Sport-PR (Teil 3): Der FC Zürich

24 06 2009

fcz

In Teil 3 der kleinen Serie „Die Kommunikation der Schweizer Fussballvereine im Urteil“ wenden wir uns dem aktuellen Schweizer Meister der Super League zu, dem FC Zürich. Natürlich erwartet man von einem Meister auf dem Rasen auch, dass er zu den Meistern der Kommunikation gehört. Hat doch der Zürcher Stadtklub genau wie die Berner Young Boys, die Grasshoppers sowie der FC Basel einen vollamtlichen Medien-/Kommunikationschef.

Bei der Beurteilung wird nach folgendem Raster vorgegangen. Ausgangspunkt ist die Website des Klubs: http://www.fcz.ch. Es geht allerdings nicht darum, den Internetauftritt als solches zu analysieren, sondern diverse Punkte der Stakeholderkommunikation anhand der Website zu beurteilen. Im Vordergrund stehen folgende Punkte:

–         Gibt es eine Medienseite?

–         Welchen Inhalt haben die News?

–         Welche Informationen gibt es für potentielle Sponsoren?

–         Was wird den Fans geboten?

–         Wie ist das Angebot im Bereich Merchandising?

Ebenfalls in die Beurteilung fliesst die Berichterstattung in den Medien sowie das Bild, welche die Vereine in den Medien abgeben.

Der FC Zürich ist in den letzten Jahren dreimal Meister geworden und hat sich vom Arbeiterklub zu einem professionell (100%-Präsident Canepa und Sportchef Bickel) geführten Klub entwickelt. Immer noch spielt man gerne mit der Rolle des Underdog , aber längst ist der Arbeiterklub in höheren Budgetsphären angekommen.

Medienkontakt

Zumindest vordergründig top. Ob dann hinten raus auch geliefert wird, was versprochen ist, können wir nicht beurteilen. Auf jeden Fall gibt es alle notwendigen Informationen im „Medien-Corner“. Telefonnummer und eMail des Medienchefs sowie alle Pressemitteilungen sind auch auf fcz.ch. Zudem ist der FCZ der einzige Klub in der bisherigen Serie, der verschiedene Pressemappen mit historischen und aktuellen Informationen zum Download anbietet. Ein sehr guter Dienst, auch wenn die eigentlichen Informationen noch ergänzt werden können. So wäre dieser Bereich auch die Gelegenheit mehr Informationen über Fan- und Jugendarbeit sowie weitere Engagements zu platzieren.

News-Gehalt

Es gibt regelmässig News. Querbeet und nicht nur auf die sportlichen Aktivitäten beschränkt. Sehr gut auch die Möglichkeit, sich News via RSS zu abonnieren. Dies zeigt, dass man auch den elektronischen Kanälen sowie Web 2.0 Applikationen aufgeschlossen gegenüber steht.

Potentielle Sponsoren

Vorbildlich! Es gibt unzählige Informationen unter einem speziellen Punkt „Sponsoringmöglichkeiten“. Wo es keine weiterführenden Informationen per PDF gibt, ist für jeden einzelnen Sponsoringbereich eine Person mit eMail und Telefonnummer angegeben. Hier stimmt nicht nur der Inhalt sondern auch die Verpackung.

Ausserdem wird auch gleich die Möglichkeit für Sponsoring bei den FCZ Frauen, den Letzikids und der Academy angeboten. Ein wahrlich integrativer Ansatz, der sehr positiv ist.

Kleiner Wehrmutstropfen auch hier, genau wie bei den anderen beurteilten Klubs bisher: Man erfährt praktisch immer nur, welche geldwerte Leistung man für sein Sponsoring erhält. Zu wenig wird aus dem Brand FCZ und der Vermittlung seiner Werte gemacht.

Angebot für Fans

Interessant ist, dass es keinen speziellen Fanbereich gibt. Entweder sind alle, die zum FCZ kommen Fans und es erübrigt sich deshalb, oder man legt keinen Wert darauf. Immerhin ist das Angebot mit FCZ-TV und dem Shop grosszügig und vielfältig. Auch der FCZ hat eine Zeitschrift. Im Bereich „Club“ findet man dann doch noch etwas für Fans. Zum einen Porträts verschiedener Fanklubs, zum anderen Informationen zur Fanarbeit. Informationen übrigens, die wir uns auch im Download-Bereich im Medien-Corner vorstellen können. Denn die Fan-Arbeit hat zwar als erste Zielgruppe die Fans, aber im Spannungsfeld der Öffentlichkeit, muss man auch den Medien darlegen, was man in diesem Bereich unternimmt.

Ziemlich umständlich hingegen ist der Weg herauszufinden, ob und wie man Mitglied beim FCZ wird.

