Was bleibt hängen? Die WM 2010

29 06 2010

Die WM in Südafrika geht oder ist bereits in der entscheidenden Phase und irgendwie mag keine Stimmung aufkommen, trotz Sommermärchen-Wetter. Was bleibt hängen, nachdem der Ball nun mehr als zwei Wochen rollt? Eigentlich wenig bis nichts, zumindest fussballerisch. Fatale Schiedsrichterentscheidungen, halbleere Stadien und alles übertönt vom Surren der Vuvuzelas. Die Massen in Südafrika wurden genauso wenig vom WM-Fieber angesteckt wie der Rest der Welt. Gefeiert wird wenn überhaupt in den Fanmeilen Südamerikas und in Deutschland. Hoffen wir, dass sich ab den Viertelfinals doch noch so was die Dramatik ergibt. Enge Spiele, Verlängerung und Tragödien nach einem Aus im Penaltyschiessen. Die Paarungen Deutschland – Argentinien und Brasilien – Holland versprechen zumindest vom Papier her eine gewisse Spannung.

Trotzdem: etwas Positives hat die WM 2010 bisher. Es gibt keine Strassenschlachten und Ausschreitungen, da selbst den Hooligans der Weg ans Kap zu weit ist. Das wird sich an der EM 2012 un Polen und der Ukraine leider wieder ändern…

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Public-Viewing oder der Traum vom grossen Geld

28 06 2010

Die Betreiber der Public-Viewing Anlage im Schänzli in Muttenz sind ratlos. Gemäss der Basler Zeitung von heute, ist der Platz vor dem grössten LED-Bildsschirm Europas (Eigenwerbung, nicht nachgeprüft) meist leer. Woran liegt es? Die Rahmenbedingungen würden doch stimmen? Auch in Deutschland sind die Fanmeilen rappelvoll. Nun, die Ratlosigkeit scheint ziemlich naiv, war das Projekt doch von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Und ich kann euch auch sagen wieso.

  1. Die Lage: Nahe bei der Stadt ist halt nicht in der Stadt! Es müsste jedem klar sein, dass Herr und Frau Basler ihre Feste IN der Stadt zu feiern pflegen. Das ist eine Tatsache. Der Barfi oder der Marktplatz wären hier ideal gewesen (aber natürlich gäbe es dafür nur schwer Bewilligungen).
  2. Die Schweizer Nati: Wir sind eine Fussballstadt aber keine Fussballnation. Der Erfolg gegen Spanien kam überraschend und eigentlich war nicht damit zu rechnen, dass die Schweiz länger für drei Spiele in Südafrika ist.  Das ist in Deutschland anders, dort herrscht quasi Planungssicherheit bei Betreibern von Fanmeilen.
  3. Die WM ist in Südafrika!: Mit anderen Worten, es kommen keine Spontanfans aus anderen Ländern vorbei und gehen mal kurz in eine Public-Viewing Anlage. WM-Euphorie in der Stadt gibt es so nicht. Ist und war eigentlich schon im Vorfeld logisch.
  4. Kleinigkeiten: Dass ausgerechnet an den ersten Wochenenden Regen und kaltes Wetter den Umsatz vermieste, war unglücklich, aber mit schlechtem Wetter muss man rechnen. Ausserdem kommt es keinem in den Sinn, zwei oder dreimal pro Woche für ein Public-Viewing ins Schänzli zu gehen und dabei schon fast 50.- nur für den Eintrittspreis liegen zu lassen. Auch ist die Dimensionierung völlig falsch. Stimmung kommt in der Anlage nur auf, wenn sich Tausenden versammeln. Da die Anlage aber meist leer und stimmungslos ist, zieht das auch keine Kurzentschlossenen an. 

Wir wollen ja nicht besserwisserisch sein und Privatunternehmern ihren nicht erreichten Erfolg vorhalten. Aber wenn private Investoren mit solcher Naivität und Blauäugigkeit eine Idee verfolgen, dann ist das wie Lotto spielen und hat mit Geschäftssinn nichts zu tun. Und mit Lotto spielen ist das halt so eine Sache: in den meisten Fällen verliert man.

