Wieso die Preiserhöhung scheiterte und trotzdem unausweichlich ist

1 11 2016

unbenannt

Status Quo bei den Preisen für die Jahreskartenbesitzer des FC Basels. Vorläufig. Die Stimme des Volkes hat obsiegt, der FCB krebst zurück. Doch diese Schlagzeile wäre zu kurz gegriffen. Der FC Basel orientiert sich angesichts seiner Fixkosten, dem besten Kader, dass wir je hatten und seiner ihresgleichen suchenden nationalen Erfolgsgeschichte bei den Grossen in Europa. Dort will man mithalten, wenn auch langfristig – auch aufgrund des Modus – eher in der Europa League, als in der Champions League. Dazu braucht er Einnahmen mit denen er planen kann. Angesichts der im europäischen Vergleich mickrigen Einnahmen aus den TV-Geldern bleiben nur die Zuschauereinnahmen. Kommt hinzu, dass mit der Grösse des Unternehmens FCB auch die Verantwortung für die Mitarbeitenden und damit die Arbeitsplätze gestiegen ist. Wir werden also nicht über eine Preiserhöhung hinwegkommen. Der Grosse FCB im Freistaat Bayern verlangt auf den besten Plätzen pro Spiel zwischen 65 und 75 Franken. Er profitiert aber auch von weit höheren TV-Einnahmen. Unser FCB ist zwar nicht der FCB der Bundesliga, aber will er sich daran orientieren, ist eine Preisanpassung unausweichlich. Fakt ist aber auch, dass der FCB es kommunikativ so was von vermasselt hat, dies entsprechend zu kommunizieren. Im Hinblick auf die Zukunft, sei deshalb die Frage erlaubt, wieso dies so war, um es in Zukunft besser zu machen.

Vom Verein zur AG

Der FC Basel ist mittlerweile eine Aktiengesellschaft. Dies bringt es mit sich, dass er Angestellte hat, die aus der Privatwirtschaft kommen und ihr Handwerk verstehen und entsprechend professionell arbeiten. Das Problem jedes Grossunternehmens ist es aber auch, dass es gezwungenermassen den Kontakt zur Basis und zur Geschichte des Unternehmens verliert. Bernhard Heusler selbst unterlässt es nie zu betonen, dass der FCB Teil des Unterhaltungsindustrie ist, weshalb etliche Kommentatoren Jahreskartenbesitzer auch als Kunden bezeichnen. Und genau da liegt meines Erachtens die Krux. Der FCB hat weit mehr als Kunden, er hat Fans. Wir differenzieren jetzt nicht weiter, welche Art von Fans, wichtig ist, es sind eben nicht nur Kunden. Kunden wechseln, wenn das Produkt nicht ihren Vorstellungen entspricht. Fans haben eine weit höhere Leidensschwelle. So lässt sich auch erklären, wieso Apple jünger das zwei oder dreifache für ein Produkt zahlen, obwohl andere Hersteller technisch oft das bessere Produkt haben. Fans sehen sich als Teil des Produktes und wollen bei dessen Entwicklung einbezogen werden. Auch wenn in die Jahre gekommen, wissen viele noch, wie es war, als der FCB vor dem finanziellen Abgrund stand und Junioren anlässlich der Heimspiele Geld sammelten und ein gewisser Peter Epting als Präsident versuchte, den Konkurs abzuwenden. Ja, es gibt sogar heute noch jene, welche schon zu Benthaus Zeiten im Stadion sassen. Darunter gibt es Leute, deren emotionale Verbundenheit so weit geht, dass sie selbst an sowas wie an „ihrem“ Platz hängen. Ein Wechsel in einen günstigeren Sektor wäre zwar aus Marketing Überlegungen ein logischer Schritt. Aber solche Leute wechseln nicht einfach den Platz, so wie man auf ein günstigeres Handyabo wechselt. Für viele wäre dies ein grosser emotionaler Schritt. Dies mag für viele unverständlich sein, es entspricht aber gerade bei der älteren Generation der Realität. Ein Grossteil dieser Personen gehört zudem zur Gruppe der Mitglieder. Als solche mussten diese angesichts der Entwicklung des FCB vom Verein hinzu einem Unternehmen der Unterhaltungsindustrie schon einiges mitmachen. Wir haben darüber bereits geschrieben (https://heschghoert.ch/2015/12/15/mitglieder-sind-die-seele-jedes-vereins/). Diesen Fans läuft es heute noch kalt den Rücken herunter, wenn sie die ersten Zeilen des Fangesangs „Sait der Babbe zu sym Sohn, hüt gönn mir ins Stadion“ intoniert wird. Um in der Sprache der Marketeers zu sprechen: Es ist diese Zielgruppe, welche man sich in Erinnerung rufen sollte, wenn man wieder mal so etwas wie einen Rundumschlag in Sachen Preiserhöhung plant. Oder um in der Sprache der Angelsachsen zu sprechen: Never forget your past to shape the future!

Die Zukunft gemeinsam gestalten

Nostalgie und Tradition sind eine tolle Sache. Ich selbst zähle mich zwar nicht zur Generation Benthaus, kenne aber als Angehöriger der Generation Erni Maissen das Auf und Ab als FCB Fan. Unzählige Niederlagen und selbst ein Abstieg haben mich nicht dazu gebracht, das Produkt zu wechseln. Ich weiss aber auch, dass man nicht ewig in der Vergangenheit leben kann. Schliesslich telefoniert – wenn überhaupt – heute auch niemand mehr mit einer Wahlscheibe. Ich erwarte aber, dass ich als Zielgruppe ernst genommen und einbezogen werde, wenn die Zukunft gestaltet wird. Ich bin weit davon entfernt, mich nur als Kunde behandeln zu lassen.

Das einzige, was ich von der Führung respektive den leitenden Angestellten des FC Basel 1893 AG erwarte ist, dass sie sich in den nächsten Wochen und Monaten dieser Tatsachen bewusst werden. Justieren Sie ihr Sensorium für die Vergangenheit und gestalten Sie mit uns Fans zusammen die Zukunft. Es gibt auf dem Weg in die Zukunft immer Verlierer und Gewinner, aber es sollte nie so weit gehen, dass der Klub dabei seine Seele verliert. Niederlagen gehören zum Sport. Niederlagen sind es, welche die unheimliche Erfolgsgeschichte des FCB erst zu einer solchen gemacht haben. Mit der Ankündigung der Preiserhöhungen hat die Führung des FCB eine Niederlage eingesteckt, mehr nicht. Wer verliert, hat deswegen nicht alles schlecht gemacht. Lasst uns deshalb aus dieser Niederlage lernen und es künftig besser machen.

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