Der Balanceakt mit der Sättigung

21 05 2013

Der FC Basel läuft gegen Ende der Spielzeit auf dem Zahnfleisch. Im Vergleich zum Rest der Schweizer Liga hat das Team von Murat Yakin rund 20 Spiele mehr in den Knochen. In Deutschland ist das mehr als eine Hinrunde! Kein Wunder stottert der Motor nun und kein Wunder ist die Selbstverständlichkeit und der Angriffsfussball nur noch ein Schatten seiner Selbst. Deshalb redet auch niemand von einem Wunder, wenn der zurzeit zweitbeste Klub der Schweiz (GCZ) den Cupsieg in Penaltyschiessen holt. Da muss keine Welt zusammenbrechen, noch braucht es deswegen Krisensitzungen auf der Geschäftsstelle des FCB.

Trotzdem hat sich gestern etwas abgezeichnet, was richtungsweisend sein kann. Ständig spielt der FCB mit einer Mannschaft am Rande des Sättigungsgrades. Es ist den Verantwortlichen zu verdanken, dass man die Grenze bisher nicht nachhaltig überschritten hat. Trainerwechsel und Spielerzukäufe brachten immer wieder neue Impulse. Doch nun sehen sich die Verantwortlichen im Hinblick auf die neue Saison vor Herausforderungen. Der Meistertitel wird sich die Mannschaft kaum mehr nehmen lassen, die Champions-League Qualifikation kann zumindest im Hintergrund geplant werden. Doch was auf dem Papier toll aussehen mag, verdient einen vertieften Blick.

Die Sättigung betrifft auch die Konsumenten sprich Zuschauer. Diese zeigt sich zum Beispiel in der Tatsache, dass ein Cupfinal nach sechs Finalteilnahmen in der jüngeren Zeit nicht mehr zieht. Das Ergebnis sind viele freie Plätze im Stade de Suisse. Obwohl die Mannschaft in der Europa-League eine unglaubliche Serie an den Tag legte, füllten sich die Stadien erst, als Tottenham und Chelsea kamen. Mit einer Selbstverständlichkeit erwarten die Zuschauer heute Erfolge, Titel und Spektakel und immer mehr zeigt sich, dass nur der harte Kern, wegen dem FCB an sich ins Stadtion kommt. Solche Tendenzen sind auch Vorboten in Sachen Sponsoring. Sponsoren wie Zuschauer müssen unterhalten werden, sollen sie auch in Zukunft ihr Portemonnaie öffnen. Und hier gilt es, die richtige Strategie zwischen der Steuerung der Erwartungshaltung und der Erfüllung des Anspruches auf dem Platz, zu finden.

Sättigung gepaart mit Müdigkeit nach einer langen Saison ist aber auch in der Mannschaft zu erkennen. So hatte man zweitweise den Eindruck, dass in den letzten Monaten Meisterschaftsspiele zum leidigen Pflichtprogramm verkamen. Es wird einen Schnitt geben (Steinhöfer, Cabral, Yapi müssen sowie Stocker, Dragovic und ein überraschenderer Dritter? werden wohl gehen). Sportlich liegt es dann an Murat Yakin, die nötigen Reize zu schaffen, dass die Sättigung eben nicht eintritt und der Wille nach immer mehr Erfolg verinnerlicht und damit zum Selbstverständnis wird. Eine der heikelsten Fragen stellt sich im Sturm. Kann Marco Streller trotz angekündigter Vertragsverlängerung nochmals die Kraft und den Willen für eine weitere Saison finden, gelingt die Integration von Bobadilla und welche Jungen nach Fabian Schär schaffen den Sprung in die 1. Mannschaft.

Die Antworten darauf sind richtungsweisend und sie sind in einem Umfeld zu suchen, welches den täglichen Balanceakt der Sättigung beherrschen muss, will der FCB auch die nächsten 10 Jahre erfolgreichen Fussball spielen.

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