FCB Fan chasch nid wärde

19 06 2015

Urs Fischer heisst der neue Trainer des FC Basel. „Guter Entscheid!“ „Fischer, nie eine vo uns“: diese beiden Reaktionen spiegeln in etwa des Spektrums der zig-tausend Basler Fussballvolkexperten wieder. Um es mit den Worten der Fussballromantiker zu sagen: „FCB chasch nid wärde, FCB Fän das muesch sy“. Punkt! Niemand hat davon geredet, dass man als FCB Spieler oder sogar FCB-Trainer geboren wird. Die Ära der Streller, Frei, Huggel und Degens ist vorbei. Sie war einzigartig und wird es auf Jahre auch bleiben. Sind Gonzalez, Gashi, Frei, Vaclik, Elneny, Delgado, Samuel und wie sie alle heissen, „eine vo uns“? Nein. Identifizieren Sie sich mit dem Klub, seiner Geschichte und seiner Philosophie? Ja und das zählt.

Urs Fischer verdient Kredit. Er muss „keiner von uns“ werden, aber er wird mit Leib und Seele die FCB-Philosophie nach Innen und Aussen tragen. Das traue ich ihm zu. Die Chance, dass er nach sechs Jahren der erste FCB-Trainer wird, der keinen Meistertitel holt, ist schon rein statistisch mit einer grossen Wahrscheinlichkeit versehen. Doch das ist zweitrangig. Viel wichtiger ist, dass in der mit den Erfolgen immer grösser gewordenen FCB-Fanschar wieder die Erkenntnis wächst, dass der FCB schlussendlich auch nur ein Klub ist, der 90% seiner täglichen Arbeit in der Schweizer Super League spielt.

Das Wichtigste überhaupt aber ist, dass für Urs Fischer all das, was ich vor einem Jahr über Paulo Sousa geschrieben habe, NICHT gilt.

„Wüsse, wohär me kunnt; schätze was me hett“ hiess es mal auf einer Choreo der Muttenzerkurve. Es wird Zeit, dass man sich dieser Worte wieder erinnert.

 

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Rücktritt ist Fortschritt

29 05 2015

Heute ist es soweit. „Dr Keenig vo Basel“ verabschiedet sich von seinem Fussballvolk. Das letzte Spiel, der letzte Gang durch die Senftube. Schluss, Aus. Zwar gibt es noch einen Cupfinal, aber dieses Spiel und diesen Moment müssen wir mit rund 20’000 Wallisern teilen. Heute aber gehört der Abend ganz der FCB-Familie.

Marco Streller tritt von der grossen Fussballbühne ab. Wieso macht einer sowas? Viel zu früh, noch im Saft? Er hat zwar alles mit dem FCB erreicht, was man als Fussballer erträumen kann, aber nie den seinem Können entsprechenden Durchbruch in einer grossen Liga geschafft. Was also bleibt hängen? Fragen über Fragen, welche man sich nur stellt, wenn man im Fussball wie im Berufsleben (Anmerkung der Redaktion: Fussballer ist ein Beruf) nur den einen vertikalen Karriereweg nach oben kennt. Marco Strellers Karriere sollte Vorbild für andere Berufskarrieren sein.

Strebe nicht nach einer von der Gesellschaft (und deinem Umfeld?) erwarteten geradlinigen Karriere. Entwickle dich auch mal horizontal, mach einen Schritt zurück, hör auf deinen Bauch und schlussendlich Spiel dort, wo du dich wohl fühlst. Marco Streller fühlt sich in Basel wohl. Was wichtig ist, spielte sich auf knapp 30 Quadratkilometer ab. Er sah die Welt der grossen Ligen nur bei den Besuchen des FCB und doch hat er mehr erreicht als all die Weltenbummler: Arbeite dort, wo du dich wohl fühlst, hab Spass daran und der Erfolg stellt sich ein.

Marco Streller ist auch als Mensch ein Vorbild. Genau deswegen endet heute zwar eine Karriere als aktiver Fussballer, aber die Ära Streller nimmt heute Abend beim FCB erst gerade ihren Anfang.





Der FCB und die Championsleague

8 05 2015

Gestern war mal wieder Europa-League und die Augen des FCB schielen auf Dnipro Dnipropetrovsk. Sollten die Ukrainer sich gegen Napoli durchsetzen und den Finale gewinnen, dann steigen die Chancen des FCB, sich direkt für die Gruppenphase der Champions-League zu qualifizieren.

Der Sieger der Europa-League kriegt dieses Jahr einen direkten Platz in der Champions-League. Es sei denn, er qualifiziert sich über die heimische Meisterschaft. Die Ukrainer stehen zurzeit auf so einem CL-Platz in der Meisterschaft.

Hoffen wir, dass es so bleibt und kommt. Vieles beim FCB (Kader, Trainer, etc.) wird davon abhängen, ob man wieder direkt Champions-League spielt oder im Sommer durch die Qualifikation muss.





Paulo Sousa, ein Charakterlump?

30 04 2015

Sousa

Der FC Basel steuert ungefährdet auf den sechsten Meistertitel in Serie hin. Trotzdem gibt es auch neben dem Platz viel zu reden. Paulo Sousa, Portugiese und trainertechnisch gesehen ein Nomade, beschäftigt sich bereits nach einem Jahr mit dem Weiterzug seiner Karawane. Es soll nach Italien gehen, so liest man. Im Allgemeinen steht Loyalität heute im normalen Berufsleben nicht mehr zuoberst. Karrieresprünge sind oft nur über Wechsel möglich, wieso soll es also im Fussball anders sein.

