Public-Viewing oder der Traum vom grossen Geld

28 06 2010

Die Betreiber der Public-Viewing Anlage im Schänzli in Muttenz sind ratlos. Gemäss der Basler Zeitung von heute, ist der Platz vor dem grössten LED-Bildsschirm Europas (Eigenwerbung, nicht nachgeprüft) meist leer. Woran liegt es? Die Rahmenbedingungen würden doch stimmen? Auch in Deutschland sind die Fanmeilen rappelvoll. Nun, die Ratlosigkeit scheint ziemlich naiv, war das Projekt doch von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Und ich kann euch auch sagen wieso.

  1. Die Lage: Nahe bei der Stadt ist halt nicht in der Stadt! Es müsste jedem klar sein, dass Herr und Frau Basler ihre Feste IN der Stadt zu feiern pflegen. Das ist eine Tatsache. Der Barfi oder der Marktplatz wären hier ideal gewesen (aber natürlich gäbe es dafür nur schwer Bewilligungen).
  2. Die Schweizer Nati: Wir sind eine Fussballstadt aber keine Fussballnation. Der Erfolg gegen Spanien kam überraschend und eigentlich war nicht damit zu rechnen, dass die Schweiz länger für drei Spiele in Südafrika ist.  Das ist in Deutschland anders, dort herrscht quasi Planungssicherheit bei Betreibern von Fanmeilen.
  3. Die WM ist in Südafrika!: Mit anderen Worten, es kommen keine Spontanfans aus anderen Ländern vorbei und gehen mal kurz in eine Public-Viewing Anlage. WM-Euphorie in der Stadt gibt es so nicht. Ist und war eigentlich schon im Vorfeld logisch.
  4. Kleinigkeiten: Dass ausgerechnet an den ersten Wochenenden Regen und kaltes Wetter den Umsatz vermieste, war unglücklich, aber mit schlechtem Wetter muss man rechnen. Ausserdem kommt es keinem in den Sinn, zwei oder dreimal pro Woche für ein Public-Viewing ins Schänzli zu gehen und dabei schon fast 50.- nur für den Eintrittspreis liegen zu lassen. Auch ist die Dimensionierung völlig falsch. Stimmung kommt in der Anlage nur auf, wenn sich Tausenden versammeln. Da die Anlage aber meist leer und stimmungslos ist, zieht das auch keine Kurzentschlossenen an. 

Wir wollen ja nicht besserwisserisch sein und Privatunternehmern ihren nicht erreichten Erfolg vorhalten. Aber wenn private Investoren mit solcher Naivität und Blauäugigkeit eine Idee verfolgen, dann ist das wie Lotto spielen und hat mit Geschäftssinn nichts zu tun. Und mit Lotto spielen ist das halt so eine Sache: in den meisten Fällen verliert man.

Übrigens: Noch bleiben zwei Wochen WM. Platz genug hat es im Schänzli: http://www.public-viewing-basel.ch/

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