Ode an meinen FCB. Es ist eine Geschichte, wie sie es zu Tausenden gibt, aber es ist meine persönliche Geschichte und nach dem historischen Ereignis des fünften Meistertitels in Folge, gibt es keinen besseren Zeitpunkt, diese Geschichte zu erzählen.

Geboren wurde ich 1973, in einem Jahr, in welchem der FCB den 5. Schweizer Meistertitel seiner Geschichte holte. An Fussball dachte ich damals noch nicht. Ich erinnere mich noch bruchstückhaft an die Meisterschaft 1980. Erni Maissen war mein grosses Vorbild und anlässlich eines Textwettbewerbes der Basler Zeitung zur WM 1986 in Mexiko hab ich von ihm persönlich einen von ihm signierten Ball erhalten. Den Ball hab ich noch, auch wenn mittlerweile zwei Berner Sennenhunde und zwei Töchter damit spielen respektive gespielt haben. Der Ball hat mittlerweile „Patina“ und davon gibt es in der Historie des FCB zur Genüge.

Anfang der 80er begeisterte ich mich aber auch für den italienischen Fussball. Besonders Juve hatte es mir angetan, was weniger an Juve lag, als an einem Mann, den ich als Fussballer mehr verehrte, denn als Chef der Uefa. Bei ihm waren Freistösse wie ein Penalty und für mich war er der Inbegriff einer Nummer 10. Dann kam das Drama von Heysel. Mein Bruder und ich hatten“Sturmfrei“ und freuten uns auf einen tollen Final vo dem Fernseher. Es kam anders. Zwei Momente werde ich nie mehr vergessen. Die fassungslosen Gesichter der aus lauter Panik auf das Feld strömenden Fans und den Penalty meines Idols. Danach hatte der Fussball für mich seine Unschuldigkeit verloren. Es war aber auch der Moment, ab dem es für mich nur noch einen Klub gab: den FCB.

Wenn aus Sympathie Liebe wird

In jeder Geschichte eines FCB-Fans gibt es diesen einen Moment, wo aus Sympathie Liebe wird. Für mich war es der Cup-Halbfinal 1986 gegen Servette. Mein Onkel nahm mich mit ans Spiel. Es war ein schöner Tag im April und wir fuhren mit seinem CV 2 und offenem Verdeck Richtung Joggeli. Nach 45 Minuten lag der FCB 0:3 hinten. Mein Onkel fragt mich, ob ich nach Hause gehen wolle, als er in mein enttäuschtes Gesicht schaute. Fast trotzig verneinte ich seine Frage. Weitere 45 Minuten später wusste ich, wieso mir heute noch bei jedem Goal des FCB das Herz aufgeht. Es stand 3:3 und ein gewisser Gerd Strack, der vom 1. FC Köln zum FCB kam, hatte dreimal getroffen. Das letzte Goal viel in der 90. Minute. Wohl gemerkt, der Mann war Verteidiger oder besser gesagt Libero. Ja sowas gab es damals noch. Nach der Verlängerung hiess es 3:4 für Servette und der FCB schied aus, weil Bruno Galler auf den Penaltypunkt zeigte und Alain Geiger sicher verwandelte. Aber das Resultat war Nebensache. Ich war definitiv vom FCB-Virus bessesen. Aufholjagd, Emotionen und am Schluss enttäuscht verloren. Das war für mich der FCB meiner Jugend.

Jahrelang – auch in der Nationalliga B – ging ich an die Spiele. Nicht wegen der Gegner – wie das heute oft der Fall ist – sondern weil der FCB spielte. Die Liedzeile „Erfolg isch nit alles im Läbe“ war nie passender als in diesen Jahren. Ich trug das FCB Trikot mit Stolz. Wir gewannen keine Titel, wir gewannen Spiele und das Resultat am Wochenende bestimmte, ob ich eine gute oder schlechte Woche vor mir hatte. Es war auch die Zeit, als der FCB vor dem Konkurs stand und auch ich eine 10-Franken Note in die überdimensionalen Fahnen warf, welche die Junioren des FCB nach dem Spiel ausgebreitet hielten, um bei den Zuschauern Geld zu sammeln. „Jede Rappe zellt“, würde man heute sagen.