Das Bild in den Medien

Der FCZ kommt in den Medien sehr gut weg. Bodenständig und volksnah. So standen die sportlichen Exponenten des Klubs während des Meisterschaftsfinales fast jederzeit zur Verfügung, während man sich beim FCB an feste Termine und Gesprächspartner hielt. Die einen mögen dies unprofessionell andere eine offene Kommunikation nennen. Solange es die Spieler nicht von ihre Arbeit abbringt ist es auf jeden Fall kommunikativ zu begrüssen.

Ein weiterer Vorteil des Klubs ist es, das er immer noch vom Ruf des Arbeiterklubs profitieren kann. Geld und Budget stehen kommunikativ nicht im Vordergrund und das obwohl er der einzige Klub in der bisherigen Serie ist, der einen Bereich „Management“ hat, wo auch Finanzkennzahlen transparent kommuniziert werden. Hier sieht man, dass der Klub auch wirtschaftlich ganz oben mitreden will.

Fazit

Der Meister wird seinem sportlichen Anspruch auch kommunikativ gerecht. Fast ohne Negativpresse und immer bodenständig und trotzdem professionell im Hintergrund. Die Kommunikation stimmt hier.

Nächste Woche schliessen wir die Serie ab und schauen dem Branchenprimus, dem FC Basel kommunikativ auf die Finger.

Bisher erschienen:

Sport-PR: Die Kommunikation der Schweizer Fussballvereine im Überblick

Teil 1: Der Grasshopper-Club Zürich

Teil 2: Die Berner Young Boys





Zwei Teams für die Champions League

27 04 2009

champions-league-logo_kleiner(Foto: Uefa)

Laut dem aktuellen Länderranking der UEFA, belegt die Schweiz Platz 15 und liegt damit knapp vor Dänemark. Dieser 15. Platz berechtigt sowohl den Erst- als auch den Zweitplatzierten der Meisterschaft zur Teilnahme an der Champions League Qualifikation. Unklar ist noch, wo der Schweizermeister sowie der Zweitplatzierte in den Wettbewerb eingreifen. Auf jeden Fall hätte der FC Basel die beste Ausgangslage. Egal, in welcher Runde er eingreift, er würde zu den gesetzten Teams zählen. In der aktuellen Teamrangliste der Uefa liegt der FCB auf Platz 37, während der diesjährige Titelmitfavorit FCZ auf Platz 116 und die Berner Young Boys auf Platz 178 liegen.

Der 2. Champions-League Platz ist allerdings erst ab er Saison 2010/2011 gesichert. In diesem Jahr spielt nur ein Team um den Einzug in die „Sternennächte“.





Nachgetreten: Die Durchhalteparolen

16 02 2009

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(Bild: flickr.com)

Glauben Sie mir, nichts liegt mir ferner, als dem FCB Miss-Erfolg zu wünschen. Ich gehöre nämlich in die Kategorie „Ja, eine FCB-Niederlage kann mir die Stimmung versauen“ und manchmal sogar ein Unentschieden wie gestern gegen die Grasshoppers. Was mich allerdings noch wütender macht, sind die ständigen Durchhalteparolen. Ja, ich weiss, dass Leben als Fussballprofi ist nicht einfach und nach dem Spiel eine gescheite Analyse zu machen, ist noch weit schwerer.

Aber langsam glaube ich, dass die Aussagen auch von der eigenen Leistung ablenken sollen. Beispiele gefällig.

„Diese Niederlage ist nicht so schlimm, wir haben ja noch 17 Spiele vor uns“. – Reto Zanni nach der 2:3 Niederlage gegen die Berner Young Boys am 7. Februar 2008.

„Jetzt müssen wir gegen GC und den FCZ gewinnen“. – Marco Streller nach der 2:3 Niederlage gegen die Berner Young Boys am 7. Februar 2008.

Wir können es immer noch aus eigener Kraft schaffen, Meister zu werden.“ – Marco Streller, nachdem der FCZ gegen GC am 8. Februar 2009 nur ein 2:2 erreichte.

„Jetzt müssen wir gegen den FCZ gewinnen. Ohne Wenn und Aber. – Marco Streller nach dem 0:0 gegen die Grasshoppers.

„Wir müssen auch das positive sehen, wir haben kein Tor erhalten.“ – Benjamin Huggel nach dem 0:0 gegen die Grasshoppers.

Nun, Durchalteparolen können was Gutes sein. Sie können dem Fan das Vertrauen in die Mannschaft vermitteln. Zum Bummerang werden diese nur, wenn die Spieler beginnen zu glauben, was sie erzählen. Dann nämlich liegt der Verdacht nahe, dass sie den Ernst der Lage nicht wirklich erkannt haben. Noch ist es aber nicht soweit und wir können immer noch auf das nächste Spiel gegen den FCZ hoffen.

Wenn die Spieler dann anschliessend nur nicht zu Protokoll geben: “ Meister wird, wer am Ende oben steht und noch ist rechnerisch alles möglich.“ Eine weitere sehr beliebte Durchhalteparole, um eigentlich nichts anders zu sagen wie: Es ist alles verloren, wir haben es vergeigt!