Übrigens: Noch bleiben zwei Wochen WM. Platz genug hat es im Schänzli: http://www.public-viewing-basel.ch/





Wie bringe ich das meinem Kind bei?

21 06 2010

Früher, ja früher war alles besser. Der Ferdy Kübler ist damals noch ohne Blutdoping und Motor (nur ein Witz Herr Cancellara) von Sieg zu Sieg gestrampelt. Der Karli Oder matt und seine Kollegen sassen in den bekannten Restaurants und Bars der Stadt mit den Fans zusammen, tranken einen über den Durst und haben am Tag darauf die Meisterschaft gewonnen. Und früher, ja früher, da waren Fussballweltmeisterschaften noch ein Ereignis für die ganze Familie. Angefangen hat dann alles mit der Hand Gottes (Maradona im Viertelfinal Spiel der WM 1986 in Mexiko gegen England). Seit diesem Tag, weiss jeder Knirps auf dem Fussballplatz, dass „Schummeln“ zum Sport dazu gehört.

Doch die Weltmeisterschaften in Südafrika (O-Ton Sepp Blatter am Tag des Finalspiels am 11. Juli 2010 „Die besten Weltmeisterschaften aller Zeiten“) toppen alles Bisherige. Fussball, das Spiel aller Schichten der Gesellschaft,  ist immer mehr zum Spiegelbild dieser geworden. Die heile (Vorbilds-)Welt können Messi, Ronaldo & Co. nur noch bedingt vorgaukeln.

Das fängt bei den Löhnen an. Ein Cristiano Ronaldo soll bei Real Madrid rund 20 Millionen Franken verdienen. Das ist das 500-fache eines Gartenarbeiters in der Schweiz, der jederzeit in der Lage ist, einen Rasen anzulegen, auf dem auch Ronaldo seine Schnelligkeit und seine Dribblings ausleben kann. Ungerecht? Nein, Spiegelbild unserer Gesellschaft.

Die französischen Fussballer sind zwar als Einzelspieler begnadete Fussball, menschlich haben Sie sich aber kaum weiterentwickelt. „Sie stammen fast alle aus den „Banlieu“, sie haben gelernt, wie man den Ball stoppt und weiterspielt, aber sie haben keinen Respekt. Sie stellen das Spiegelbild der Probleme der französischen Gesellschaft dar“, meint denn auch Gilbert Gress auf Newsnetz. Heisst das jetzt, dass jeder Bub mit einem Trikot von Anelka künftig seinen Lehrer darauf hinweisen kann, dass er sich im „Pfefferland selbst vergnügen“ soll?

Die Brasilianer werden wahrscheinlich Weltmeister und ein Schiedsrichter sieht nicht alles, kann nicht alles sehen. Wenn er wie gestern aber den Torschützen fragt, ob er den Ball mit der Hand genommen hat und dieser (Luis Fabiano) das Unschuldslamm spielt, spricht lügt, dann ist es schwer, einem Kind zu erzählen, dass dies nicht richtig ist.

Es ist sicherlich nicht Aufgabe des Fussballs besser als die Gesellschaft zu sein, aber man könnte sich durchaus überlegen, ob Fussballspiele künftig einer Freiwilligen Schutzkontrolle (FSK) unterliegen sollten. Was man dort zu sehen und hören bekommt, ist sicherlich nicht harmloser, als in einem Film, welcher nicht unter 16 Jahren freigegeben ist. Das ist natürlich nicht Ernst gemeint (für alle jene, die das Wort Ironie nicht kennen), aber die Tendenz geht in diese Richtung. Der Fussball hat sein Unschuld längst verloren…

P.S.:Übrigens sind auch die Äusserungen an den anschliessenden Medienkonferenzen nicht immer druckreif, wie das Beispiel Carlos Dunga zeigt. Die FIFA ermittelt und wir sind froh, werden die Medienkonferenzen zumindest in unsere Stuben nicht live übertragen.