1994 kam der Aufstieg, ich brach aus wie ein Vulkan und dachte in diesem Moment, es werde keine schöneren in meinem Leben mehr geben. Im Fiat Panda meines mittlerweile verstorbenen Grossvaters fuhren wir zu siebt (!) durch die Innenstadt. Es war einfach nur schön. Meine Mitgliedschaft beim FCB hatte ich schon an Weihnachten 1993 beantragt. Ich wollte nicht nur Fan sein, sondern ein Teil des Klubs. In fünf Jahren bin ich Freimitglied. Ein Status, welchen ein FCB-Fan auch heute noch mit Stolz erfüllt, auch wenn mittlerweile eine AG das Sagen hat.

Gleichzeitig begann die 19 Jahre dauernde Zeit, in der ich meine Verbundenheit zum FCB auch als Sportreporter und –kommentator ausleben konnte. Die ganz grossen Momente feierte ich dann aber lieber als Fan auf den Rängen. Unvergessen auch 2002 und“ Jimmy“ Gimenez mit seinen Toren. Auch der Kettenrauchende André Sitek schoss schon Tore am Laufband, aber Gimenez war nochmals eine Nummer grösser. 12 Jahre ist es seither her und wenn ich ihn im Sommer in der Nähe bei Lugano ab und zu beim Joggen sehe, stelle ich fest, es ist fast schon eine Ewigkeit her. Titel sind fast zur Selbstverständlichkeit geworden und die Liedzeile „Erfolg isch nit alles im Läbe“ ist eine Reminiszenz an frühere Zeiten. Anders waren die Ereignisse vom 13. Mai 2006 auch nicht zu erklären. Es war bei weitem kein „Heysel-Moment“, aber dieses Mal sass ich nicht vor dem Fernseher, sondern im Stadion, nur 20 Meter von Filipescu entfernt. Nicht dort, wo er das entscheidende Goal zum 2:1 für den FCZ schoss, sondern dort, wo er von aufs Feld stürmenden Chaoten mit Füssen getreten wurde. Postwendend verliess ich das Stadion und fragt mich zum ersten Mal, was mit meinem FCB passiert war. Ich verarbeitet den Tag auf meine Weise und liess mir ein T-Shirt drucken.

„Geboren am 14. Mai – we’ll be back!“.

Und der FCB kam zurück: 2008, 2010, 2011, 2012, 2013 und nun 2014. Mit der Serie kamen aber auch die Diskussionen, um die Ausschreitungen und die Sättigung der Zuschauer aufgrund der Erfolge, die sich eingestellt haben. So sehr ich mich über die Erfolge freue, ich vermisse die Niederlagen. Es war eine Niederlage, welche für mich der entscheidende Moment meiner FCB-Geschichte ist und es sind die Niederlagen, welche für mich den FCB ausmachen, denn ich so liebe. Und so gab es gestern Abend nach den Bildern der Ausschreitungen in Aarau im grössten und historischsten Moment in der FCB Klubgeschichte Augenblicke, in welchen ich nostalgisch und wehmütig wurde. Wo ist der FCB-Geist der 80er Jahre geblieben? Eine Zeit, in welcher man die Kraft und die Hoffnung allein aus der Erinnerung an Benthaus Zeiten schöpfte und jeden Sieg wie eine Meisterschaft feierte. Mir ist klar, dass sich weder das Rad der FCB Geschichte noch jenes unserer Gesellschaft zurückdrehen lässt. Aber der Moment wird kommen, wenn es für mich heisst:

SAIT DR BABBE ZU SIM SOHN
HÜT KUNNSCH MIT INS STADION
D MAMME WO AN DER TÜRE STOHT
WEISS DAS JETZT E GSCHICHT AFOHT

Gut, ich hab zwei Töchter und Götti eines Buben bin ich auch nicht, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Beide sind wie ich in Jahren geboren, in welchen der FCB einen Meistertitel feiern durfte und ich möchte, sollten sie je vom Virus gepackt werden, dass sie sich bewusst sind, dass die Liebe zum FCB mehr ist als Titel, Champions League und ausgelassene Nächte vor dem Casino Balkon. Es geht um Leiden, Niederlagen, Emotionen und um das Bewusstsein darüber, woher man kommt. Mit anderen Worten, es geht um Dinge, wie im richtigen Leben. Es geht darum, dass Erfolg eben wirklich nicht alles im Leben ist und es geht darum, nach jedem Spiel Grösse zu zeigen.

