Das Problem des Anreizesystems

28 08 2012

Wer Kindern Geld gibt, damit sie den Rasen mähen, der muss sie schon bald dafür bezahlen, dass sie überhaupt zur Schule gehen. Nun, vielleicht übertreibe ich ein wenig. Aber genau das ist das Problem des Systems mit Anreizen. Etwa ähnlich verhält sich beim FC Basel un der Champions-League. In den letzten Jahren hat der Klub seinen Anhängern Spiel mit Bayern, Manchester und Barcelona gegeben und wundert sich nun, dass niemand mehr den FCB gegen Cluj spielen sehen will. Im Grunde genommen hat es nichts mit dem FC Basel zu tun und auch nicht mit jenen treuen Seelen (ich sage schon lange, dass der harte Kern der FCB Fans knapp 10’000 ausmacht), welche an jedes Spiel gehen.

Es liegt in der Natur des Menschen, dass er immer mehr will. So verhält es sich auch beim breiten Basler Fussballpublikum. Wie entgegnet man dieser menschlichen „Schwäche“. Ihr immer mehr geben und Jahr für Jahr in der Champions-League spielen? Oder aber mal Ausscheiden, die Enttäuschung aller auf sich ziehen und damit dem Publikum mal wieder vor Augen halten, dass im Sport – wie im richtigen Leben –  nichts selbstverständlich ist? Nun Fussballtrainer und Psychologen würden andere Ansätze wählen. Tatsache aber ist, der FCB muss am Mittwoch um einen (nicht selbstverständliche) Teilnahme kämpfen. Und das ist gut so. Sollte er Ausscheiden, wäre das auch kein Weltuntergang. Dort tummeln sich Klubs wie Napoli, Tottenham, Atletico Madrid, Inter, Liverpool, Marseille, etc.. Und die können alle auch Fussballspielen und kommen nicht alle Tage in den St. Jakob Park.





Botschafter des Schweizer Fussball

21 08 2012

Geboren wurde er 1991 im ehemaligen Jugoslawien, daher sein untypischer Name für einen Schweizer. (Quelle: Bild-Online)

Die Rede ist von Xherdan Shaqiri. Selten hat ein Schweizer Exportschlager vor seiner Lancierung (Bundesliga-Debut) für soviel Aufsehen und positive Presse gesorgt. Damit wird Xherdan Shaqiri zu einem Botschafter des Schweizer Fussballs. Und das ist gut so. Nachdem unsere Land in Deutschland aufgrund des Steuerdossier zurzeit nicht gerade einen guten Ruf geniesst, ist zu hoffen, dass Shaqiri und mit ihm Granit Xhaka zu tragenden Säulen ihrer Klubs werden. So kann Deutschland auch im Fussball zu einem wichtigen Exportland für die Schweiz werden. Dies wäre für die Schweizer Liga in mancher Hinsicht ein sportlicher und wirtschaftlicher Vorteil. So könnten weitere Talente dem Vorbild Xhaka/Shaqiri folgen: Ausbildung und erste Gehversuche in der Schweiz, Stammspieler in der Schweiz und anschliessend für einen angemessene Entschädigung in die Bundesliga. Wenn sich neben dem FCB zwei, drei weitere Schweizer Klubs auch international behaupten könnten, wäre bei entsprechenden Ausbildung in den Nachwuchs ein wirtschaftlich tragbares Modell möglich. Und es könnte auch anders rum gehen. Deutsche Talente, welche sich nicht auf Anhieb durchsetzen, könnten den Schweizer Fussball bereichern, wenn sie merken, dass die Super League keine Einbahnstrasse für Bundesliga Fussballer am Ende ihrer Karriere ist. Markus Steinhöfer ist diesen Weg bereits gegangen und eine Rückkehr in die Bundesliag ist nicht auzuschliessen.

Dank Xherdan Shqaqiri könnte sich auf Fussballebene eine neue Deutsch-Schweizerische Freundschaft abzeichnen.





Ein Sommer macht noch keinen Frühling

9 08 2012

Dank Yann Sommer steht der FCB in der letzten Runde zur Champions-League. Soweit so gut. Doch mit Sommer alleine kämpft man im Frühling nicht um die Krone eines Schweizer Meisters. Trotzdem ist es noch zu früh, zu urteilen. Doch genau das wird nun gemacht. Die Nörgler schiessen bereits aus allen Ecken: schlechte Transferpolitik, keine Alternativen im Sturm, Vogel hat die Truppe nicht im Griff und so weiter. Dabei wird vergessen, dass praktisch das ganze Mittelfeld ausgetauscht wurde und auch die Abwehr mit Abraham einen ruhenden Pol verloren hat. Gaston Sauro und Marcelo Diaz kamen direkt von der Meisterschaft in Südamerika in die Vorbereitung bzw. machten gar nicht alles mit. Mohamed Salah spielte noch bei Olympia, etc.. Die bisher gezeigten Leistungen sind zwar nicht gerade berauschend, aber durchaus erklärbar.

