Doktorentitel werden überschätzt

18 02 2011

Der Fall des ehrenwerten Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg gibt uns die Gelegenheit, uns wieder mal allgemein über die akademische Würde der Dissertation Gedanken zu machen. Der Doktortitel, von vielen mit Stolz getragen und oft auch Bestandteil der e-mail-Adresse, ist fast schon ein Statussymbol. Aufwändig zu erlangen und rechnet man den entgangenen Lohn im Berufsleben bei einer rund 3-jährigen wissenschaftlichen Arbeit dazu, mindestens so teuer wie ein Aston Martin oder Ferrari. Mit dem Unterschied, dass dieses Statussymbol ein Leben lang hält.

Was aber ist der Titel wirklich wert? Sind deren Titelträger bessere Manager, Politiker oder Unternehmer? Nun, es ist auf jeden Fall in der heutigen Gesellschaft immer noch so, dass deren Titelträger oft als etwas Besonderes behandelt werden. Es gibt Unternehmen, welche Träger der Doktorenwürde Salärmässig höher einstufen und das auch bei Stellenbeschreibungen, bei denen eine Dissertation keinen Mehrwert bringt. Nun, das mag den Doktoren auch gegönnt sein, schliesslich sind mit einer Dissertation oft Entbehrungen verbunden und man will dafür schliesslich auch etwas zurückhaben.

Die Kernfrage die sich mir aber stellt, ist eine andere. Und zwar welchen Einfluss die Dissertation auf die berufliche Qualifikation eines Menschen hat? Mit anderen Worten: Wann zeigt uns der Titel, dass diese Person „mehr auf dem Kasten“ hat und wann ist er ein Anhängsel gleich einem echten oder falschen Adelstitel?

Ich wage aber zu behaupten, dass eine Dissertation nur bedingt einen beruflichen Mehrwert bringt. Offensichtlich ist dieser dort gegeben, wo die Dissertation mit der eingeschlagenen beruflichen Karriere korreliert. Sei dies bei Forschern, bei Ärzten oder teilweise auch bei Juristen, welche sich auf Spezialgebiete fokussieren. In vielen Bereichen ist der Doktortitel aber kaum oder gar nicht dafür verantwortlich, was ein Mensch beruflich zu leisten vermag. Abgesehen vielleicht von der Tatsache, dass eine abgeschlossene Doktorarbeit Beleg dafür ist, dass man sich drei Jahre in etwas reinhängen kann, selbständig arbeitet, organisatorisch versiert ist und am Schluss auch in der Lage sein muss, sich mit Worten zu artikulieren.

Trotzdem darf man sich fragen, ob Christoph Blocher auch ohne seine Dissertation zum Thema „Die Funktion der Landwirtschaftszone und ihre Vereinbarkeit mit der schweizerischen Eigentumsgarantie“ ein erfolgreicher Unternehmer geworden wäre. Ich meine ja. Oder hat Roger Schawinski seine Diss. zum Thema „Die sozio-ökonomischen Faktoren des Fremdenverkehrs in Entwicklungsländern: Der Fall Guatemala“ im Rahmen seiner Tätigkeit als Privatradio- und TV-Pionier vorwärts gebracht? Wohl kaum und die Liste liesse sich beliebig verlängern.

Und genau so verhält es sich auch beim lieben Herr zu Guttenberg. Selbst wenn ihm seine Doktorenwürde aberkannt würde, hätte das keinen Einfluss auf seine Qualitäten als Politiker. Er ist und leistet was er ist auch ohne seinen Titel. Es stellt sich höchstens die Frage, ob ein Politiker Ansprüchen der höchsten Glaubwürdigkeit und Integrität genügen muss. Und hier sieht die Welt dann vielleicht wieder anders aus… Hätte er sich doch nur mit dem Adelstitel begnügt. Er wäre auch so in der Politik gross rausgekommen, denn Doktorentitel werden überschätzt.

Ausser natürlich in hierarisch aufgebauten und deutsch geprägten Unternehmen. Dort ist es immer von Vorteil, hat man einen solchen Titel.

P.S. Der Verfasser wäre zu einer Dissertation zugelassen gewesen, hat es aber vorgezogen praktische Berufserfahrung zu sammeln und Geld zu verdienen. Und natürlich habe ich höchste Achtung vor all jenen, welche sich in eine wissenschaftliche Arbeit einer Dissertation stürzen und dafür einen nicht geringen Teil ihres kurzweiligen Lebens opfern.