Der Klub und seine Verantwortlichen sind sich dessen bewusst und wenn die immer grössere Fanbasis des FCB sich dessen auch bewusst(er) wird, kann ich mich in Momenten wie dem gestrigen auch wieder so freuen, wie ich das im April 1986 nach Gerd Stracks 3:3 in der 90. Minute gemacht habe.





Wieso der FCB nicht wegen des Schiedsrichters verloren hat

21 04 2014

Weil,

– Gaston Sauro mehr Vertrauen in seine Handarbeit als in Yann Sommers Qualitäten hat.

– ohne Streller offensiv nichts läuft.

– der durchschnittliche FCB Spieler zirka 900 Minuten mehr Fussball in  den Knochen hat, als ein FCZler.

– die FCZ Präsidenten Gattin mehr Mut beim Coiffeur zeigt, als Murat Yakin bei seiner Taktik.

– der FCZ heisser auf den Titel war.

– das Kosten/Nutzen-Verhältnis der Offensivtransfers beim FCB diese Saison schlechter ist, als beim FCZ.

– in Zürich bei einer Cupfinalfeier der öffentliche Verkehr nicht beeinträchtigt wird.

– der ZSC noch Bier von der Meisterfeier übrig hatte.

– der FCZ die Tore machte und nur das zählt.

– der FCB (wohl zurecht), seine Gedanken schon bei GC und der Meisterschaft hatte.

 





10 gegen 10’000

27 03 2014

Die Mahner, Rufer und Besserwisser (ACHTUNG: auch ich bin ein Besserwisser) haben nach dem Urteil der Uefa gegen den FC Basle wieder Hochkonjunktur. Allerdings nützt es nicht, böse und liebe Fans gegeneinander auszuspielen. Wir waren alle mal jung. Keine Repressalie und Regulierung der Welt, verhindert Vorkommen wie in Salzburg, solange man den Fussball nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen will. Die Vergleiche mit der Premier League kann ich schon nicht mehr hören. Dort wurden die Ticketpreise so hoch angesetzt, dass sich kaum ein gewöhnlicher Fans die Tickets mehr leisten kann. Das gesellschaftliche Problem wurde über den Geldbeutel beseitigt und auf tiefere Ligen „ausgelagert“. Das funktioniert aber nur, weil Englands Fussball eine Geld- und Unterhaltungsmaschine ist, so dass die betuchte Klientel die Stadien halt trotzdem füllt. In der Schweiz ist dies nicht realisierbar, dafür ist die Liga einfach zu wenig stark. Auf der anderen Seite bewundern alle die Hingabe, mit welcher der sogenannte MK-Fans, die Fahne des Klubs auch im Ausland hochhält. Die Gesänge, welche durch englische Stadien hallten, finden auch in den englischen Medien immer wieder anerkennende Aufmerksamkeit.

Fakt ist aber, dass es eine Gratwanderung zwischen Hingabe, Engagement und ausufernden Aktionen wie Pyros und Vorkommnissen wie in Salburg gibt. Gerade auswärts – und das wird sicher jeder Psychologe bestätigen – ist diese Gefahr umsogrösser, weil man in der Minderheit ist und es den anderen zeigen will. Verfolgte man das Auftreten der Verantwortlichen und östreichischen Medien rund um das Spiel gegen Salzburg, war es auch nicht verwunderlich, dass die Fans zu solchen Reaktionen griffen. Man konnte fast meinen, Salzburg war sich des Status, welcher der FCB sich sportlich in Europa erarbeitet hatte nicht bewusst bzw. wollte ihn nicht anerkennen. Da mussten die Fans quasi zeigen, wer der FCB ist. Es braucht nur einen, der sich dann nicht im Griff hat und Tausende werden gestraft.