Nordkorea vs. Portugal – Memories

21 06 2010

Heute ist es wieder soweit. Portugal trifft auf Nordkorea. Die Kicker aus dem Land hinter dem eisernen Vorhang machten schon 1966 an der WM in England (ja genau, das ist die WM bei der die Engländer ihren bisher einzigen Titel holten) von sich reden. Nachdem sie in der Vorrunde Italien ausgeschaltet haben, trafen sie auf Portugal. 3:0 führten die Nordkoreaner und verzückten das englische Publikum. Doch dann hatte ein Mann genug. Portugals Fussball-Legende Eusebio traf 4 Mal und schliesslich gewann Portugal 5:3 und zog sich nochmals aus der Affäre. Wie sieht das heute Nachmittag wohl aus?





Sprachkurs für Sportjournalisten

18 06 2010

Nun, wir wollen eigentlich ja nicht klugscheisserisch sein. So haben wir uns daran gewöhnt, dass die Journalisten alle vier Jahre davon reden, was die Olympioniken jetzt so alles an der Olympiade machen. Nun eigentlich warten die Olympioniken während der Olympiade (der Zeitraum zwischen den Spielen) auf die olympische Spiele. Aber das nur nebenbei.

Bei der Fussball-WM in Südafrika hat sich nun, aufgrund der grottenschlechten Leistungen der Equipe tricolore aus Frankreich, der Begriff „Vize-Weltmeister“ durchgesetzt. Noch so ein sprachliches Gebilde, das jeder verwendet, ohne vorher den Kopf einzuschalten. Also liebe Journalisten bei ARD, ZDF, SF TV, SWR usw.: Frankreich ist der WM-Finalist von 2006, Frankreich wurde an der WM 2006 Zweiter, aber Frankreich ist NICHT Vize-Weltmeister. Das würde nämlich heissen, dass sie nachrücken, wenn den Italienern was passiert. Die Engländer reden ja auch nicht von Vice-Champion.

Gut, jetzt mag ein anderer Klugscheisser zu recht einwenden, dass bei den Italienern sowieso nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Doping, Bestechung etc. , so das denen der Titel bald aberkannt würde. Dann, ja dann wären die Franzosen doch noch Weltmeister! Aber keine Angst. Sepp sorgt schon dafür, dass dies nicht passiert.





Wir sind Schweiz!

16 06 2010

(Fotoquelle: Blickonline – Keystone)

Die WM ist definitiv in der Schweiz angekommen. Das auf dem Papier vermeintlich schwerste Spiel liegt hinter uns. Niemand der uns auf die Schultern klopft und sagt: „Schade, aber ihr habt gut gespielt“. Kein mitleidiges: „Wir hatten Respekt vor der Schweiz. Sie haben gute Spieler, aber meine Mannschaft hat dies gelöst“. NEIN! Für einmal heisst der Sieger Schweiz!

Nach 105 Jahren haben WIR die Spanier in eine Spiel besiegt. SUIZA EXISTA! YES! Wir sind Schweiz! Und genau das hat den Spaniern heute gefehlt. Sie waren gute Einzelspieler, aber sie waren nicht Spanien und schon gar nicht Schweiz!





Die Vuvuzela von der Aeschenvorstadt

16 06 2010

Die Anwohner und Passanten in der Aeschenvorstadt in Basel können ein Lied davon singen, was es heisst, im Banne der Vuvuzela zu stehen. Selbst ohne Fussball-WM und entsprechender TV-Übertragung ist der schräge Ton der Vuvuzela Bestandteil jedes Tages. Seit in der Aeschenvorstadt die Strasse und die Tramgeleise aufgerissen werden, warnt ein freundlicher (kein Südafrikaner) Sicherheitsmann die Arbeiter mit seiner Vuvzela jeweils vor den heranbrausenden Trams. Damit haben alle in der Aeschenvorstadt ihr ganz persönliches WM-Vuvuzela Erlebnis und das wird wohl über den Finaltag in Südafrika andauern.