Es gibt also noch keinen Grund, bereits die Feuerwehr zu rufen! In Situationen wie gestern Abend zeigt sich, wer die erfahrene Mannschaft ist. Sie kommt in 9 von 10 Fällen auch mal bei einer schlechten Leistung weiter. Das ist alles, was im Moment zählt. Die Nörgler sollen bis im Spätherbst warten und dann ihr Urteil fällen.





Rücktritt: Franco Costanzo hängt die Goaliehandschuhe an den Nagel

8 06 2012

Twitterer Patrick Künzle hat es heute als erster gemeldet. Laut ESPN Lateinamerika ist ex-FCB Goalie Franco Costanzo zurückgetreten. Seinen Vertrag in Griechenland hat er schon länger aufgelöst und um die Weihnachtszeit traf man ihn mit Kinderwagen auch in Basel an. Seine Frau ist gar nicht erst mit nach Griechenland gekommen, sondern in Basel geblieben. Nun ist das Karriereende definitiv. Mit 31 Jahren; eigentlich kein Goaliealter.

Franco Costanzo war aber schon immer nicht nur ein ausserewöhnlicher Goalie, sondern auch ein sensibler Mensch. Fussball ist nicht alles und in dem Sinne gilt auch unser Abschiedsgruss von letztem Sommer noch immer. Jetzt ist er einfach definitiver.





Eine Marke ist in drei Sekunden ruiniert

20 05 2012

Der FC Basel ist eine Marke und die hat ihren Wert. Er lässt sich nicht unbedingt in Franken und Rappen beziffern, aber er ist da. Die Marke FC Basel hilft, Spieler in die Schweiz zu locken, welche die Super League nicht als Sprungbrett für eine internationale Karriere sehen würden. Die Marke hilft, bei Sponsoren und Geldgebern etwas mehr herauszuholen, als dies im Schweizer Fussball sonst üblich wäre und die Marke hilft, ausländischen Fussballklubs zu zeigen, „bei uns holt ihr keine Fussballer für ein Butterbrot“. Mit anderen Worten gibt die Marke dem FC Basel eine gewisse „Macht“.

Die Marke ist aber ein feingliedriges Wesen. Sie ist schneller beschädigt als aufgebaut. Bleiben die sportlichen Erfolge langfristig aus, verliert die Marke an Strahlkraft. Ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wird die Marke, wenn Fans oder Mitarbeiter sich nicht „markengerecht“ verhalten. So geschehen bei Verteidiger Aleksandar Dragovic nach dem Cupfinal in Bern (Bundesrat Slapping) oder bei unbedachten Äusserungen am Rande der Feierlichkeiten. Diese in der Euphorie und unter Emotionen gemachten Äusserungen oder Handlungen mögen für sich eine Kleinigkeit sein. Sie sind aber aus Markensicht nicht unbedenklich und der FC Basel tut gut daran, sich in der neuen Saison nicht nur sportlich zu verstärken, sondern auch weiterhin an seiner Marke zu arbeiten. Das bedingt den Einsatz strategischer Kommunikation und ist heute nicht nur bei Wirtschaftsunternehmen, sondern auch bei Fussballklubs unverzichtbar, will man langrfristigen wirtschaftlichen Erfolg.

Wer es in zehn Jahren soweit gebracht hat wie der FC Basel (sportlich und wirtschaftlich), würde fahrlässig handeln, nähme er die Pflege der Marke auf die leichte Schulter.





Neue Kräfte für den Verwaltungsrat des FC Basel

26 04 2012

Am Montag 30. April ladet der FC Basel zur Generalversammlung. Die Stimmung wird gut sein, einige werden wohl direkt vom Barfüsserplatz Richtung Generalversammlung ziehen, da am Sonntag rechnerisch und juristisch der 15. Meistertitel in der Geschichte gefeiert werden kann. Normalerweise interessiert den sportlich interessierten Fan vor allem das Geschehen auf dem Rasen. Doch die Rochaden im Verwaltungsrat sind für die Zukunft des Vereins nicht unerheblich und verdienen deshalb eine kurze Auseinandersetzung.