Das Urteil zeigt aber auch, dass der FCB mit seinen Erfolgen bei der Uefa nur eine Aussenseiterrolle einnimmt. Er hat nicht das Standing, um so bedeutend zu sein, als dass es den europäischen Wettbewerb nicht auch ohne ihn geben kann. Hochmut kommt vor dem Fall und dieser kann nicht nur Offizielle und Spieler, sondern eben auch Fans befallen. Die Frage nach Gerechtigkeit stellt sich beim Urteil nicht. Die Uefa legt die Spielregeln fest und es ist wie bei einem Unternehmen, Mitarbeiter können entlassen werden. Jeder ist ersetzbar, auch der FCB in Europa und der nächste Schweizer Klub steht bereit, um diesen Platz einzunehmen.

Noch ist es nicht soweit, auch wenn das Kapitel Europa League nun wohl ausgeträumt ist. Sich vor leeren Rängen zu begeistern, ist für einen Fussball nicht einfach, selbst wenn er nur seinen Job macht. Aber der motivierteste Mitarbeiter braucht die Anerkennung und das Lob von Mitstreitern und Vorgesetzten, um Höchstleistungen zu erbringen. Es ist zu hoffen, dass die fehlende Ambiance auch auf Valencia abfärbt.

Was bleibt vom Urteil hängen? Zwei Jahre Bewährung ist fast die schlimmste Sanktion innerhalb des Sanktionenkataloges, denn in zwei Jahren vergisst man schnell, wenn der Alltag wieder zur Routine wird. Es wird schwierig sich zwei Jahre unter Kontrolle zu haben, wenn 10 Leute das Schicksal von 10’000 mitbestimmen. Es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass es schwieriger sein wird, die zwei Jahre unbeschadet zu überstehen, als einen Ersatz für Yann Sommer zu finden.

Wir wollen keine uniforme Fankultur. Der Grat zwischen Erlaubtem und Verbotenem wird und muss auch in Zukunft dünn sein, will man dies unterbinden, sterben Emotionen.





Umbruch im und wegen Sommer

6 03 2014

Sportlich läuft die Suche nach dem Meister 2014 noch, aber der FCB muss und wird sich schon heute Gedanken darüber machen, wie die Mannschaft in der nächsten Saison aussehen wird. Sommer verlässt den FCB in Richtung Bundesliga, Streller ist und bleibt Alleinunterhalter im Sturm (wenn er denn seinen Vertrag erfüllt) und auch sonst können je nach Abschneiden der Schweizer Nationalmannschaft in Brasilien auch Stocker oder Schär ein Thema für ausländische Klubs werden.

Die Abwehr ist das kleinste Sorgenkind des FCB. Da wird man immer fündig. Schwieriger ist es ganz hinten und ganz vorne. Aber fangen wir hinten an: Wer wird Nachfolger von Sommer? Ich denke, es wäre an der Zeit, sich Gedanken zu machen, Diego Benaglio in die Schweiz zu holen, trotz Vertrag bis 2017 in Wolfsburg. Der Mann hat die 30 erreicht und Tochter Melija wird im September 4 Jahre alt. Da macht man sich langsam Gedanken über den Kindergarten und die baldige Einschulung (Fussballer sind ja auch nur Eltern). Was läge näher, einen Top-Goalie für vier Jahre zu verpflichten und ihm den Weg in die Heimat zu ebnen. Champions-League könnte er immer noch spielen und auch in der Meisterschaft wäre er gefordert, da gegen den FCB eh jeder sein Bestes gibt. Am Geld sollte es nicht scheitern. Damit wäre auch der Weg frei, um in dieser Zeit hinter dem erfahrenen Benaglio einen jungen Goalie aufzubauen. Nur mal so laut gedacht.