Paulo Sousa hat sich nie richtig in Basel eingelebt. Das versprochene Deutsch hat er nie gelernt, wohlwissend, dass sein Ziel ein grosser Klub in Italien oder England ist. Wieso soll er auch bleiben? Nach 6 Titeln in Serie kann er als Trainer nur verlieren. Ausserdem steht in der Championsleague wohl der Gang durch die Qualifikation an. Wenn er kühl rechnet, dann weiss er, dass sein Marktwert nie besser als heute ist.

Beim FCB setzen Sie seit der Ära Gross eh nicht mehr auf langfristig engagierte Trainer. Das System steht über dem Einzelnen und soll deshalb dem heutigen Zeitgeist vorbeugen, damit der Wechsel des Übungsleiters nicht den ganzen Klub durcheinander bringt. Der FCB kann diesen Sommer beweisen, dass er dieses System zur Perfektion beherrscht und Martin Andermatt als Nachfolger von Paulo Sousa präsentieren.





Porto-ho!

19 02 2015

Wer gestern das Spiel im Joggeli verfolgte, sah einen Gegner, der aufsässig war, schneller und vor allem in der zweiten Halbzeit ein permanentes Pressing aufzog. Noch nie wurde der FCB im heimischen Stadion so in die Defensive gedrängt. Nicht gegen Chelseal, ManU, Real oder Liverpool. Das Team von Porto bestach durch seine Geschlossenheit und das blinde Verständnis der Akteure untereinander. Das war eindrücklich. Gleichzeitig fand der FCB nie den Rhythmus. Irgendwie aber auch kein Wunder, beim zweiten Ernstkampf nach der Winterpause.

Warum Porto aber doch nicht in einem Atemzug mit den ganz grossen Klubs der Champions-League genannt werden kann, zeigte sich an diesem Abend trotz einen Eckballverhältnis von 0:9 gegen den FCB: Aus dem Spiel gelang den Portugiesen (damit ist das Land gemeint aus dem der Klub kommt, nicht die Spieler. Es stand nur ein Portugiese auf dem Platz) kein Goal, trotz zahlreichen Chancen. Richtig gefährlich waren Sie vor allem bei Standards, weshalb der Ausgleich durch einen Penalty nicht verwunderte. Der FCB zeigt sich gestern als netter Gastgeber. Er zog eine schlechte Leistung ein und die portgugiesischen Fans durften zweimal Jubeln, bei einem Treffer. Nette Geste.

Ohne Frage: Die Porto ist oho und gehört zur europäischen Spitze. Kommt der FCB aber besser in Fahrt und lässt man die Portugiesen spielen, aber keine Treffer erzielen, dann ist in zwei Wochen auch in Porto noch alles drin.





Ceterum censeo: Granit Xhaka

28 11 2014

Granate Xhaka!

Seine Klasse zeichnete sich schon früh ab, wie geneigte heschghört Leser wissen.





Sport ist und war immer politisch

16 10 2014

BlackPower

Drohne, Serbien, Albanien, Europaqualifikation, Spielabbruch. Mehr muss ich nicht sagen, jeder weiss, um was es geht. Was niemand weiss, ist die Frage, wie es weitergehen soll. Auch am Tag 2 nach dem Spiel.

Der Sport wird von den Sportverbänden oft als völkerverbindend bezeichnet. Unpolitisch sei er, haben wir auch bei den letzten olympischen Spielen in Sotschi gehört. Dem ist nicht so. Sport ist seit jeher äusserst politisch. Es kommt – zum guten Glück – einfach äusserst selten zu solch gravierenden Vorkommnissen wie am 14. Oktober in Belgrad. Ein paar Beispiele gefällig?

  • Tommy Lee und John Carlos bei dem Olympischen Spielen 1968 in Mexiko (Protest gegen Rassenhass mit gestreckter Faust bei der Siegerehrung).
  • Boykott der Olympischen Spiele in Moskau 1980 u.a. von den USA und Deutschland, da Russland Afghanistan besetzte.
  • Gegenboykott von Russland und weitere Oststaaten an den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles.
  • Das Ausrollen des „Stop it Chirac“ Transparent der Schweizer Nati beim EM-Qualifikationsspiel gegen Schweden 1995 (Protest gegen Atombombentest)
  • und und und.

Es geht hier nicht um Vollständigkeit, sondern darum zu zeigen, dass Sportverbände noch so scheinheilig tun können, der Sport ist politisch und wird von der Politik immer wieder instrumentalisiert. Machthaber sonnen sich darin, dass die ganze Welt auf ein Grossereignis in ihrem Land schaut, der Medaillenspiegel an Grossereignisse wird zur Machtdemonstration (was nebenbei in gewissen Ländern dazu führt, dass Sportler nur für solche Grossanlässe „herangezüchtet“ werden) und gerade in Mannschaftssportarten gilt der Sieg gegen einen politischen Gegner oft mehr als die daraus resultierenden Punkte.

Aber was soll man tun. Spiele zwischen solchen Nationen wie Serbien und Albanien verbieten, obwohl der Prozentsatz an solchen, welche nicht nur mit Worten, sondern auch Fäusten zuschlagen, wohl nicht sehr viel höher ist, als wenn Deutschland und Polen gegeneinander spielen. Verbote und Sanktionen sind Massnahmen, um zu zeigen, dass man handelt und das Geschehene nicht gutheisst. Das Grundproblem löst man aber nicht.

Es würde schon helfen, wenn wir uns alle ehrlich zugestehen, dass der Sport ein Abbild der Gesellschaft ist und diese nicht apolitisch ist. Es wird Sanktionen gegen Serbien und Albanien geben, man wird darüber sprechen, dass der Sport ein Opfer ist und instrumentalisiert wurde. Aber es wird nicht der letzte Vorfall sein und bleiben.