Werner Schmid (Marketing) und Mathieu S. Jaus (Finanzen) scheiden aus dem Verwaltungsrat aus. Vor allem der Abgang des langjährigen Finanzchefs Jaus ist für den Verein nicht unerheblich. Wer sich an die Zeiten anfang der 90er Jahre zurückerinnern vermag weiss, wie wichtig ein umsichtiger und besonnener Finanzchef ist. Jaus hat diese Funktion hervorragend ausgefüllt und ist auch in Zeiten der hohen Einnahmen und gestiegenen Ausgaben auf dem Boden geblieben. Ihm ist es mitzuverdanken, dass die Strukturen und finanziellen Verhältnisse des FCB nicht überbordet haben und der Verein auch mal mit Einkommensschwächeren Jahren über die Runden käme.  Auf ihn soll Stephan Werthmüller folgen, Unternehmer und Vorgänger von Mathieu S. Jaus. Auf den Steuerberater Werthmüller wartet keine leichte Aufgabe, denn ein Finanzchef muss bei aller Begeisterung für den Fussball auch eine „Spassbremse“ sein, damit der Klub auch weiterhin auf gesunde finanzielle Strukturen bauen kann.

Neu soll auch René Kamm, CEO MCH Schweiz, das Gremium verstärken. Da der FCB trotz seiner Marktmacht gerade im Merchandising Bereich weiterhin Potenzial hat, kann dessen Know-how als Marketingfachmann nur positiv sein. Ebenso ist die Verstärkung des sportlichen Know-hows durch Georg Heitz zu begrüssen.

Auf dem Papier liest sich der neue Verwaltungsrat gut. Man konnte die Abgänge nicht nur ersetzen, sondern in gewissen Bereichen sogar verstärken. Falls die neuen Amtsträgern ihren Vorschusslorbeeren gerecht werden, wird der FCB nicht nur sportlich, sondern auch organisatorisch über viele Jahre seiner Schweizer Konkurrenz davonlaufen.

Wir haben es an dieser Stelle schon mehrmals betont: Sport ist nicht planbar, aber der FCB unternimmt zurzeit alles, dass die Strukturen so professionell sind, damit die Fussballer die besten Rahmenbedingungen vorfinden. Rahmenbedinungen notabene, die es auch locker mit Bundesligaklubs aus den Top 5 aufnehmen können.





Granit Xhaka lehnt sich zum Fenster raus

20 04 2012

„Ich wäre enttäuscht, wenn es nicht klappen würde.“

Wham! Das hat gesessen. Dieser Satz von FCB-Mittfeldspieler Granit Xhaka (heute in der BaZ) wirkt wie eine Drohung und ist ein gefundenes Fressen für den Boulevard. Er ist sich mit Gladbach einig und hat bereits die Eurozeichen in den Augen. Die Glitzerwelt der Bundesliga wartet. Wie geschaffen für einen wie Granit Xhaka. Auf und neben dem Platz. Doch Xhaka hat die Rechnung ohne den FCB gemacht und muss aufpassen, dass er sich jetzt nicht unnötig Steine in den Weg legt und seine Karriere plötzlich vor der „one and only chance“ sieht.

Er wäre gut beraten gewesen, diesen Satz nicht gesagt zu haben und wäre gut beraten, jetzt gar nichts mehr zum Thema zu sagen. Wieso hat er sich kein Vorbild an der Familie Shaqiri genommen? Fussball ist auch eine Kopfsache und den hat Granit Xhaka zurzeit nicht frei. Das braucht er aber, um weiter an seiner fussballerischen Entwicklung zu arbeiten.





Soll Granit Xhaka in die Bundesliga?

10 04 2012

Über die Ostertage hat sich Granit Xhaka laut dem „Kölner Express“ mit den Verantwortlichen von Borussia Mönchengladbach angeblich über einen Transfer zu den „Fohlen“ geeinigt. Die Meldung an sich beunruhigt in Basel noch niemanden, da erstens dem FC Basel keine offizielle Offerte vorliegt und zweitens Xhaka mit den Verantwortlichen seines Klubs noch gar nicht geredet hat. Trotzdem stellt sich die Frage, ob ein Transfer aus heutiger Sicht Sinn macht.

Wer wie Granit Xhaka in jugendlichem Alter ist, wird natürlich kaum auf Meinungen von Aussen hören (meist hören Jugendliche ja nicht mal auf ihre Eltern). Das hält uns aber nicht davon ab, diese kund zu tun.

Kurz gesagt lautet die Antwort Jein. Länger erklärt, stellt es sich folgendermassen dar.