Erst 26 Jahre alt wird Ivan Rakitic in vier Tagen, aber wer gestern beim Freundschaftsspiel Schweiz-Kroatien dessen Freistösse in den Strafraum gesehen hat, weiss ohne grossen Fussballsachverstand, dass Rakitic der bessere Delgado ist. Lieber heute als morgen, sollten man den verlorenen Sohn zurückholen. Allerdings wird das weit schwieriger, denn wer kommt zurück in die Schweiz, wenn er in der Primera Division Kapitän seines Teams ist und das im besten Fussballalter. Trotzdem: Probieren und wenn nicht 2014 dann spätestens in zwei Jahren.

Schwieriger wird es, einen Streller Ersatz aufzubauen., kommt hinzu, dass hier die Zeit genau so drängt, wie in der Frage des Goalies. Der Zug mit Josip Drmic ist abgefahren und aus Schweizer Sicht zeigt sich keine vielversprechende Lösung. Hier muss die Hoffnung darauf gelegt werden, dass Chefscout Ruedi Zbinden, einen No-Name mit Knippser-Qualitäten aus dem Hut zaubert.

Es bleibt spannend!

 





Ist der Teppich für Yakin’s Abgang ausgelegt?

3 12 2013

Die Basler Zeitung rollt schon mal den Teppich für den möglichen Abgang von FCB-Cheftrainer Murat Yakin aus. Sie spurt die Kommunikation der Verantwortlichen gegenüber den Fans vor. (Gute Gründe für latente Unruhe beim FCB). So kommt es einem zumindest vor, wenn man den Artikel liest. Die Marke FCB muss nicht kurz- sondern langfristig denken und da könnte der Trainer Murat Yakin keine Zukunftslösung sein. Die mag stimmen und die Verantwortlichen haben mit ihren Entscheidungen in letzter Zeit immer Recht erhalten. Ausser bei Raoul Bobadilla, aber wenn man zwischen den Zeilen liest, kann es durchaus sein, dass dessen Verpflichtung auch auf Drängen von Yakin Zustande gekommen sein könnte und es Bernhard Heusler heute noch wurmt, dass die Sache schief ging. Die Anzeichen dafür leuchteten aber von Anfang an wie der Polarstern am Himmelsfirmament.

Man kann von Yakin halten was man will, es war aber abzusehen, dass er seinen Charakter nicht ändert und sich nicht als Teil eines Unternehmen sieht. Auf jeden Fall nicht in der Weise, wie das den Verantwortlichen vorschwebt. Die Gründe für einen möglichen Abgang alleine bei Yakin zu suchen, wäre deshalb falsch. Noch ist er aber Trainer und ein durchaus erfolgreicher. Seit Christian Gross stand keiner mehr an der Linie, der eine Mannschaft so auf einen Gegner einstellen kann wie Yakin. Dabei ist es auch logisch, dass bei einem Trainer aus der Kategorie U40 mal eine Entscheidung bezüglich Spielsystem getroffen wird, die kein Mensch versteht. Irgendwie gehört das dazu. Junge Trainer müssen auch das Privileg haben, ihre Linie zu finden.

Ungeachtet der Tatsache, dass es innerhalb des Unternehmens Dissonanzen gibt, wäre es dem FCB zu wünschen, eine langfristige Lösung für den Posten zu finden. Diese kann durchaus in der Person Yakin liegen. Ein Sir Alex Ferguson oder Guy Roux waren auch nicht immer die pflegeleichtesten Trainer und führten mit der Teamleitung und den Spieler so manchen Kampf. Am Schluss zählt der Erfolg und Kontinuität ist nicht das schlechteste Rezept dafür.

Eher amüsant liest man die Randbemerkung, dass Thorsten Fink wieder auf der Matte stehen soll. Ohne Zweifel ist er ein Trainer mit Herz und Emotionen. Die Öffentlichkeit liebt ihn. Allerdings stellt man sich die Frage, wer die Trainings leiten soll und die Knochenarbeit machen müsste, wenn Thorsten Fink zurückkommt. Der Vogel ist bekanntlich ausgeflogen.