Im Gegensatz zu Xherdan Shaqiri könnte Xhaka ruhig noch eine Saison beim FCB reifen. Er hatte einen starken Herbst und gute Auftritte in der Champions-League, aber er ist noch nicht soweit wie Shaqiri. Mit anderen Worten: der Trainer seines nächsten Klubs spielt in den Überlegungen eine wichtige Rolle. Lucien Favre und auch Jürgen Klopp (Dortmund wird auch als möglicher Kandidat gehandelt) sind sicherlich Typen, welche einen Granit Xhaka fördern und fordern können. Favre sitzt aber aufgrund seines Erfolges auf einem wackligen Stuhl, im positiven Sinne. Er ist ein heisser Kandidat bei anderen Klubs, allen voran bei den Bayern und das trotz Vertrag bis Ende 2013. Ist Favre weg, wäre die Situation bei Gladbach für Xhaka wieder eine andere. Kein Thema dürfte Thorsten Finks HSV sein. Ein Spieler vom Format eines Granit Xhaka sollte vom FCB zu einem Spitzenklub wechseln. Bliebe also noch Dortmund. Hier zeichnet sich eher ab, dass Klopp noch einige Jahre im Pott wirken wird. Allerdings scheint es den Spieler nach aktuellem Kenntnisstand nach Gladbach zu ziehen.

Deshalb wäre ihm zu raten, abzuwarten, was der Sommer an der Transferfront so bringt und keine überstürzten Entscheide zu treffen. Das Beispiel Shaqiri zeigt, dass es sich lohnt zu warten.





Es ist nur Fussball

14 03 2012

Da war es wieder. Das Gefühl, dass es am Schluss halt doch in die Hosen geht. Und wie. Trotzdem. Die jungen Wilden beim FC Basel haben uns in dieser Champions-League Saison träumen lassen. Ihr Mut, ihr Selbstvertrauen und ihre Abgeklärtheit während der gesamten Kampagne waren beeindruckend. Sie haben immer daran geglaubt, jeden Gegner schlagen zu können und mit ihnen haben auch wir von Spiel zu Spiel mehr daran geglaubt.  Doch wir müssen uns nicht grämen. „Wir sind kein Verein, der an Realitätsverlust leidet“, sagte Alex Frei vor dem Spiel in München. Genau so sollte man die Leistung auch einordnen. Die Champions-League ist für Schweizer Spieler wie Ferien. Geniessen und Freude haben! „Arbeit“ ist die Schweizer Liga. Titel und Erfolge, welche eine Teilnahme an diesen wunderbaren „Ferien“ erst ermöglichen, werden in der Super League erarbeitet. Deshalb: Abhacken, weitermachen!

Es gibt wichtigeres als Fusssball. Sogar die Parteiversammlung der Grünen Basel-Stadt hatte gestern Abend einen vollen Saal, ein Irrer hat mit dem Auto in Basel eine Person getötet und viele verletzt. Eine Stadt steht unter Schock, titeln die Zeitungen heute. Grund ist nicht das Ausscheiden des FCB. Fussball ist „nur“ die schönste Nebensache der Welt.





Wetten dass?

10 01 2012

Thorsten Fink mag den Süden. Schon zu seinen Zeiten beim FC Basel verbracht er manches verlängertes Wochenende in Ibiza. Dort fanden auch die intensiven Gespräche mit HSV-Arnesen statt, welche in der „Hals-über-Kopf“ Verabschiedung beim FC Basel gipfelten. Nun geht es wieder Richtung Süden, in die andalusische Sonne der Costa del Sol. Allerdings nicht zum Ausspannen sondern ins Traingslager. Tür an Tür mit seinem früheren Arbeitgeber, dem FC Basel. Und wieder ist helle Aufregung im Stall, denn Fink hat seine Fühler nach FCB-Juwel Granti Xhaka ausgestreckt.

Doch diese Mal dürfte er auf sprichwörtlichen Granit beissen. Wer wechselt schon zu einem maximalen UI-Cup Anwärter, wenn er im Februar in der Champions-League und um den Titel spielt? Die Zeiten in denen junge Schweizer Talente Hals über Kopf beim ersten Angebot ins Ausland wechseln, sind zumindest beim FC Basel vorbei. Granit Xhaka würde es sich ausserdem einfach machen, wenn er zu einem Klub wechselt, nur weil der Trainer ihn kennt und will. Der ist nämlich schneller weg als man denkt. Wenn er das nicht glaubt, soll er sein Telefon in die Hand nehmen und sich mal mit Beg Ferati auf einen Kaffee verabreden. Der kann ihm was erzählen (auch wenn die Beweggründe bei Ferati ein wenig anders lagen).

Deshalb ist die These, dass dieses Mal in der Sonne Spaniens tatsächlich „nur“ trainiert wird auch wenig gewagt.

Xhaka wechselt erst im Sommer. Sicherlich in die Bundesliga, aber nicht zum HSV und Shaqiri spielt ab Sommer 2012 bei Manchester als Ersatz für Nani (nur ein Scherz). Noch einmal lässt sich Bernhard Heusler nicht auf dem falschen Fuss erwischen…